Institute for Interdisciplinary Research on Conflict and Violence
Bielefeld University

Welche feindseligen Einstellungen sind im Einzelnen zu dem Syndrom Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu rechnen?

Rassismus

Rassismus umfasst jene Einstellungen und Verhaltensweisen, die Abwertungen auf der Grundlage einer konstruierten "natürlichen" Höherwertigkeit der Eigengruppe vornehmen.
Für den Rassismus zeigen sich leicht rückläufige Tendenzen. Während 2002 noch 22% der Befragten der Meinung waren, Aussiedler sollten aufgrund ihrer deutschen Abstammung besser gestellt werden als Ausländer, sind dies im Jahr 2009 noch 14,4%.  Diese Entwicklung zeigt sich auch hinsichtlich der Aussage, dass die Weißen zu Recht führend in der Welt sind: in 2009 stimmten 11,3% zu (2002: 16,4%).

Fremdenfeindlichkeit

Fremdenfeindlichkeit ist auf bedrohlich wahrgenommene kulturelle Differenz und materielle Konkurrenz um knappe Ressourcen bezogen.
Bezüglich der Fremdenfeindlichkeit stimmen 45,8% der Aussage „eher“ oder „voll und ganz“ zu, dass zu viele Ausländer in Deutschland leben. Der Forderung, die Ausländer in ihre Heimat zurückzuschicken, wenn die Arbeitsplätze knapp werden, stimmen 23,6% zu. Damit reduziert sich diese Zustimmung zwischen 2002 und 2009 signifikant um 4,1%. Insbesondere diese Abnahme deutet auf einen Rückgang der Fremdenfeindlichkeit hin.

Antisemitismus

Antisemitismus ist als feindselige Mentalität auf die jüdische Gruppe und ihre Symbole gerichtet.
Deutlich wird auch, dass der klassische Antisemitismus weiterhin gesunken ist. Dass Juden zuviel Einfluss in Deutschland haben, meinen im Jahr 2009 genau 16,5% (2002 waren es noch 21,6%). Weiterhin stimmten im Jahr 2009 10,8% der Befragten der Aussage zu, dass die Juden durch ihr Verhalten Mitschuld an ihren Verfolgungen tragen (2002 waren es noch 16,6%). Dies ist eine signifikante Abnahme von 5,8%.
Diese weitgehend bekannten Entwicklungen der Ausmaße antisemitischer Einstellungen in der bundesdeutschen Gesamtbevölkerung sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schändungen z.B. jüdischer Friedhöfe im letzten Jahrzehnt dramatisch zugenommen haben.

Homophobie

Homophobie bezeichnet feindselige Einstellungen gegenüber Homosexuellen aufgrund eines „normabweichenden“ sexuellen Verhaltens und damit verbundenen Auftretens in der Öffentlichkeit.
Nach einer anfänglichen Stabilität zeigt sich die Homophobie hinsichtlich aller Aussagen rückläufig. In 2009 waren 29,4% gegen eine Erlaubnis gleichgeschlechtlicher Ehen. Dieser Wert ist seit 2005 um 11,1% signifikant gesunken (Ablehnung 2005: 40,5%).

Islamophobie

Islamophobie bezeichnet die Bedrohungsgefühle und die ablehnenden Einstellungen gegenüber der Gruppe der Muslime, ihrer Kultur und ihren öffentlich-politischen wie religiösen Aktivitäten.
Bezüglich der Islamophobie zeigen sich zu der Frage des Verbots der Zuwanderung zwischen 2005 und 2009 signifikante Entwicklungen. Mit 21,4% votieren in 2009 2,9% weniger für ein Verbot als in 2005. Das Ausmaß des Gefühls, sich durch die Muslime manchmal wie ein Fremder im eigenen Land zu fühlen, hat sich kaum verändert. Etwa ein Drittel der Befragten (2009: 32,2%) äußern solche auf Abwehr eingestellten Gefühle.

Etabliertenvorrechte

Etabliertenvorrechte umfassen die von Alteingesessenen, gleich welcher Herkunft beanspruchten Vorrangstellungen, die gleiche Rechte vorenthalten und somit die Gleichwertigkeit unterschiedlicher Gruppen verletzen.
Die Einforderung von Etabliertenvorrechten zeigt einen abnehmenden Trend. 30,1% der Befragten geben an, dass den Alteingesessenen mehr Rechte zustehen als Hinzukommenden. Im Jahr 2002 waren 40,9% dieser Auffassung. Hinsichtlich der Verteilung von Gütern geben 53,7% an, dass sich Neuhinzugezogene mit weniger zufrieden geben sollen. Diese Einstellung steigerte sich zwischen den Jahren 2002 und 2005 (Zustimmung 2005: 70,5%) signifikant um 12,7%. Im Jahr 2009 liegt sie nun signifikant unter dem Wert von 2002.

Klassischer Sexismus

Sexismus betont die Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Sinne einer Demonstration der Überlegenheit des Mannes und fixierter Rollenzuweisungen an Frauen. Sexismus ist ein Sonderfall, weil es sich hierbei nicht, wie bei den anderen Gruppen, um die Ungleichwertigkeit einer zahlenmäßigen Minderheit, sondern einer Mehrheit der Bevölkerung handelt.
Der klassische Sexismus ist seit 2002 eher rückgängig. Die Rückverweisung der Frau in die Rolle als Ehefrau und Mutter ist mit einer Zustimmung von 20,7% zwischen den Jahren 2002  und 2009 signifikant um 8,7% gesunken (Zustimmung 2002: 29,4). Die Forderung nach einer Rollenwahrnehmung als Karrierehelferin des Mannes beläuft sich auf 13,5% und hat ebenfalls abgenommen. 

Abwertung von Menschen mit Behinderung

Abwertung von Behinderten meint feindselige Einstellungen, die sich gegen die „Normalitätsabweichung“ und den daraus angeblich abgeleiteten Unterstützungsforderungen ergeben.
Gegenüber Behinderten ist die Abwertung hinsichtlich aller Aussagen ebenfalls etwas rückläufig. Hier stimmen 11,5% zu, dass viele Forderungen von Behinderten „überzogen“ sind; in 2005 waren es noch 15,2%. Ebenso meinen 5,3% der Befragten, dass für Behinderte in Deutschland zu viel Aufwand betrieben wird und 6,5% sind der Meinung, dass Behinderte zu viele Vergünstigungen erhalten.

Abwertung von Obdachlosen

Abwertung von Obdachlosen zielt in feindseliger Absicht auf jene Menschen, die Normalitätsvorstellungen eines geregelten Lebens nicht nachkommen.
Bezüglich der Obdachlosenabwertung lässt sich keine eindeutige Richtung der Entwicklung feststellen. Während die Zustimmung zur Aussage, die Obdachlosen in den Städten sind unangenehm seit 2005 (38,9%) leicht auf 35,1% zurückgegangen ist, findet die Aussage, bettelnde Obdachlose aus Fußgängerzonen zu entfernen mit 36,3% etwas mehr Befürwortung als in 2005 (35%). Bei der Aussage, die meisten Obdachlosen sind arbeitsscheu stieg die Zustimmung ebenso von 22,8% (2005) auf 26,3%.

Abwertung von Langzeitarbeitslosen

Langzeitarbeitslose wurden im Jahr 2007 als weitere Gruppe berücksichtigt. Diese Gruppe wird unter dem Gesichtspunkt mangelnder Nützlichkeit für die Gesellschaft in den Fokus der Abwertung gerückt.
Eine längerfristige Aussage über die Entwicklung der Abwertung von Langzeitarbeitslosen ist derzeit noch nicht möglich ist, da dieses Element erst 2007 in das Syndrom aufgenommen wurde. Deutlich wird jedoch, dass gerade dieser Gruppe gegenüber feindliche Einstellungen vorherrschen. So stimmten in 2009 mit 57,2% deutlich mehr als die Hälfte der Aussage zu, dass es empörend ist, wenn sich Langzeitarbeitslose auf Kosten der Gesellschaft ein bequemes Leben machen (2007: 60,8%).