Gender als Indikator für gute Lehre und Forschung

Im Sinne einer umfassenden universitären Ausbildung, die nicht nur die Vermittlung fachlich-inhaltlicher Kompetenzen zum Ziel hat, sondern auch Reflexivität und Bewusstsein über unterschiedliche eigene und fremde Lebenslagen anregt, gilt Gender inzwischen als ein wesentlicher Indikator für die Bewertung guter Lehre. Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungsprozesse sind Hochschulen zunehmend Orte, an denen sich Menschen unterschiedlichster Hintergründe und Zugehörigkeiten als Lehrende, Studierende und Mitarbeitende begegnen. "In der Debatte um die Verbesserung der Qualität der Lehre lässt sich aus der Perspektive einer intersektionalen, d.h. verkürzt Verschiedenheit berücksichtigenden Hochschuldidaktik die These vertreten, dass gendergerechte Lehre nachhaltige Lernerfolge fördert und damit zum Indikator für gute Lehre wird." (Auferkorte-Michaelis/Schönborn 2009: 15).

Eine geschlechtersensible Perspektive auf die eigene Disziplin ermöglicht eine kritische Auseinander-setzung in Bezug auf Geschichte und Entwicklungen des Faches. Das heißt, dass die Geschichte von Fachdisziplinen mit Blick auf die Beteiligung von Frauen und deren Errungenschaften mitunter anders erzählt werden muss. Die gängige Genealogie von Disziplinen ist männlich geprägt und spart dabei in der Regel nicht-männliche Ergebnisse aus. Außerdem gibt es Frauen- und Geschlechterforschung in nahezu allen Disziplinen. Siehe hierzu die Datenbank Gender-Curricula des Netzwerks Frauenforschung NRW. Aus einer Genderperspektive werden Problematiken sichtbar, die ohne sie verdeckt blieben. Des Weiteren erfordert die Berücksichtigung von Gender in der Lehre einen geschlechtersensiblen Umgang von Lehrenden und Studierenden, sowohl in den Lehrveranstaltungen als auch in sonstigen organisatorischen Begegnungen (Beratung, Sprechstunde, Studienorganisation etc.) sowie in der geschlechtersensiblen Vermittlung der Inhalte, also der Didaktik, unabhängig davon, ob die Inhalte Genderaspekte berücksichtigen.

Genderkategorien guter Lehre teilen sich auf in sieben Hauptkategorien (nach Jansen-Schulz/Riesen):

  • Berücksichtigung der einschlägigen Geschlechterforschung und der Forschungsansätze von Wissenschaftlerinnen,
  • Lernziel: Gender-Diversity-Kompetenz als Schlüsselkompetenz der Studierenden,
  • Inhaltliche Berücksichtigung von Genderaspekten
  • Inhaltliche Berücksichtigung von Diversityansätzen
  • Genderorientierte didaktische Ansätze,
  • Entwickeln und Anbieten von Gendermodulen,
  • Berücksichtigung von Genderaspekten in der Studiengangsorganisation (Jansen-Schulz/Riesen 2009: 74).

Literatur:

Jansen-Schulz, Bettina/Riesen, Katrin van: Integratives Gendering in Curricula, Hochschuldidaktik und Aktionsfeldern der Leuphana Universität Lüneburg. In: Auferkorte-Michaelis, Nicole (Hrsg.)(2009): Gender als Indikator für gute Lehre : Erkenntnisse, Konzepte und Ideen für die Hochschule. Opladen: Budrich UniPress. S. 65-86

Universität Bielefeld bundesweit eine von zehn Hochschulen mit Spitzenbewertung im Professorinnenprogramm III von Bund und Ländern

Die Universität Bielefeld hat für ihr Gleichstellungszukunftskonzept im Professorinnenprogramm III des Bundes und der Länder das Prädikat „Gleichstellung: ausgezeichnet!“ erhalten. Sie ist damit bundesweit eine von zehn Hochschulen mit der Spitzenbewertung. Das Professorinnenprogramm zielt darauf ab, die Gleichstellung von Frauen und Männern in Hochschulen zu fördern.

Bielefelder Gleichstellungspreis 2018

Am Freitag, den 05. Oktober 2018 erhielten Tanja Reißig für ihre Bachelorarbeit, Tabea Schroer für ihre Masterarbeit und Katharina Wojan für ihre Dissertation beim Jahresempfang der Universität den Bielefelder Gleichstellungspreis in der Kategorie Genderforschung/ Genderthemen in Qualifikationsarbeiten.

Gender-Gastprofessorin an der Fakultät für Physik

Beginnend mit dem Sommersemester 2018 übernimmt für ein Jahr Prof. Dr. Uta Klement  von der Chalmers University of Technology in Göteborg die Gender-Gastprofessur an der Fakultät für Physik. Weitere Informationen zu Inhalten und Terminen.

Dokumentation der Konferenz "GENDER 2020"

Zur Konferenz "Gender 2020 - Kulturwandel in der Wissenschaft steuern" kamen 2017 Hochschulleitungen, Spitzen aus Wissenschaftsorganisationen und Politik, Gleichstellungsakteur*innen sowie Geschlechterforscher*innen an der Universität Bielefeld auf Einladung der bukof zusammen, um über einen dringend notwendigen geschlechtergerechten Kulturwandel in der Hochschule und Wissenschaft zu diskutieren. Wir freuen uns sehr, nun eine Broschüre und einen Film zur Konferenz als Ergebnis dieses fruchtbaren Zusammentreffens präsentieren zu dürfen.

Die Keynote von Prof. Dr. Londa Schiebinger, John L. Hinds Professor of History of Science, Stanford University zu "Gendered Innovations in Science, Health & Medicine, Engineering and Environment" traf auf großes Interesse an der Universität Bielefeld, welche aktuell die Medizinische Fakultät aufbaut.

 

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