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Das Fremde: Zündstoff und Quell der FaszinationBereits seit einigen Jahren bildet die Frage nach dem Umgang mit Fremdheit und nach ihrer künstlerischen Gestaltung einen roten Faden der Literaturwissenschaft, wie sie Professor André Stoll und seine Mitarbeiter in den eng miteinander verknüpften Bereichen Forschung und Lehre betreiben. Den Studierenden wird der Themenkomplex im Seminarangebot der literaturwissenschaftlichen Module "Französische Literatur und interkulturelle Begegnung" und "Littérature et interculturalité/intermédialité" sowie in der spezialisierenden MA-Phase begegnen. Fremdheit kann viele Gestalten annehmen: sei es als Erfahrung eines fremden eigenen Unbewussten oder sei es als kollektives Feindbild bzw. als attraktive Projektionsfigur eines romantischen Exotismus. Die Frage nach der Problematisierung ideologischer und ästhetischer Konventionen und Stereotypen bei der Repräsentation des Anderen und Fremden in Romanen, Reiseberichten, Autobiographien, Karikaturen etc. wird vom Lehrstuhl Stoll unter diversen Fragestellungen beleuchtet. Dabei wird stets der Dialog zwischen den poetischen und visuellen Künsten, der die traditionellen Disziplingrenzen sprengt, mit berücksichtigt. Folgende Themenaspekte repräsentieren beispielhaft die inhaltliche Ausrichtung: Inszenierungen des FremdenZwischen der Revolution von 1789 und dem vorletzten fin de siècle häufen sich in Frankreich Darstellungen des Fremden in Karikaturen, Photographie, Salonkunst, in den Weltausstellungen sowie in Romanfiktion und Lyrik. Welche Funktion der Fremde dabei jeweils erfüllt, der einerseits die Gestalt eines Barbaren, andererseits eines idealtypischen, intellektuell und moralisch vorbildlichen Antipoden annehmen kann, ist Gegenstand der literaturwissenschaftlichen Untersuchung, die am Beispiel des Karikaturisten Honoré Daumier bereits in ein Ausstellungsprojekt gemündet ist.Faszination des OrientsDer Imaginationskomplex Orient ist ein wirkungsmächtiger Zweig des Exotismus der Kolinialära Frankreichs. Chateaubriand, Hugo, Nerval, Flaubert - kein großer französischer Autor des 19. Jahrhunderts, der nicht ein orientalisierendes Werk hinterlassen hätte. Auch die Maler des 19. Jahrhunderts erlagen der Faszinationskraft dieser fremden Welt, auf die sie ihre exotischen und erotischen Phantasien produzierten. Die Bielefelder Literaturwissenschaft fragt danach, wie der Orient als imaginäres Anderes des europäischen Abendlands in Literatur und Malerei jeweils inszeniert wurde und welche Implikationen über das Verhältnis von Selbst- und Fremdreflexion sich hier ablesen lassen. Surrealismus und Traumästhetik in Kombination mit MedientheorienDie Surrealisten haben das Fremde als eigenes Unbewusstes rehabilitiert und zur Quelle dichterischer Inspiration und zur Instanz der Produktion poetischer Bilder erhoben. Damit haben sie deutlich gemacht, wie eng die Territorien des Traums und der Imagination mit den symbolischen Figuren der Kunst sein können. Doch auch fremden Kulturen, insbesondere den Ländern Afrikas, wandten sich die Surrealisten mit Interesse zu, fanden sie hier doch das "Primitive", "Vorrationale", "Naive" und "Spontane" verkörpert, das sie in der eigenen Kultur verdrängt sahen und sich über die Fremdkultur wieder aneignen wollten. Mit dem surrealistischen Bildkonzept und der Bedeutung des Fremden für die moderne Kunst befasst sich ein weiterer literaturwisesnschaftlicher Schwerpunkt. Zeitgenössische frankophone LiteraturSeit einigen Jahrzehnten wird der französische Buchmarkt durch die frankophone Literatur bereichert - mit durchschlagendem Erfolg. Der renommierte "Prix Goncourt" ging in den letzten Jahren mehrfach an Autoren, die auf Französisch schreiben, obwohl es nicht ihre Muttersprache ist. Der Marokkaner Taha Ben Jelloun und der Sibire Andrei Makine sind zwei illustre Beispiele. Wie diese Autoren ihre Situation des Schreibens "entre deux langues" fruchtbar machen und der französischen Literatur durch Integration von Themen und Schreibverfahren aus den Gebieten der Frankophonie neue Impulse verleihen, ist ebenfalls Themenschwerpunkt der Bielefelder Literaturwissenschaft. Die Literaturwissenschaft in Bielefeld ist bemüht, ihre Ergebnisse nicht nur der universitären Fachwelt, sondern auch einer breiten Öffentlichkeit in Form von Ausstellungen sowie kommentierten und illustrierten Textausgaben (Publikationen) zugänglich zu machen, in die die genannten Forschungsschwerpunkte eingeflossen sind. Auf den Seiten von Professor Dr. André Stoll finden sich weitere Hinweise auf Forschungsinteressen. |
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