Stärkung der Selbstmanagement-Kompetenzen pflegender Angehöriger türkeistämmiger Menschen mit Demenz

Die Zahl pflegebedürftiger Menschen steigt im Zuge des demografischen Wandels stetig an. Auch Menschen mit Migrationshintergrund kommen zunehmend in ein Alter, in dem die Wahrscheinlichkeit pflegebedürftig zu werden größer wird. Angehörige von pflegebedürftigen Menschen mit Migrationshintergrund pflegen ihre Angehörigen häufig zu Hause und nehmen selten ambulante Unterstützungsangebote und Pflegedienste in Anspruch (Okken et al, 2008). Ursache dafür sind neben fehlender Informationen auch eine vom Pflegesystem unzureichende Berücksichtigung der Pflegesituation und -bedürfnisse von demenzerkrankten Menschen mit Migrationshintergrund und ihren Angehörigen (Tezcan-Güntekin et al, 2015). Insbesondere der frühe Verlust der Zweitsprache Deutsch im Verlauf einer Demenzerkrankung und starke emotionale Erinnerungen an die Zeit der Migration (Machleidt 2013), die durch die Demenzerkrankung sehr intensiv erlebt werden, erfordern bedürfnisorientiert gestaltete Unterstützungsmöglichkeiten für die Erkrankten und ihre Angehörigen.

In der qualitativ angelegten Studie wurden zwölf ExpertInneninterviews mit ExpertInnen aus dem medizinischen/sozialarbeiterischen/pflegerischen Feld und elf Leitfadeninterviews mit pflegenden Angehörigen (EhepartnerInnen und erwachsene Kinder) türkeistämmiger demenzerkrankter Menschen geführt, um ihre Wahrnehmung zu psychischen Belastungen und Bedürfnissen zu untersuchen. Die Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und anhand der qualitativen Inhaltsanalyse (Mayring, 2006) analysiert. Zusätzlich wurden die Interviews mit den pflegenden Angehörigen in Teilen durch die Dokumentarische Methode nach Bohnsack (2003) rekonstruktiv analysiert.

Die Analysen zeigten auf, dass die Angehörigen psychisch stark belastet sind und zumeist erst spät Zugang zum medizinischen, sozialarbeiterischen und pflegerischen Unterstützungssystem finden. Sowohl das Inanspruchnahmeverhalten als auch die Bedürfnisse und Nutzung eigener Ressourcen sind bei den Befragten sehr heterogen. Die Aktivierung der Selbstmanagement-Kompetenzen ist abhängig von einem Paradigmenwechsel von der Ohnmacht über die Erkrankung und die eigene Situation hin zu einer konstruktiven Haltung aktiven Handelns. Diesen Paradigmenwechsel gilt es bei pflegenden Angehörigen mit auf die Heterogenität der Gruppe ausgerichteten Instrumenten zu stärken.

Projektlaufzeit

15.03.2013 - 31.12.2016

Projektförderung

Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW (MIWF)

Projektleitung/Ansprechperson

Dr. Hürrem Tezcan-Güntekin

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