12. Gesundheitswissenschaftliches Kolloquium „Demografische Alterung und Gesundheit“

Am 7. und 8. April 2005 fand in der Ravensberger Spinnerei in Bielefeld eine Tagung zum Thema „Demografische Alterung und Gesundheit“ mit mehr als 100 Teilnehmern statt. Diese Tagung war gleichzeitig das 12. Gesundheitswissenschaftliches Kolloquium der Fakultät für Gesundheitswissenschaften und die 8. Jahrestagung des Landesinstituts für den öffentlichen Gesundheitsdienst NRW und wurde gemeinsam vom Institut für Bevölkerungs- und Gesundheitsforschung (IBG) der Fakultät und dem Landesinstitut für den Öffentlichen Gesundheitsdienst NRW (lögd) veranstaltet.

Deutschland gehört heute zu den Ländern mit dem höchsten Anteil älterer Menschen weltweit. Die Ursachen dafür sind in der geringen Kinderzahl und der verlängerten Lebenszeit zu suchen. Deutschland ist vielen anderen Ländern heute in der demografischen Alterung voraus – das wird aber nicht immer so bleiben. Viele Gesundheitsbeeinträchtigungen sind stark vom Lebensalter bestimmt, deshalb wird die wachsende Zahl älterer Menschen und insbesondere Hochaltriger die Häufigkeit des Auftretens von Krankheiten verändern. Daraus ergeben sich sowohl veränderte Anforderungen an das Gesundheitswesen als auch Konsequenzen für die Kosten von Gesundheit. Zugleich wird die demografische Alterung auch die Finanzierungsseite des Gesundheitswesens beeinflussen, wenn sich das Verhältnis zwischen den Generationen verschiebt.

Beiträge der Tagung behandelten u.a. die gesundheitlichen Probleme in der zweiten Lebenshälfte und die Möglichkeiten für eine weitere Verlängerung der Lebenserwartung, sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die gesundheitliche und pflegerische Versorgung. Die Familie leistet heute einen wichtigen Beitrag zur Pflege älterer Menschen, dies kann sich zukünftig möglicherweise verändern. Dies erfordert einen quantitativen und qualitativen Ausbau der Infrastrukturen im Pflegesektor, speziell in der ambulanten Pflege. Der Einfluss der demografischen Alterung auf die Kosten in der Krankenversicherung wird einem weiteren Beitrag der Tagung zufolge oft überschätzt. Andererseits werden aber auch die Möglichkeiten für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit – wie oft gefordert – überschätzt. Dies wurde aus den Ausführungen eines anderen Beitrages der Tagung zum Krankheitsrisiko älterer Beschäftigter deutlich. Viele der Konsequenzen der demografischen Entwicklung auf das Gesundheitswesen werden heute in einer regionalen Betrachtung viel deutlicher als auf nationaler Ebene. Diese Auswirkungen wurden auf der Tagung am Beispiel von Regionen Nordrhein-Westfalens aufgezeigt.

Der Tradition vergangener Gesundheitswissenschaftlicher Kolloquien folgend richtete sich auch die 12. Veranstaltung dieser Reihe nicht nur an ein akademisches Fachpublikum von Public-Health-Forschern und Demografen, sondern auch an Praktiker des Gesundheitswesens. Für alle Teilnehmer war die Umsetzung der diskutierten Erkenntnisse für die Politikberatung im Gesundheitswesen besonders anregend und spannend. Der letzte Beitrag der Tagung gab dazu zahlreiche Anregungen.

Am Rande der Tagung hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, das gefühlte Alter 70-Jähriger im so genannten Age-Explorer kennen zu lernen. Dieser vom Meyer-Hentschel Institut entwickelte Anzug besteht aus einem Helm, Handschuhen, Ohrenschützer, ist mit Gewichten ausgestattet und behindert Bewegungen. Die Teilnehmer konnten darin unmittelbar erleben wie alltägliche Handlungsabläufe wie Treppensteigen oder Quittungen ausfüllen von alterstypischen Einschränkungen beeinflusst werden. Der Age-Explorer wird meist verwendet um Produkte zu testen und altersgerecht zu gestalten.
Die Beiträge der Tagung können von den Webseiten des Instituts für Bevölkerungs- und Gesundheitsforschung und des Landesinstituts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst in NRW heruntergeladen werden. Ein Tagungsband ist in Vorbereitung.

Ralf E. Ulrich

   

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