Beteiligte: Dr. Jürgen Breckenkamp, Dipl. Biol. Susanne Glodny MSc, Prof. Dr. med. Oliver Razum
In der Individualmedizin hat die Evidenzbasierung in den letzten Jahren eine zunehmende Bedeutung erlangt (evidenzbasierte Medizin; EBM). So werden beispielsweise Entscheidungen über die geeignete Operationstechnik bei Leistenbrüchen oder die beste Medikation zur Verhinderung von Folgeerkrankungen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zunehmend auf der Grundlage von systematischen Literaturübersichten, medizinischen Behandlungsleitlinien und einer systematischen Bewertung von medizinischen Verfahren und Technologien (Health Technology Assessments; HTAs) getroffen.
Im Fokus von Public Health steht - im Gegensatz zur Individualmedizin - die Gesundheit von Bevölkerungen oder Bevölkerungsgruppen. Evidence-based Public Health bemüht sich dem entsprechend darum, Public Health-Maßnahmen, wie z.B. Präventionsprogramme, auf der Grundlage von zuverlässigen wissenschaftlichen Untersuchungen zu empfehlen.
Die Evidenzbasierung ist für Public-Health-Maßnahmen daher ebenso bedeutungsvoll wie in der Individualmedizin. Die bevölkerungsbezogene Ausrichtung erfordert allerdings zum Teil andere Herangehensweisen und Schwerpunktsetzungen. Bei der Planung von Public Health-Maßnahmen müssen neben den gesundheitlichen Aspekten auch soziale, ethische und kulturelle Gesichtspunkte systematisch berücksichtigt werden. Anders als in der Individualmedizin ist es bei bevölkerungsweiten Maßnahmen nicht möglich, Präferenzen des Teilnehmers an einer Maßnahme im Einzelfall zu erfragen und auszuhandeln.
Alle Public Health-Probleme müssen im Spannungsfeld von Ressourcen, Werten und Interessen der gesundheitspolitischen und wissenschaftlichen Akteure bearbeitet werden.
Abb1: EBPH-Modell: Nach: Gerhardus, Breckenkamp & Razum 2008




