Häusliche Pflege bei Migranten

Projekt B6 – Verbesserung der häuslichen Pflege von türkischen Migranten in Deutschland

Proje B6: Almanya`da Yaşayan Türk-Göçmenlerin Evde Bakımını İyileştirme Projesi. saba - evde sağlık ve bakım

 

Laufzeit: 2007-2011

Beteiligte: Prof. Dr. Oliver Razum, Susanne Glodny, Yüce Yilmaz-Aslan

 

Hintergrund/Zielsetzung

Die Statistiken zur Pflegesituation zeigen, dass die Zahl Pflegebedürftiger in Deutschland stetig zunimmt. Ältere Personen mit Migrationshintergrund stellen dabei die am stärksten wachsende Gruppe dar. Die Pflege wird häufig von weiblichen Familienangehörigen geleistet, jedoch wirken sich Änderungen der Familienstruktur, die Zunahme an berufstätigen Frauen und kleineren Haushalten auf die häusliche Pflegesituation aus. Daher ist eine Pflege durch Angehörige nicht oder nicht mehr realisierbar. Dies trifft zunehmend auch für Familien mit Migrationshintergrund zu. Zusätzlich können Zugangsbarrieren z. B. in Form von Sprachschwierigkeiten und Informationsdefiziten eine Inanspruchnahme von Hilfen und Angeboten von Pflegemaßnahmen durch Menschen mit Migrationshintergrund erschweren. Im Rahmen des Pflegeforschungsverbundes mit dem Schwerpunkt „Patientenorientierung“ schafft diese Studie einen Zugang zu türkischstämmigen Pflegebedürftigen und ihren pflegenden Angehörigen. Die Intervention fördert das Selbstmanagement/Empowerment der Pflegebedürftigen und der Pflegenden. Informationsdefizite und Zugangsbarrieren werden abgebaut und die Nutzung von Pflegemaßnahmen/-angeboten wird erleichtert. Dies soll den Gesundheitszustand/die Lebensqualität positiv beeinflussen und zu mehr Autonomie im pflegerischen Alltag führen. Diese Studie hilft türkischstämmigen Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen, gleiche Nutzungs- und Zugangschancen zum deutschen Gesundheitssystem zu eröffnen und ihnen ein Optimum an Krankheitserleichterung und Gesundheit zu ermöglichen.

Vorgehensweise

Türkischstämmige Pflegebedürftige mit den Pflegestufen I bis III werden über den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Westfalen-Lippe (MDK WL) mit Hilfe eines Namensalgorithmus identifiziert, kontaktiert und anschließend in Kontroll- und Interventionsgruppen randomisiert. Als Intervention dient der narrative Selbsthilfe-orientierte Interventionsansatz nach Greenhalgh et al. (2005). In Anwesenheit von speziell geschulten GesundheitsmediatorInnen mit Türkisch als Muttersprache finden regelmäßige Treffen mit den pflegenden Angehörigen aus der Interventionsgruppe statt. Während der Treffen können die pflegenden Angehörigen durch gegenseitiges Erzählen ihre pflegespezifischen Erfahrungen und Informationen austauschen. Als Outcome werden gesundheitlich-pflegerische Parameter, Autonomie und Lebensqualität bei den türkischstämmigen Pflegebedürftigen und Stress und Empowerment bei den pflegenden Personen in einer Baseline- und einer Abschlusserhebung bestimmt. Bei erfolgreicher Intervention wird eine Verstetigung des Interventionsansatzes angestrebt.

Kontakt

Susanne Glodny
E-Mail: susanne.glodny@uni-bielefeld.de
Tel.: 0521-106-4441

Yüce Yilmaz
E-Mail: yuece.yilmaz-aslan@uni-bielefeld.de
Tel.: 0521-106-3881

Publikationen
Glodny, S./Yilmaz-Aslan, Y./Razum, O. (2011): Storytelling als Intervention. Verbesserung der häuslichen Pflege von türkischen Migranten in Deutschland. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 44 (1), 19-26
   
Razum, O./Zeeb, H./Meesmann, U./Schenk, L./Bredehorst, M./Brzoska, P./Dercks, T./Glodny, S./Menkhaus, B./Salman, R./Saß A.-C./Ulrich, R. (2008): Migration und Gesundheit. Schwerpunktbericht der Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Robert Koch Institut (Hrsg.) Berlin
   
Spallek, J./Razum, O. (2008): Erklärungsmodelle für die gesundheitliche Situation von Migrantinnen und Migranten. In: Bauer, U./Bittlingmayer, U.H./Richter, M. (Hg.): Health Inequalities. Determinanten und Mechanismen gesundheitlicher Ungleichheit, Wiesbaden: VS, 271-290
   
Geiger, I/Razum, O. (2006): Migration - Herausforderung für die Gesundheitswissenschaften. In: Hurrelmann, K./Laaser, U./Razum, O.: Handbuch Gesundheitswissenschaften. Weinheim: Juventa, 727-754
   
Spallek, J./Kaatsch, P./Spix, C./Ulusoy, N./Zeeb, H./Razum, O. (2006): Namensbasierte Identifizierung von Fällen mit türkischer Herkunft im Kinderkrebsregister Mainz. Gesundheitswesen 68, 643-649

 

Aktuelles

 

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