Dokumentation und Publikation ausgewählter Daten der Konflikt- und Gewaltforschung
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Dokumentation und Publikation ausgewählter Daten der Konflikt- und Gewaltforschung

Beschreibung

Das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1996 internationales Renommee für seine Kompetenz in der Erforschung von Konflikten und Gewalt erarbeitet. Zu den Grundprinzipien seiner Arbeit gehört die trans- und interdisziplinäre Zusammenarbeit in Projekten über den Zusammenhalt der Gesellschaft und seiner Bedrohung durch Ausgrenzung und fehlende Teilhabe. Für die Denkanstöße, die das Institut dem gesellschaftlichen Diskurs über die Ursachen sozialer Konflikte gegeben hat, ist ihm 2012 von der Wissenschaftsministerin Nordrhein-Westfalens, Svenja Schulze, die Auszeichnung "Ort des Fortschritts" verliehen worden. Ein weiteres Grundprinzip ist die breite empirische Absicherung der Aussagen mit qualitativen und quantitativen Forschungsdaten. Die unter dem Titel "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" (GMF) bekannten Studien über Vorurteile und Diskriminierung gegenüber schwachen gesellschaftlichen Gruppen seit dem Jahr 2002 bilden die weltweit größte und am längsten laufende Untersuchung menschenfeindlicher Einstellungen. Das IKG ist dafür mit der Auszeichnung "Germany at its best" des Wirtschaftsministers von Nordrhein-Westfalen, Garrelt Duin, bedacht worden. Daß die Stellungnahmen des IKG enormes Gehör in der Zivilgesellschaft gefunden haben, hängt auch mit dem Umstand zusammen, daß sie sich auf ein solides Fundament in der Datenerhebung und -analyse stützen.

Für die Wahrnehmung der Forschung ist es von erheblicher Bedeutung, daß das IKG Daten seiner Erhebungen nicht nur für eigene Publikationen verwendet, sondern auch anderen Wissenschaftlern für Sekundäranalysen zur Verfügung stellt. Denn Forschungsdaten stellen ein wertvolles Gut dar. Sie sind als Ressource anzusehen, die für die Infrastruktur der Forschung ebenso unverzichtbar ist wie Personal und Literatur. Inhaltliche Aussagen sind ohne ein Datenfundament nicht glaubhaft zu vertreten. Erhebungen sind aber kostspielig und zeitaufwendig und erfordern spezielle Kenntnisse der empirischen Methodik. Es wurde daher in der Vergangenheit in der Fachwelt vielfach mit Bedauern konstatiert, daß die primären Datennnutzer, also die Forscher, die die Daten selbst erhoben haben, deren Analysepotential nie ganz ausschöpften, während Fachkollegen aus verschiedenen Gründen keine Nutzungsoption gewährt wurde. In Zukunft wird es dagegen ebenso selbstverständlich sein, Daten zu publizieren, wie immer schon Texte veröffentlicht wurden. Die Politik des IKG entspricht Forderungen der großen deutschen und internationalen Forschungsförderer, Daten müßten vor dem faktischen Verlust für die Forschung bewahrt und systematisch der Sekundärnutzung zugänglich gemacht werden. Die Sekundärnutzung steigert den gesellschaftlichen Ertrag der Forschungsförderung, da sie die Partizipation am Forschungsprozeß auch ohne große Budgets ermöglicht, sei es in Qualifikationsarbeiten oder im regulären Forschungsbetrieb.

Die in der Vergangenheit bereits in so genannten Repositorien, also der Fachwelt zugänglichen Datenkatalogen und -archiven, publizierten Daten ausgewählter Projekte des IKG erfreuen sich regen Interesses in der Forschung. Für die Aufbereitung dieser Daten stand jeweils spezielle Förderung zur Verfügung. Die laufenden Untersuchungen sehen die Abgabe der Daten von Beginn an vor. Doch aus abgeschlossenen Projekten liegen weitere Datenbestände mit erheblichem Sekundärnutzungspotential aufgrund innovativer Methodik vor. Ihre Erschließung verursacht einen gewissen Aufwand, weil die Nutzung von Daten wesentlich mehr als die Übergabe von Dateien erfordert. Die Bewilligung von Personalmitteln durch das Ministerium kommt der Strategie des IKG zugute, diese Daten einer Sekundärnutzung zugänglich zu machen.

Es werden bisher unveröffentlichte Forschungsdaten aus Projekten des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung in den Jahren 1991 bis 2011 mit besonderer Bedeutung für die internationale Vorurteils-, Diskriminierungs- und Gewaltforschung erschlossen, dokumentiert und über einschlägige Repositorien veröffentlicht. Die Erschließung umfaßt die Beschreibung der Erhebungsinstrumente (Fragebögen, Skalen, Erhebungsmethoden) und die Prüfung bzw. Herstellung der Datenschutzkonformität bei Sekundärnutzung.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und andere Wissenschaftsorganisationen weisen darauf hin, daß Daten als Grundlage der wissenschaftlichen Erkenntnis bislang nur eingeschränkt zugänglich und oft nicht langfristig verfügbar sind. Dieser faktische Verlust von Daten für größere Nutzerkreise hat forschungsökonomisch erhebliche Nachteile für die Wissenschaft insgesamt und widerspricht einem Qualitätsverständnis, das strikte Methodenkritik einschließlich Replikationen verlangt. Die Wissenschaftsorganisationen fordern deshalb, Forschungsdaten sollen möglichst frei und überregional zugänglich und langfristig verfügbar sein. Aktuelle Forschungsprojekte sehen, dieser Forderung folgend, die Publikation ihrer Daten von Beginn an vor. In der Vergangenheit war die Datenweitergabe jedoch in der Regel nicht vorgesehen. Deshalb sind aus einigen abgeschlossenen Projekten wertvolle Daten vorhanden, deren Existenz nicht bekannt ist und die mangels adäquater Dokumentation nicht für eine Sekundärnutzung geeignet sind. Die Fördermaßnahme wird genutzt, um ausgewählte Datensätze mit großer Bedeutung in der Konflikt- und Gewaltforschung nachträglich für die Sekundärnutzung zu erschließen.

Die Studien, deren Daten dokumentiert werden, sind innovativ, weil sie zum ersten Mal einen bevölkerungsrepräsentativen Blick auf eine Vielzahl von Vorurteilen und Diskriminierungsintentionen gegenüber schwachen gesellschaftlichen Gruppen sowie ihr Zusammenwirken ermöglichen. Die Projektfamilie, aus der die Daten stammen, bildet die weltweit größte Vorurteilsstudie. Einen besonderen methodischen Wert gewinnt sie durch das innovative längsschnittliche Design mit einer Panel- und einer Querschnittskomponente, das eine Betrachtung im Zeitverlauf über ein Jahrzehnt hinweg und im europaweiten Vergleich sowie vertiefend in städtischen Sozialräumen in Deutschland erlaubt.

Laufzeit

01.11.2013-31.12.2014

Team

Die Arbeiten werden geleitet von Prof. Dr. Andreas Zick unter Mitarbeit von Dr. Kurt Salentin, Senior Research Consultant des IKG. Kurt Salentin ist empirischer Sozialforscher, Datensicherheitsbeauftragter des IKG und Mitglied des Steuerungsgremiums der Fokusgruppe Forschungsdaten der Universität Bielefeld. Das Team besteht ferner aus 1-2 MitarbeiterInnen und 2 studentischen Hilfskräften (N.N.).

Ergebnisse

1. Aus jedem Projekt wird ein analysefähiger Datensatz samt der für Sekundärnutzer notwendigen Dokumentation erstellt und an ein geeignetes Datenarchiv übergeben. Je nach Gegenstand handelt sich um das Datenarchiv für Sozialwissenschaften des GESIS-Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften (früher Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen), das Forschungsdatenarchiv PsychData des Leibniz-Zentrums für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID), das Archiv für Lebenslaufforschung (ALLF) der Universität Bremen oder das Informium der Universität Bielefeld. Diese Archive katalogisieren und archivieren die Datenbestände aller ihnen angebotenen Studien einer Wissenschaftsdisziplin, betreiben webbasierte Rechercheplattformen und übernehmen die technische Übermittlung an Sekundärnutzer im Rahmen der von Datengeber festgelegten Nutzungsvorgaben. Zugelassene Sekundärnutzer sind alle Angehörigen der wissenschaftlichen Gemeinschaft im In- und Ausland. Die vom Datengeber zu liefernde Dokumentation umfaßt eine Beschreibung des thematischen und theoretischen Hintergrunds der Erhebung, eine Darstellung der Feldarbeit, der avisierten Grundgesamtheit und der Stichprobe, der Items und Skalen sowie die zum Import in Softwareprodukte nötigen Informationen.

2. An das Bielefelder Informium wird ein Bericht über die Nutzung der bereitgestellten Tools und Dienste, z. B. der Hilfsmittel für die Erstellung eines Data Management Plans, übergeben. Der Bericht bewertet die Angebote vor dem Hintergrund der gewonnenen Erfahrungen und regt disziplinspezifische Ergänzungsmodule an.

Gefördert durch

Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen Programmlinie "Infrastrukturelle Förderung für die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften in NRW"

Kontakt

kurt.salentin@uni-bielefeld.de