Projektleitung: Prof. Dr. Petra Kolip, Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften
Projektmitarbeiterin: MSc Antje Klötzler
Seit Herbst 2006 sind in Deutschland zwei Impfstoffe auf dem Markt, die vor der Infektion mit zwei Papillomaviren (16 und 18) schützen sollen. Eine Infektion mit diesen beiden Viren konnte in 70% aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs nachgewiesen werden. Im März 2007 sprach die Ständige Impfkommission eine Empfehlung für die Impfung von 12- bis 17-jährigen Mädchen aus, aus diesem Grund übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. Die Impfung wird mit aufwendigen Kampagnen beworben und Gardasil, einer der beiden Impfstoffe, steht auf der Liste der umsatzstärksten Arzneimittel auf Platz 1. Trotz der weiten Verbreitung ist die Impfung nicht unumstritten. Im Gegenteil: Es mehren sich die Stimmen, die darauf hinweisen, dass die Studienlage vor der Zulassung unzureichend war (und noch immer ist), die langfristigen Wirkungen ungenügend erforscht sind und die Nebenwirkungen bislang nicht systematisch genug dokumentiert werden. Die Kontroverse um Nutzen und Risiken der HPV-Impfung hat mittlerweile auch die Öffentlichkeit erreicht, nicht zuletzt, weil im Dezember 2008 eine kritische Stellungnahme von 13 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erschienen ist, die in den Publikumsmedien breit aufgegriffen wurde.
Die aktuelle Debatte stellt Eltern und auch die Jugendlichen selber vor die Situation, im Kontext einer emotional aufgeladenen fachwissenschaftlichen Diskussion eine eigene Entscheidung für oder gegen die Impfung zu treffen. Diese Situation wird dadurch erschwert, dass die Begründungszusammenhänge für oder wider die Impfung komplex und fachlich schwer zu bewerten sind und der Adressatenkreis im Zentrum einer Werbekampagne steht, die mit Verängstigung und dem Schutz von Jugendlichen arbeitet (siehe z.B. die Kampagne www.tellsomeone.de).
Vor diesem Hintergrund rückt die geplante Studie die Entscheidungsfindungsprozesse und den Informationsbedarf von Eltern und weiblichen Jugendlichen in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Im Rahmen einer qualitativen Interviewstudie wurden 13 Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren sowie ihre Mütter zum Thema HPV-Impfung befragt. Die befragten Mädchen sollen jeweils zur Hälfte geimpft bzw. nicht geimpft sein. Der Feldzugang erfolgte im Schneeballsystem über in Bremen und Umgebung sowie NRW lebende Mütter mit Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren.
Folgende Themen interessierten in den Interviews:
- Woher beziehen die Befragten ihr Wissen? Wie beurteilen sie die verschiedenen Informationsquellen? Wie wird das Thema in der Schule bearbeitet?
- Welche Gründe sprechen aus der Sicht der Befragten für und gegen die Impfung? Aus welchen Gründen haben sie sich für oder gegen die Impfung entschieden? Wie verlief der Entscheidungsprozess?
- Wo haben die Befragten Informations- und Unterstützungsbedarf?
Der Bericht zum Download: hier ![]()




