Faculty of Linguistics and Literary Studies
 
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Forum für Literatur und Psychoanalyse

Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft

  

Zu unseren Projekten

Mit unserem zweiten Treffen haben wir begonnen, uns mit jeweils einer der sog. "Sieben Todsünden" (genauer: "Sieben Hauptlaster") als kulturelles bzw. literarisches Phänomen in unseren jeweiligen Disziplinen zu beschäftigen. Schon bei "Invidia" und noch mehr bei "Ira" wurde deutlich, wie eng die jeweilige Konzeption von Eifersucht und Neid, Wut und Zorn mit den sozial- und emotionsgeschichtlichen Grundlagen verbunden ist: Was früher als Sünde gedeutet wurde, erfährt heute oft sogar eine positive Wertung oder stellt nun nach einem Prozess der Kulturalisierung und Interiorisierungsogar ein Faszinosum dar, was sich an den zahlreichen populären literarischen und filmischen Werken, sowie an der ausufernden populärpsychologischen Literatur erkennen lässt. Die ursprünglichen "Sünden" beinhalteten eine Bedrohung sozialer Systeme, da sie soziale Handlungen bzw. Handlungsweisen waren. Die anfänglich in den Begriffen angelegten Ambivalenzen und Verbindungen zu anderen Emotionen und Verhaltensweisen, wie z.B. die in der frühen Neuzeit noch geläufige Verbindung von Wut und Zorn zu Trauer, sind im Prozess der sprachlichen Homogenisierung der Begriffe verschwunden und haben zahlreichen individuellen Auslegungen Platz gemacht. Das Maß spielt bei der Bewertung nach wie vor eine große Rolle: Starke Eifersucht ist heute Indiz und Verursacher einer Beziehungsstörung, leichte Eifersucht gilt als Ausdruck von Zuneigung. Leichte Wut gilt heute als sinnvoller und deutlicher Ausdruck der eigenen Grenzen. Der Abstand zwischen der heutigen Sicht dieser Gefühle und Einstellungen und der ursprünglichen Lasterdefinition als Hindernis und Prüfung (des Christen) auf dem Weg zur Erkenntnis Gottes und zur Erlösung der eigenen Seele könnte kaum größer sein.

In unserer Beschäftigung mit den sieben Todsünden geht es uns darum, diachrone (literarische und in Ansätzen auch sozialgeschichtliche) und synchrone (inter- und intrakulturelle) Entwicklungslinien genauer zu untersuchen. Die Todsünden erweisen sich als interessanter Analyse- und Vergleichsgegenstand, weil sie heutige Sichtweisen kontrastieren und helfen können, allzu gewohnte Blickweisen zu durchbrechen. Unsere interdisziplinäre Ausrichtung trägt der von uns angestrebten multidimensionalen Betrachtung der Phänomene Rechnung und kann auch zur Erkenntnis von Korrespondenzen und Parallelen zwischen den Blicken der einzelnen Disziplinen führen. Als Bindeglied zwischen den einzelnen Disziplinen dienen uns einerseits psychoanalytische bzw. allgemeinpsychologische Konzepte, andererseits aber auch sozial-,  emotions- und literaturgeschichtliche Erkenntnisse. Für die aus den Tagungen erwachsenden Aufsatzbände bedeutet dieses konkret, dass den einzelnen Disziplinen ein oder auch mehrere Ausätze, die das Thema eher grundlegend behandeln, vorangestellt werden. Gleichermaßen wichtig erscheint es in diesem Zusammenhang, die Arbeitsweisen, das Vokabular und das zugrunde liegende Wissen der verschiedenen Disziplinen offenzulegen, sowie Bezüge zwischen unseren Arbeiten herzustellen. Über die jeweilig zu behandelnde Todsünde und die genannten Zielsetzungen hinaus, gibt es keine Einschränkung in der Themenwahl, die Beiträge werden allerdings untereinander auf den Tagungen abgestimmt und evtl. im Dialog miteinander noch korrigiert.

 



 
 


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