Prof. Dr. Doris Schaeffer
Prof. Dr. Annette Nauerth
Universität Bielefeld: Dr. Annett Horn, Dr. Kerstin Hämel
Fachhochschule Bielefeld: Dr. Marisa Kaufhold, Elke Rosowski
- A1.1: Raumzeitliche Analysen des Pflegebedarfs und der Versorgungspraxis in NRW: Grundlagen, Indikatoren, Trends mit Schwerpunkt Großstädte (Prof. Dr. A. Krämer, Universität Bielefeld)
- A1.2: Pflegerische Versorgung von Frauen in Großstädten in NRW – Bedarf, Versorgungsstrukturen, Nutzung (Prof. Dr. A. Nauerth, Fachhochschule Bielefeld)
In diesem Projekt ist eine differenzierte Betrachtung des Pflegebedarfs mit raumzeitlicher und kleinräumiger Perspektive in NRW mit Hilfe der Daten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) geplant. Dabei wird auf vorliegende deskriptive Betrachtungen aufgebaut. Nach entsprechender Aufbereitung der Daten sollen kleinräumige Analysen durchgeführt und für Krankheitsgruppen differenziert (Populationsebene) werden. Zusätzlich werden diese Analysen im Projekt A1.1 mit der unterschiedlichen Versorgungspraxis (z. B. ambulant versus stationär) auf Grundlage von Informationen über die regionalen Pflegeversorgungssysteme kontrastiert (Systemebene). Im Projekt A1.2 wiederum wird die größte Nutzerinnengruppe der pflegerischen Versorgung - die der Frauen - in NRW-Großstädten genauer betrachtet.
- A2.1: Pflegerische Versorgung in benachteiligten Regionen – Strukturen und Angebote (Prof. Dr. Dr. T. Gerlinger, Universität Bielefeld)
- A2.2: Pflegerische Versorgung in benachteiligten Regionen – Perspektive der Nutzer/innen auf pflegerische Versorgungs-, Informations- und Beratungsangebote (Prof. Dr. B. Knigge-Demal, Fachhochschule Bielefeld)
In diesem Projekt sollen die vorhandenen Strukturen und Angebote der pflegerischen Versorgung in benachteiligten Regionen erfasst werden (Projekt A2.1) und mit dem Versorgungsbedarf und -bedürfnissen aus der Nutzerperspektive kontrastiert werden (Projekt A2.2). Ziel ist es, auf diese Weise Unter-, Über- und Fehlversorgung, aber auch bestehende pflegerische Versorgungslücken zu identifizieren. Im Mittelpunkt stehen dabei benachteiligte Regionen (strukturschwache ländliche Räume und deprivierte Stadtteile in städtischen Zentren). Die Ergebnisse sollen Hinweise für die Weiterentwicklung der Versorgung geben. Dies betrifft die Mobilisierung informeller Ressourcen als auch die Bereitstellung bedarfsgerechter pflegerischer Versorgungsangebote sowie den Aufbau geeigneter Informations- und Beratungsstrukturen.
- B1.1: Selbstmanagementförderung bei chronisch kranken Jugendlichen (Prof. Dr. B. Klemme/Prof. Dr. U. Weyland, Fachhochschule Bielefeld)
- B1.2: Gesundheitsbildung für bildungsferne chronisch kranke Jugendliche (Prof. Dr. P. Kolip, Universität Bielefeld)
Im Zentrum stehen hier unterschiedliche Interventionen für chronisch kranke Jugendliche. Während Projekt B1.1 auf Selbstmanagementförderung zielt, fokussiert Projekt B1.2 auf Gesundheitsbildung für bildungsferne Jugendliche. Das Jugendalter gilt als Lebensphase, in der die Lösung vom Elternhaus und die Integration in die Gruppe der Gleichaltrigen als wichtige Entwicklungsaufgaben zu bewältigen sind. Dabei stehen chronisch kranke Jugendliche vor besonderen Herausforderungen. Hier setzt das als Interventionsstudie konzipierte Projekt B1.1 an, in dem die Effekte systematischer, auf Selbstmanagementförderung zielende Maßnahmen untersucht werden sollen. Auch an die Gesundheitsbildung sind bei chronischer Krankheit in der Lebensphase Jugend besondere Anforderungen gestellt. Ziel des Projekts B1.2 ist es, Grundlagen für die Entwicklung von Konzepten zur Gesundheitsbildung bei bildungsfernen Jugendlichen zu erarbeiten, die die Sozialisationsbedingungen unter den Bedingungen chronischer Krankheit reflektieren.
- B2.1: Unterstützung des Selbstmanagements bei Angehörigen psychisch kranker Erwachsener (Prof. Dr. K. Makowsky, Fachhochschule Bielefeld)
- B2.2: Stärkung der Selbstmanagementkompetenz von pflegenden Angehörigen demenzkranker Menschen mit türkischem Migrationshintergrund (Prof. Dr. O. Razum, Universität Bielefeld)
Die Pflege von Menschen mit psychischen Erkrankungen stellt auch an Angehörige zahlreiche Anforderungen. Bedingt durch Zugangsbarrieren und individuelle Präferenzen nehmen Angehörige gerade dieser Patientengruppen professionelle Unterstützungs- und Entlastungsangebote oft nicht oder wenig in Anspruch. Auf sich selbst verwiesen, sind sie daher erheblichen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Die Ursachen hierfür sind bislang weitgehend unbekannt. Zwar hat das Thema pflegende Angehörige in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit in der Pflegeforschung gefunden, doch sind davon bislang bestimmte Gruppen ausgenommen, so vor allem Angehörige mit Migrationshintergrund und Angehörige von psychisch Erkrankten. Ziel beider Projekte dieses Themenschwerpunkts ist es, den Unterstützungsbedarf und die -bedürfnisse dieser beiden Gruppen zu erheben und pflegerische Interventionskonzepte zur Förderung ihrer Selbstmanagementkompetenz zu entwickeln.
- B3.1: Health Literacy bei älteren Menschen mit Behinderung – Konsequenzen für die Förderung der Gesundheits- und Nutzerkompetenz (Prof. Dr. Ä. D. Jahnke-Latteck, Fachhochschule Bielefeld)
- B3.2: Health Literacy bei älteren Menschen mit chronischer Krankheit – Konsequenzen für die Entwicklung von Konzepten zur Gesundheitsförderung und Stärkung der Nutzerkompetenz (Prof. Dr. D. Schaeffer, Universität Bielefeld)
Das Projekt zielt auf ältere Menschen, die potenziell von Pflegebedürftigkeit bedroht sind. Dazu gehören ältere Menschen in den späteren Phasen chronischer Krankheit und/oder mit Funktionseinschränkungen und Behinderung. Sie in ihrer Gesundheits- und Nutzerkompetenz zu stärken und ihre gesundheitliche Situation zu stabilisieren, um auf diese Weise Verschlechterungen zu vermeiden und Pflegebedürftigkeit zu verhindern, zumindest aber zu verzögern und Teilhabe zu erhalten, sollte Ziel einer nutzerorientierten pflegerischen Versorgung sein. Die erforderlichen wissenschaftlichen Grundlagen dafür zu erarbeiten, um solche Konzepte zu entwickeln, die durch Stärkung der Gesundheits- und Nutzerkompetenz zur Prävention von Pflegebedürftigkeit beitragen, ist Ziel beider Projekte, die sich unterschiedlichen Adressatengruppen widmen. Dazu erfolgt zunächst eine Untersuchung des Gesundheitswissens/Health Literacy mittels einer quantitativen Erhebung, die durch qualitative Interviews ergänzt wird, auf deren Basis bedarfs- und zielgruppengerechte Konzepte zur Prävention von Pflegebedürftigkeit durch Stärkung der Gesundheits- und Nutzerkompetenz entwickelt werden.