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10/2010

Abschlusstagung GK 724
"Die Rückkehr der Regulierung"
2./3.12.2010
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12/2009

Ausschreibung weiterer Promotionsstipendien am Gk724

11/2009

Workshop "Akademisches Publizieren in Zeitschriften" am 10.12.2009
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10/2009
Der Kolloquiumsplan für das Wintersemester 2009/2010
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09/2009
Tobias Knobloch, Sascha Dickel und Sandro Gaycken veröffentlichen "Neue Utopien"
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06/2008
Dr. Menke erhält Dilthey-Stipendium und startet durch...
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02/2008
Prof. Bora wird Mitglied im Deutschen Ethikrat
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12/2007
Leibniz-Preis an Prof. Carrier
IWT-Professor bekommt bedeutendsten deutschen Forschungspreis
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Promotionsthema im Überblick

Politik und Vernunft:
die Wissensgrundlage von politischen Entscheidungen während der rot-grünen Arbeitsmarktreformen 1998-2005

Das Thema bearbeite ich seit Oktober 2004. Mit ersten Ergebnissen kann in der zweiten Hälfte 2006 gerechnet werden, in Form von Konferenzbeiträgen für die PRIME Konferenz an der Copenhagen Business School (Juni 2006), der Jahrestagung der European Association for the Study of Science and Technology (EASST) in Lausanne (August 2006) und der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) in Münster (September 2006).

Politische Entscheidungen setzen eine Definition eines Problems voraus, von seinen Ursachen und Lösungsoptionen. Das Wissen um das Verhältnis dieser Elemente kann nicht völlig willkürlich sein, sondern muss als politisch und kognitiv gültig anerkannt werden. Das ist die Bedingung dafür, dass die jeweilige Entscheidung in der Gesellschaft mehrheitlich für legitim erachtet wird.  Was das Problem hoher Arbeitslosigkeit sei, wie "richtige" Beschäftigungspolitik aussehe und wer dieses wissen könne und wer schließlich gültige Entscheidungen treffen dürfe, dazu hatten die politischen Akteure innerhalb der rot-grünen Regierung wie außerhalb höchst verschiedene Auffassungen. Während aber die "politische Meinung" in Wahlen ausgedrückt wird, wird das Wissen, auf dem die Entscheidungen basieren sollen, nicht in gleicher Weise gewählt. Von wem wird das Wissen produziert, und wie gelangte ein bestimmter Wissenskorpus zu Legitimität in den Arbeitsmarktreformen?

Wissenschaftler, die sich selbst für privilegierte Produzenten von Wissen halten, sind oft der Meinung, dass Forschungsergebnisse die Grundlage von politischen Entscheidungen sein sollten, und zwar so viel und so direkt wie möglich. Das ist für sie meist der Grund, Politikberatung zu betreiben. Die strenge Arbeitsteilung von Wissen auf der einen Seite und Entscheidung auf der anderen Seite wurde jedoch nicht nur aus normativen Gründen infrage gestellt, also aus einem Zweifel heraus, ob eine Demokratie so funktionieren solle. Auch die verfügbaren empirischen Untersuchungen belegen, dass dieses "Ideal" hinfällig ist. Politik und Wissenschaft produzieren im Gegenteil oft gemeinsam Wissen für Entscheidungen. Wie sie das tun und welche Anteile hierbei jeweils Wissenschaft und Politik zukommen, ist national und politikfeldspezifisch sehr unterschiedlich geregelt.

1998 hatte die sozialdemokratische Opposition zusammen mit den Grünen eine Wählermehrheit davon überzeugen können, dass sie einen gesellschaftlichen Kompromiss schmieden würden, der wieder zu mehr Beschäftigung statt zu mehr Arbeitslosigkeit führen würde. Nach den Wahlen zogen die Sozialdemokraten in starkem und kontroversen Maße "politikferne" Personen als Berater hinzu, die also kein Mandat von Interessengruppen besaßen: Wissenschaftler und später Unternehmer und Manager. 

In der Dissertation untersuche ich, auf welche Weise die Politik organisatorisch ihr Verhältnis zu den Wissensproduzenten gestaltete, um am Ende zu legitimen Entscheidungen zu kommen. Dazu gehören beispielsweise vorab die Rekrutierung eines Beratergremiums, die Einflussnahme auf dessen Arbeitsweise und der Vorbehalt der Veröffentlichung. Da die Zusammenarbeit mit den externen Wissensproduzenten aber auf deren freiwillige Mitwirkung angewiesen ist und da auch vorher nie eindeutig abschätzbar ist, wie die anderen politischen Kräfte auf diese Zusammenarbeit reagieren werden, kam es natürlich ungeachtet vorsorglicher Maßnahmen zu Konflikten. Hier untersuche ich, wie die Politik mit ihnen umging und auf sie später, in der Organisation weiterer Wissensproduktion, reagierte. Um den Umgang mit Politikberatung zu erklären, benutze ich zwei organisationstheoretische Argumente. Es ist anzunehmen, dass die Beratung nachfragende Exekutive auf Gestaltungsmittel zurückgreift, die sich aus ihrer Sicht bereits bewährt haben. Mittel- und langfristig werden diese Mittel oder Mechanismen eine formale Natur annehmen, weil dies die Legitimität erhöht. Das zweite Argument besagt, dass die Handlungsmöglichkeiten der Nachfrager auch durch das Verhalten der Anbieter, also der Beratungsorganisationen, beeinflusst sind. So kann es im Verlaufe des zu untersuchenden Reformprozesses zu einer Rückkopplung zwischen den Beteiligten kommen.
Letztlich sagen mir die Befolgung und Änderung von Regeln der gemeinsamen Wissensproduktion und die Konflikte dabei während der Arbeitsmarktreformen, wie sich unter Rot-Grün die Anforderungen an legitime politische Entscheidungen in der Arbeitsmarktpolitik verändert haben, welche alten und neuen Schneisen die Akteure aus Politik und Wissenschaft in das Dickicht der Probleme und ihrer Lösbarkeit geschlagen haben.