Genderkompetenz

Die Einbeziehung einer Geschlechterperspektive in Lehre und Studium setzt - in Anlehnung an eine Definition von "Genderkompetenz" des ehemaligen Gender-Kompetenzzentrums Berlin - ein "Wollen", ein "Wissen" und ein "Können" voraus. Notwendig ist das Wollen, geschlechtergerechte Lehrinhalte und -formen zu verankern, das Wissen, um welche Inhalte (der Geschlechterforschung) es dabei geht, und das Können, nämlich die strukturelle Verankerung in den Curricula und die Bereitstellung der notwendigen Ressourcen zur Umsetzung. (pdf. Gender Curricula- Studie)

Im Lehralltag genderkompetent zu handeln, bedeutet vor dem Hintergrund von Wissen und Wahrnehmung, dass Geschlechterverhältnisse sozialen Konstruktionsprozessen unterliegen, an denen Personen und Strukturen aktiv mitwirken (doing gender), die eigene Verortung in Geschlechter- und anderen Ungleichheitsverhältnissen sowie zu eigenen Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit zu reflektieren. Dies ermöglicht einen gendersensiblen Umgang mit Studierenden in Lehr- und Beratungsinteraktionen, weil es einen Abschied vom Bild eines ?Normalstudenten? (ein Abiturient deutscher Herkunft, der unmittelbar nach der Schulzeit ein Vollzeitstudium aufnimmt) bedeutet und somit Spielräume für vielfältige Lern- und Lehrformen eröffnet.

Die Kenntnisse aus der Frauen- und Geschlechterforschung, ebenso wie aus der Ungleichheitsforschung über Auswirkungen sozialer Ungleichheiten in Bezug auf das Geschlecht, können z.B. hinsichtlich Lernstrategien, Kommunikations- und Interaktionsstrukturen und Interessen berücksichtigt werden (vgl. Auferkorte-Michaelis/Schönborn 2009: 21f.). Genderkompetenz bei Lehrenden und Studierenden kann somit helfen Diskriminierungen zu vermeiden. Auf der Ebene von Strukturen und der Organisation von Studium und Lehre zielt Genderkompetenz darauf ab, ausgewogene Verhältnisse der Akteursgruppen anzustreben, Arbeitsbereiche geschlechterparitätisch zu besetzen und geschlechterstereotype Arbeitsteilung zu vermeiden.

Gender- und Diversitykompetenz auf einen Blick

4 Dimensionen von Gender-Kompetenz

 

Fachkompetenz

  • Wissen über Ungleichheitsverhältnisse, bezogen auf Geschlecht: Geschlechterverhältnisse und -konstruktionen; Methodenkenntnisse zur Analyse von Geschlechterungleichheiten und deren Ursachen

Methodenkompetenz

  • Fähigkeiten zur Transformation von sozialen Ungleichheiten, zur Lösung von Konflikten, die durch diskriminierende Strukturen und Prozesse entstehen

Sozialkompetenz

  • Fähigkeit soziale Interaktionen und Prozesse so zu gestalten und zu transformieren, dass sie Chancengleichheit fördern

Selbstkompetenz

  • Fähigkeit zur Reflexion eigener Identitätsvorstellungen, Denkstrukturen und Handlungsformen, zur Reflexion der eigenen gesellschaftsbiographischen Prägungen als z.B. Mann/Frau/Trans*/Inter*, weiß/of colour, Migrant_in, (nicht-)behindert, hetero-/homo-/bi-/asexuell

in Anlehnung an Liebig (2009)

Im Sinne von Diversitykompetenz lässt sich die Auflistung auf andere Ungleichheitsverhältnisse und Differenzkategorien erweitern.

Literatur:

Auferkorte-Michaelis, Nicole/Schönborn, Anette: Gender als Indikator für gute Lehre. In: Auferkorte-Michaelis, Nicole (Hrsg.)(2009): Gender als Indikator für gute Lehre : Erkenntnisse, Konzepte und Ideen für die Hochschule. Opladen: Budrich UniPress. S. 15-26.

Hilgemann, Meike/Kortendiek, Beate/Knauf, Anne (2012): Geschlechtergerechte Akkreditierung und Qualitätssicherung - Eine Handreichung. Analysen, Handlungsempfehlungen & Gender Curricula. Studien Nr. 7, Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW. Essen.

Liebig, Brigitte (Hrsg.) (2009): Handbuch Gender-Kompetenz: ein Praxisleitfaden für (Fach-)Hochschulen. Zürich : vdf Hochschulverlag an der ETH.

Ausschreibung Bielefelder Gleichstellungspreis 2018

Das Rektorat der Universität Bielefeld schreibt dieses Jahr erneut den Bielefelder Gleichstellungspreis in der Kategorie Genderforschung/ Genderthemen in Qualifikationsarbeiten aus. Weitere Informationen sind hier einsehbar. Hintergründe zum Bielefelder Gleichstellungspreis finden Sie hier.

Gender-Gastprofessorin an der Fakultät für Physik

Beginnend mit dem Sommersemester 2018 übernimmt für ein Jahr Prof. Dr. Uta Klement  von der Chalmers University of Technology in Göteborg die Gender-Gastprofessur an der Fakultät für Physik. Weitere Informationen zu Inhalten und Terminen finden Sie hier.

Dokumentation der Konferenz "GENDER 2020"

Zur Konferenz "Gender 2020 - Kulturwandel in der Wissenschaft steuern" kamen 2017 Hochschulleitungen, Spitzen aus Wissenschaftsorganisationen und Politik, Gleichstellungsakteur*innen sowie Geschlechterforscher*innen an der Universität Bielefeld auf Einladung der BuKoF zusammen, um über einen dringend notwendigen geschlechtergerechten Kulturwandel in der Hochschule und Wissenschaft zu diskutieren. Wir freuen uns sehr, nun eine Broschüre und einen Film zur Konferenz als Ergebnis dieses fruchtbaren Zusammentreffens präsentieren zu dürfen.

Die Keynote von Prof. Dr. Londa Schiebinger, John L. Hinds Professor of History of Science, Stanford University zu "Gendered Innovations in Science, Health & Medicine, Engineering and Environment" traf auf großes Interesse an der Universität Bielefeld, welche aktuell die Medizinische Fakultät aufbaut.

 

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