english version
Beteiligte Personen: Dr. Jürgen Breckenkamp, Patrick Brzoska, Prof. Dr. med. Oliver Razum
Doktorandinnen: Maren Bredehorst, Angela Fehr, Linda Seefeld, Carolin Sobiech
Im Zeitalter der Globalisierung lässt sich Public Health nicht mehr allein innerhalb von nationalen Grenzen betreiben. Durch den Globalisierungsprozess ergeben sich ständig neue Herausforderungen für Public Health in Deutschland und seinen europäischen Nachbarländern, die einen weiter reichenden Blick erfordern:
- Ein nahe liegendes Beispiel ist die schnelle Ausbreitung von – teilweise neu auftretenden – Infektionskrankheiten wie der „Neuen Grippe“ oder SARS im Rahmen der zunehmenden internationalen Handels- und Reisetätigkeit.
- Zu den eindrücklichsten Belegen gesundheitlicher Ungerechtigkeit gehört die weltweite Ungleichheit bei der Kindersterblichkeit. Die Kindersterblichkeit steigt in Weltregionen wie Afrika, die durch die Globalisierung wirtschaftlich an den Rand gedrängt werden, sogar wieder an. Die erforderlichen Interventionen sind einfach und kostengünstig. Deren nachhaltige Umsetzung ist aber trotz vieler Bemühungen noch nicht ausreichend gelungen.
- Der „westliche“ Lebensstil breitet sich aus, was durch Urbanisierung, die Entwicklung globalisierter Märkte und transnationaler Unternehmen gefördert wird. Das trägt dazu bei, dass sich u. a. die Tabakepidemie jetzt auch in ärmeren Ländern ausbreitet. Durch die Lebensstiländerungen steigt dort die Krankheitslast durch chronische, nichtübertragbare Erkrankungen, während die „unfinished agenda" der Infektionskrankheiten, der Kinder- und der Müttersterblichkeit noch weiter besteht.
- Weltweite Unterschiede in Wohlstand und wirtschaftlicher Entwicklung, aber auch Klimaveränderungen sowie Konflikte innerhalb oder zwischen Ländern, gehen mit Migration oder Flucht einher. Die weltweit zunehmende Mobilität beeinflusst Größe, Alters- und Sozialstruktur von Bevölkerungen und verändert die Epidemiologie von Krankheiten (siehe dazu auch die Seite zu Migration ...mehr). Das hat direkte Auswirkungen auf die Gesundheitssysteme. Verstärkt werden sie besonders in ärmeren Ländern durch die Abwanderung von Gesundheitspersonal (sog. „Brain Drain"). Der weltweite Fachkräftemangel im Gesundheitssektor führt teilweise zu gezielter internationaler Rekrutierung durch reichere Industrienationen. Es gibt aber inzwischen verstärkte politische Zusammenarbeit auf globaler Ebene, um diesem Problem zu begegnen.
Das Programm ACBRIDGE (Bridging Academic Institutions) bietet Möglichkeiten, in der internationalen Gesundheitsforschung zu promovieren. Ein besonderes Merkmal von ACBRIDGE ist die interdisziplinäre Zusammensetzung der Partner und Promovierenden, die auf ganzheitliche Lösungen für wichtige Gesundheitsprobleme in Westafrika zielt. Dies wird verstärkt durch die enge Zusammenarbeit mit dem Department of Development Studies in Accra (Ghana). ACBRIDGE ist eines von fünf Exzellenz-Zentren, die vom Auswärtigen Amt finanziert und vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen des African Excellence Programmes unterstützt werden.
Die Partner sind:
- School of Public Health, University of Ghana; Prof. Dr. Fred Binka (Koordination)
- Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Tropenmedizin (Deutschland); PD Dr. Thomas Junghanss (Koordination); Jaswinder Kaur, MA (Administration)
- Schweizerisches Tropeninstitut, Abteilung für Medizinische Parasitologie und Infektionsbiologie, Basel (Schweiz); Prof. Dr. Gerd Pluschke
- Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften (Deutschland); Prof. Dr. Oliver Razum.
Das Programm endet am 31.7.2013. Es werden keine neuen Studierenden aufgenommen.
Primäre Gesundheitsversorgung ist eine grundlegende Struktur von Gesundheitssystemen - auch in Europa. Auf ambulanter Basis wird der Großteil aller auftretenden Gesundheitsprobleme und chronischer Leiden versorgt. Das Projekt Euprimecare, finanziert durch die Europäische Kommission, widmet sich der Qualität und den Kosten der primären Versorgung in unterschiedlichen Gesundheitssystemen. Mehr dazu hier.
- Razum, O./ Flessa, S./ Krawinkel, M.: "Primary Health Care" - Schnee von gestern oder brennend aktuell? Prävention und Gesundheitsförderung 2010; 5(1):8-9.
- Bozorgmehr, K./ Schubert, K./ Razum, O.: Primary Health Care von Alma-Ata bis Almaty. Prävention und Gesundheitsförderung 2010; 5(1):18-22.
- Razum, O./ Voigtländer, S.: "Primary Health Care" und Urbanisierung. Prävention und Gesundheitsförderung 2010; 5(1):29-36.
- Razum, O./ Breckenkamp, J./ Reitmaier, P.: Kindergesundheit in Entwicklungsländern. Frankfurt/M.: Peter Lang Verlag; 2008.
- Fehr, A./ Thurmann, P./ Razum O.: Editorial: Drug development for neglected diseases: a public health challenge. Trop Med Int Health 2006; 11(9):1335-1338.
- Razum, O./ Zeeb, H./ Laaser, U. (Hg.): Globalisierung - Gerechtigkeit - Gesundheit. Einführung in International Public Health. Bern: Huber; 2006.