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Aktuelles aus der Fakultät für Gesundheitswissenschaften

Shell Jugendstudie: Jugend 2006

Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Prof. Dr. Mathias Albert, Dr. Gudrun Quenzel, Dr. Anja Langness

Shell Jugendstudien gibt es seit 1953. Sie werden jeweils im Abstand von drei bis vier Jahren vom Energiekonzern Shell Holding für Deutschland in Hamburg an ein Wissenschaftlerteam in Auftrag gegeben. Die 14. und die 15. Shell Jugendstudie wurde von Wissenschaftlern der Universität Bielefeld durchgeführt. Die empirischen Erhebungen wurden durch das Institut TNS Infratest Sozialforschung München durchgeführt und von Ulrich Schneekloth geleitet.

Methodik
Die beiden letzten Shell Jugendstudien basierten auf einer Repräsentativerhebung der 12 bis 25-jährigen Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland. Ergänzt wurde diese Erhebung durch 20 biografische Porträts von Jugendlichen der gleichen Altersgruppe. Alle Interviews wurden von geschulten professionellen Interviewerinnen und Interviewern von TNS Infratest Sozialforschung durchgeführt. Methodologisch handelt es sich also um eine Kombination von quantitativen und qualitativen Verfahren. Dieses Vorgehen liegt in der Tradition aller Shell Jugendstudien der letzten Jahrzehnte. Im Unterschied zu früheren Studien wurde allerdings der Fragebogen gestrafft, sodass eine kürzere Präsentation der Ergebnisse mit stärkerer Profilierung von zentralen Trends möglich wurde. Dadurch soll das Ziel der Studie, in erster Linie Praktiker, Pädagogen und Politiker anzusprechen, die in ihrem täglichen Arbeitsfeld mit Jugendlichen beschäftigt sind, erreicht werden.

Ergebnisse
Die Jugendstudie 2006 wurde vom Autorenteam unter das Motto „Eine pragmatische Generation unter Druck“ gestellt. Auffällig ist bei der großen Mehrheit der Befragten eine optimistische Grundeinstellung trotz der realistisch wahrgenommenen Schwierigkeiten, in Ausbildung und Beruf einmünden zu können. Das Gefühl, den Lebensstandard der Eltern nur schwer halten zu können und nicht einmal durch Ehrgeiz und Fleiß einer prekären Lebenslage zu entgehen, macht vielen Jugendlichen zu schaffen. Ihre konstruktive Grundhaltung gerät dadurch unter Druck. Das gilt vor allem für diejenigen etwa 20 % der Jugendlichen, die eine ungünstige Schullaufbahn hinter sich haben und schlechte Perspektiven in Arbeit und Beruf vor sich sehen. Sie fühlen sich als gesellschaftlich Ausgeschlossene und Abgehängte und reagieren hierauf mit Aggression, Fremdenfeindlichkeit und öffentlich zur Schau getragener Frustration.

Die Studie bestätigt den in internationalen Leistungsvergleichen gefundenen engen Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg.Das Elternhaus prägt die Schulbildung der Jugendlichen in Deutschland nachhaltig. Tiefe Gräben sind auch zwischen Jungen und Mädchen entstanden. Bei der Schulbildung liegen junge Frauen deutlich vor den jungen Männern. 55 % der befragten Mädchen streben das Abitur an, bei den Jungen sind es nur 47 %. Die jungen Frauen fallen auch allgemein durch eine flexible Rollenorientierung auf, bei der sie eine Kombination von Familie und Beruf anstreben. Bei den jungen Männern ist der Anteil dieser flexiblen Orientierungen erheblich geringer, was zu Spannungen zwischen den beiden Geschlechtern führen kann.

Hilfe für gesellschaftliche und persönliche Probleme erwarten die Jugendlichen offenbar nicht von der Politik. Das Interesse an Politik und Parteien ist gegenüber der vorigen Shell Jugendstudie 2002 zwar leicht gestiegen, liegt aber deutlich hinter den Werten von vor 20 Jahren zurück. Etwa jeder Dritte engagiert sich allerdings regelmäßig in sozialen Initiativen, auch Umwelt und Klimawandel interessieren die Befragten deutlich. Je höher die Schulbildung, desto eher neigen Jugendliche zu einem solchen Engagement.

Viele Jugendliche, vor allem in Ostdeutschland, fühlen sich von Politikern und Parteien nicht ernst genommen. 14 % der jungen Ostdeutschen halten die Demokratie sogar für eine „nicht so gute“ Staatsform. Mit dieser fehlenden Akzeptanz von demokratischer Praxis und der Unzufriedenheit über die eigene Lage lässt sich auch der verhältnismäßig hohe Anteil von Erstwählern erklären, der rechtsextreme Parteien wählt. Eine diffuse Feindlichkeit gegenüber Ausländern und eine Abnahme der Toleranz gegenüber anderen Gesellschaftsgruppen passen mit in dieses Bild.

Bei den Jugendlichen fällt eine starke Familienorientierung auf. Sie richtet sich allerdings in erster Linie auf die Herkunftsfamilie. Eltern sind erste Anprechpartner bei Problemen. Mütter und Väter werden sehr geschätzt, die Beziehung zu ihnen wird positiv bewertet. Selbst von den 22- bis 25-Jährigen lebt noch jeder Dritte bei den Eltern. In der Herkunftsfamile finden Jugendliche Sicherheit, Rückhalt und Unterstützung. Auch die Großelterngeneration wird sehr freundlich bewertet. Probleme sehen die Jugendlichen allerdings im Blick auf ihre künftige Alterssicherung und die Gewährleistung der zentralen Ressourcen für ihr soziales Wohlbefinden, wenn die älteren Generationen zahlenmäßig immer stärker werden.

Publikationen

Hurrelmann, K., Albert, M. und TNS Infratest Sozialforschung: 14. Shell Jugendstudie. Frankfurt: Fischer Taschenbuch 2002

Hurrelmann, K., Albert, M. und TNS Infratest Sozialforschung: 15. Shell Jugendstudie. Jugend 2006. Frankfurt: Fischer Taschenbuch 2006

Hurrelmann, K.: Lebenssituation, Werteorientierungen und berufliche Einstellungen von Jugendlichen. Die Ergebnisse der 15. Shell Jugendstudie (2006) pdf-Datei

Links

Shell in Deutschland - Shell Jugendstudie 2006