Soziale Formen von Gruppendruck und Einflussnahme auf Ausstiegswillige der „rechten Szene“ zur Identifizierung ausstiegshemmender Faktoren

Kurzbeschreibung

Wissenschaftliche Studien dokumentieren den hemmenden Einfluss von Peer-Gruppen und Gruppendynamiken, mit denen sich Ausstiegswillige aus rechtsextremen Zusammenhängen konfrontiert sehen. Die aktuelle Forschung weist darauf hin, dass die Distanzierungs-bewegungen und der endgültige Bruch mit der Szene von einem komplexen Gefüge gruppenspezifischer, individueller und kontextueller bzw. milieuspezifischer Faktoren bestimmt wird, die sowohl ausstiegshemmend als auch ausstiegsfördernd wirken können. Das Forschungsprojekt fokussiert dieses Wirkungsgefüge und fragt explizit nach den Ansatzpunkten der sozialen Beeinflussung sowie den jeweiligen Erscheinungsformen des sozialen Drucks und ihren möglichen ausstiegshemmenden Wirkungsweisen. Das Forschungsvorhaben ist als komparative Fallanalyse konzipiert. Der Forschungsstil ist stark an die Grounded Theory angelehnt (Strauss/Corbin 1996) und kann als konstruktivistische Variante (Charmaz 2006) dieses Forschungsprogramms verstanden werden. Neben einem kreativen und reflexiv-systematischen Umgang mit theoretischem Vorwissen findet sich das methodische Kernstück dieses Vorgehens im theoretical sampling.

Die Auswertung wird u.a. durch die Frage nach Di- und Konvergenzen der Formen der Druckausübung in eher subkulturell geprägten rechtsextremen Gruppen, Kameradschaften und rechtsextremen politischen Parteien und Organisationen angeleitet. Ein besonderes Augenmerk liegt zudem auf der geschlechtsspezifischen Aufschlüsselung der Druckformen und -qualitäten in Ausstiegsprozessen. Das Forschungsprojekt erkundigt sich ebenfalls nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Druck- und Beeinflussungsformen, mit denen sich Ausstiegswillige in ländlichen Kontexten im Vergleich zu denen in urbanen Räumen konfrontiert sehen. In diesem Zusammenhang stellt sich ebenfalls die Frage nach ausstiegshemmenden Potenzialen demokratisch orientierter sozialer Milieus. Ferner stehen die Ausstiegshilfen im Mittelpunkt der Untersuchung. Hierbei wird sich einerseits danach erkundigt, welche Druckpotenziale in diesen Kontexten entstehen können und unter welchen Umständen sie eventuell ausstiegshemmend wirken können. Von wesentlichem Interesse ist hier ebenfalls die Frage, wie Ausstiegshilfen Droh- und Druckformen rechtsextremer Zusammenschlüsse wahrnehmen und wie sie ihnen begegnen.

Das Ziel der Untersuchung ist es, die komplexen Druck- und Beeinflussungsfigurationen rechtsextremer Zusammenschlüsse analytisch aufzuschließen und zu durchdringen ohne dabei die weiteren aufgeführten Kontexte aus den Augen zu verlieren. Arrondiert wird das Forschungsprojekt durch das Bereitstellen evidenzbasierter Gestaltungs- und Handlungsvorschläge für Ausstiegshilfen und -begleitung.

 

 

Laufzeit

14.11.2014-14.08.2016

 

Gefördert durch

Bundesministerium des Innern

 

Das Team

Projektleitung

Prof. Dr. Andreas Zick

Co-Leitung und Koordination

Dipl. Soz. Denis van de Wetering

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Dipl. Ka. Thomas Praßer

Projektunterstützung

Hannah Mietke

 

Kooperation

Hochschule Esslingen

Philipps-Universität Marburg

 

Kontakt

Dipl. Soz. Denis van de Wetering

Dipl. Ka. Thomas Praßer