Institute for Interdisciplinary Research on Conflict and Violence
Bielefeld University

Gesellschafts- politische Ziele des Projekts

Unsere Analysen lassen erwarten, dass eine Zunahme menschenfeindlicher Einstellungen und Verhaltensweisen davon abhängt, wie viele Menschen künftig in unsichere Arbeits- und Lebensverhältnisse geraten, politische Ohnmachtsgefühle empfinden und instabile emotionale Situationen erfahren, kurz: prekären Anerkennungsverhältnissen ausgesetzt sind. In soziologischen Gegenwartsdiagnosen wird neuerdings wieder verstärkt vor einer drohenden gesellschaftlichen Spaltung gewarnt. Dies geschieht nicht ohne Grund, denn die Erfahrung bedrängender sozialer Ungleichheit und des Verlusts von Anerkennung kann zu rabiaten Auffassungen über die Ungleichwertigkeit von "Anderen" führen.

Das Projekt bezieht seine hohe gesellschaftspolitische Relevanz daraus, zur regelmäßigen Sensibilisierung über den Zustand dieser Gesellschaft beizutragen, zu deren leitenden Wertvorstellungen die Idee der Gleichheit bzw. der Gleichwertigkeit von Menschen zählt. Es ist von größter Wichtigkeit aufzuzeigen, inwieweit dieser Wert durch die Verbreitung von Ideologien der Ungleichwertigkeit an Gültigkeit und Akzeptanz verliert und inwieweit Menschen in ihrer Integrität psychisch verletzt oder gar zerstört werden. Das Ausmaß und die Entwicklung solcher Ideologien der Ungleichwertigkeit werfen ein Licht auf problematische Entwicklungen in dieser Gesellschaft, vor allem auf die Verweigerung der Integration und damit der Anerkennung von Menschen jeglicher sozialen und kulturellen Herkunft aus Minderheit wie Mehrheit.

Das gesellschaftspolitische Ziel des Projektes ist es, eine regelmäßig „erinnernde“ und zugleich vorausschauend sensibilisierende Funktion zu erfüllen, um dem Prozess der Normalisierung menschenfeindlicher Einstellungen vorbeugend entgegenzuwirken. Dabei ist auch zu klären, inwieweit die Wahrnehmung gesellschaftspolitisch relevanter Entwicklungen (z.B. in Bezug auf das politische System und das System der sozialen Sicherung) mit dem Verlauf menschenfeindlicher Einstellungen zusammenhängen.

Die Arbeitsgruppe und ihre Partner