Soziale Beziehungen und Konfliktpotentiale
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Soziale Beziehungen und Konfliktpotentiale im Kontext von Erfahrungen verweigerter Teilhabe und Anerkennung von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund

Kurzbeschreibung
Im Zentrum des Forschungsprojektes stehen zwei Themen:
1) die soziale Lebenssituation und die Bedingungen des Aufwachsens von jungen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund und
2) die Auswirkungen der Lebenssituation auf die Einstellungen zu Angehörigen der eigenen sozialen Gruppe sowie zu Angehörigen anderer sozialer Gruppen.

Im Rahmen der ersten Forschungsfrage sollen die objektiven Chancen für eine erfolgreiche schulische Karriere und für eine attraktive berufliche Position, sowie die subjektive Bewertung dieser Chancen von türkisch- und arabischstämmigen Jugendlichen mit jenen von deutschen Jugendlichen verglichen werden. Insbesondere soll untersucht werden in welchem Maße die Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund von sozialer Desintegration betroffen sind. Von Interesse ist also, inwiefern den Jugendlichen Zugänge zu wichtigen gesellschaftlichen Teilsystemen, Partizipationsmöglichkeiten sowie Anerkennung verwehrt sind. Dies kann bei deutschen wie bei zugewanderten Personen gleichermaßen der Fall sein kann. Hierbei differenzieren wir wiederum zwischen der objektiven sozialen Desintegration und den subjektiv wahrgenommenen Desintegrationsrisiken und Desintegrationsängsten. Erfahrungen von Ausgrenzung und Benachteiligung, von struktureller und interpersoneller Diskriminierung, von Zurückweisung und Stigmatisierung durch die Mehrheitsbevölkerung aufgrund der ethnischen, religiösen und / oder sozialen Herkunft sollen im Rahmen dieses Forschungsprojekt erfasst werden.

Bei der zweiten Forschungsfrage geht es um die Folgen solcher Erfahrungen. Dabei wird auf der einen Seite danach gefragt, ob Erfahrungen von verweigerter Teilhabe und Anerkennung dazu beitragen, dass sich Jugendliche in die ethnische oder soziale Eigengruppe zurückziehen mit dem Ziel ihre soziale Identität zu sichern. Auf der anderen Seite wird danach gefragt, inwiefern die Erfahrungen ggf. soziale Konflikte schüren und dazu beitragen können, dass Betroffene Vorurteile und Ressentiments gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen in ihr Weltbild übernehmen. In diesem Zusammenhang sollen auch andere Einflussfaktoren auf Einstellungen gegenüber anderen ethnischen, religiösen und sozialen Gruppen berücksichtigt werden, so z.B. die sozialen und politischen Bezugskontexte, in denen die Jugendlichen sozialisiert werden, die Nutzung diverser (transnationaler) Medien usw. Das Wissen um solche Vorurteile und Ressentiments ist aus wissenschaftlicher Perspektive deshalb von Bedeutung, da nur auf der Basis solcher Kenntnisse Vorkehrungen getroffen werden können, potentielle soziale Konflikte vorzubeugen.

Da in politischen und öffentlichen Diskussionen das Ausmaß von vorurteilsbelasteten Einstellungen und sozialen Konflikten zumeist über- und die von positiven, vorurteilsfreien Meinungen und friedlichem Miteinander unterschätzt werden, wird im Rahmen des Projektes zum einen das Ziel verfolgt, zu einer realistischen Einschätzung der sozialen Beziehungen und Konfliktpotentiale zu gelangen. Zum anderen geht es darum, die Hintergründe für soziale Konflikte, in die Jugendliche involviert sind, aufzudecken, aber auch die Hintergründe von positiven sozialen und interkulturellen Beziehungen zu analysieren. Wir gehen dabei davon aus, dass die jeweiligen Einstellungen in den jeweiligen sozialen Lebensbedingungen sowie in den biographischen Erfahrungen verankert sind und in starkem Maße davon abhängen, wie die Jugendlichen ihre Chancen der Teilhabe an der Gesellschaft und die persönliche Entwicklung beurteilen.

Für eine präzise Bestandsaufnahme werden zunächst offene Gespräche (problemzentrierte Interviews und Gruppendiskussionen) mit Jugendlichen türkischer und arabischer Herkunft in vier Städten geführt. In der zweiten Projekthälfte sollen dann in den vier Städten an Schulen (Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien, Berufsschulen) Befragungen mit einem standardisierten Instrument (Fragebogen) durchgeführt werden. Die Befragung soll Vergleiche zur Lebenssituation und zu Einstellungsmustern von jungen Menschen unterschiedlicher Herkunft (deutsch, türkisch, arabisch, andere Migrationshintergründe) ermöglichen.
Laufzeit
01.10.2008-31.12.2010
Drittmittelprojekt
ja
Projektleitung
Herr apl. Professor Jürgen Mansel
ProjektmitarbeiterInnen
Frau M.A. Viktoria Spaiser
Beteiligte Einrichtungen
Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung
Gefördert durch
Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend