Die einzelnen Elemente des Syndroms der Menschenfeindlichkeit, also demonstrativer bzw. verdeckter Abwertung, hängen in unterschiedlich enger Weise zusammen. Dies muss betont werden, weil dadurch deutlich wird, dass erstens die Vergiftung einer liberalen Atmosphäre an verschiedenen Stellen des Syndroms einsetzen und verstärkt werden kann.
Diese 'Vergiftung' kann etwa bei jenen Gruppen ansetzen, die schon "traditionelle" Opfer sind, wie ethnische oder religiöse Gruppen, aber auch bei denen, die etwa neuerdings aufgrund von Kapitalinteressen oder aus anderen Gründen verstärkt aus öffentlichen Räumen vertrieben werden, wie z.B. Obdachlose.
In einem 'vergifteten' Klima ist besonders darauf hinzuweisen, dass feindselige Einstellungen auf weitere, bisher noch nicht diskriminierte soziale oder kulturelle Gruppen ausgeweitet werden können. Abwertende Einstellungen können sozusagen überspringen. Wenn z.B. von Eliten eines Landes Ideologien der Ungleichwertigkeit offen vertreten werden, so stellt das eine gefährliche 'Chance' für ein solches Überspringen dar.
Drittens gibt es Formen der Verschleierung von abwertenden Einstellungen, in denen, vornehm verdeckt und politisch korrekt, von den Befragten etwa 'nur' Etabliertenvorrechte reklamiert werden. Dahinter verbirgt sich aber eine massive Verletzung von Gleichheitsgrundsätzen. Diese Verletzung kann jederzeit mit ethnisch oder religiös fundierten Argumenten zu konkreten Abwertungen bestimmter Gruppen 'zugespitzt' werden. Das vom jeweiligen 'Klima der Vergiftung', oder der Bereitschaft von gesellschaftlichen Eliten abhängig, menschenfeindliche Einstellungen in der Bevölkerung zu mobilisieren.