Bedarfsermittlung grenzübergreifender vernetzter Strukturen für die medikamentöse Versorgung türkeistämmiger PendelmigrantInnen

Der Anteil älterer Menschen mit Migrationshintergrund steigt im Zuge des demografischen Wandels an. Besonders türkeistämmige Menschen im Rentenalter pendeln zwischen Deutschland und ihrem Herkunftsland. Diese PendelmigrantInnen[1] halten sich im Sommer meist mehrere Monate in der Türkei auf und im Winter in Deutschland. Auf diese Weise bleiben sie einerseits in Kontakt zu Verwandten und Freunden im Herkunftsland, zum anderen in der Nähe ihrer in Deutschland lebenden Kinder und ggf. Enkelkinder (Dietzel-Papakyriakou 2005; Laubenthal & Pries 2012).

Es wird debattiert, ob Pendelmigration und die damit einhergehende transnationale Lebensform eine Belastung für die Integration im Zielland der Migration oder nicht vielmehr eine zusätzliche Ressource darstellt (Fauser et al. 2015; Faist et al. 2013). Für ältere Menschen jedenfalls birgt die Pendelmigration gesundheitliche Risiken: Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit chronischer Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes oder Herz-Kreislauf-Krankheiten. Daraus resultiert die Notwendigkeit regelmäßiger medikamentöser Therapie sowie von medizinischen Kontrolluntersuchungen (Blutzuckerbestimmung, Blutdruckmessung etc.). Das wiederum erfordert regelmäßige Arztkontakte und einen Zugang zu den verschriebenen Medikamenten ohne finanzielle Hindernisse – wie dies in Deutschland durch die Zugehörigkeit zur gesetzlichen Krankenversicherung möglich ist.

In dieser Studie wird mit einem Mixed-Method-Ansatz untersucht, wie die medikamentöse Versorgung bei türkeistämmigen PendelmigrantInnen gestaltet wird, inwiefern Diskontinuitäten zu verzeichnen sind und welche Bedürfnisse PendelmigrantInnen hinsichtlich gesundheitlicher Angebote in Deutschland und in der Türkei haben.

Es werden 30 Leitfadeninterviews mit PendelmigrantInnen aus vier Regionen NRWs und 5 ExpertInneninterviews mit ÄrztInnen aus diesen Regionen geführt und zusätzlich Krankenkassen-Versichertendaten analysiert.

Die Ergebnisse aus den Interviews werden Aufschluss darüber geben, welchen Einfluss das Pendeln auf die Kontinuität medikamentöser Versorgung bei dieser Bevölkerungsgruppe hat, welche Barrieren in der medikamentösen Versorgung von den Betroffenen wahrgenommen werden und ob sich systematische Muster erkennen lassen, inwieweit sich die kontinuierliche Medikamenteneinnahme, bzw. das Absetzen von Medikation während ihres Aufenthaltes im Herkunfts- oder Zielland unterscheidet und welchen Einfluss die selbsteingeschätzte Gesundheit darauf hat. Die Analyse der Routinedaten werden Aufschluss darüber geben, inwiefern Diskontinuitäten in der Verschreibung chronischer Medikation bei türkeistämmigen älteren Menschen zu verzeichnen sind.

 

[1] Der Begriff „PendelmigrantInnen“ wird in Anlehnung an den Begriff `circular migration` verstanden, der im European Migration Network-Glossary als “a repetition of legal migration by the same person between two or more countries” definiert wird. (European Migration Network 2014:53)

Projektlaufzeit

Februar 2017 – Januar 2020

Projektförderung

Landeszentrum Gesundheit NRW (LZG.NRW)

Projektleitung/ Ansprechperson

Nurcan Akbulut (Universität Bielefeld)

Dr. Hürrem Tezcan-Güntekin

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