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Erbarmen, die Amis kommen

Oder: Hat der Streik doch Auswirkungen gehabt?

Könnt ihr euch noch erinnern? In diesem unserem Lande sind einige Studierende für mehr Urlaub..., eh nein, für bessere Studienbedingungen auf die Straße gegangen. Auch die, die von den Studenten leben, haben sich daraufhin ihre Gedanken gemacht, wie man auf diese Forderungen eingehen kann, ohne die eigenen Pfründen zu gefährden. Mit Erfolg! Der Blick über den großen Teich brachte die Idee, die angeblich recht erfolgreichen gestuften Studiengänge (erst B.A., dann M.A.) auch in Deutschland einzuführen. Durch kürzere Studienzeiten wären die Abbrecherzahlen zu senken, die Studierenden würden früher ins Arbeitsleben entlassen und die Studiengänge könnten weiter ausdifferenziert werden, um so den vielfältigen Interessensschwerpunkten der Studierenden entgegenzukommen. Gerade Geisteswissenschaftler sollten voller Begeisterung für das innovative Konzept sein, da ihre Ausrichtung nicht - mit kürzeren Studienzeiten - an den Fachhochschulen vertreten ist.

Soweit der Standpunkt unseres Dekans. Wie sieht nun die Diskussion an der LiLi-Fakultät aus? Es gibt Bestrebungen, möglichst schnell durch eine Art Umetikettierung der bestehenden Studiengänge die große Verbesserung zu erreichen.

Und dafür haben wir uns letzten Winter die Nase abgefroren? In der Kürze liegt die Würze? Angedacht ist es, zwei Fächer im Umfang eines Nebenfachs zu studieren, und das nicht mehr wie bisher neun Semester, sonder nur noch sechs. Dazu sollen unsere Nachfolger "arbeitsmarktorientierte Zusatzqualifikationen" erwerben, wie Textoptimierung, Mediengestaltung und betriebswirtschaftliche Grundlagen.

Das klingt doch toll, oder? Nach sechs Semestern das Studium mit Abschluß "abbrechen". In drei Jahren das gleiche gelernt wie in fünf. Jung und qualifiziert in den aufnahmebereiten Arbeitsmarkt. Wirklich? Ohne hier den empirischen Beweis antreten zu können, ist es vorstellbar, daß die Ziele und Inhalte der Reform noch einmal überdacht werden sollten.

Denn: ist es nicht illusorisch in sechs Semestern den selben Stoff zu bewältigen wie in neun? Wird die neue Studienform auf dem Arbeitsmarkt akzeptiert? Wo ist der strukturelle Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Studiengang, wenn der Bachelor auf Grundlage der Magister-Studienordnung erworben werden soll? Wie soll dieser Unterschied den Beteiligten klargemacht werden?

Das angelsächsische Modell unverändert zu übernehmen ist ohnehin nicht möglich, da es auf einer intensiven Betreuung der Studierenden beruht, die hierzulande - mangels Personal - nicht geleistet werden kann. Vielmehr besteht gerade jetzt die Chance, etwas wirklich Neues aufzubauen.

In den letzten Wochen ist in Gremien und Veranstaltungen viel über die Tendenz zu einer Umstrukturierung der bestehenden Fächer gesprochen worden. Diese Diskussion hat allerdings noch keine konkreten Inhalte hervorgebracht, die wir an dieser Stelle präsentieren könnten.

Daß die Pläne zu Bachelor und Master noch mit mannigfaltigen Fragestellungen behaftet sind, konnten wir hier darstellen. Darüber hinaus muß man sich die Frage stellen, ob die bestehenden Studienmöglichkeiten den angedachten Konzepten nicht überlegen sind. Denn wofür besuchen wir eine Hochschule? Um uns schnellstmöglich in einen von der Wirtschaft so gefragten Beruf pressen zu lassen? Oder sollten die Qualifikationen, die an einer Universität erlangt werden, über die Aneignung von fachspezifischem Wissen hinausgehen? Jeder, der dies nicht für notwendig hält, mag seine Ausbildung in einem Betrieb absolvieren.

Markus Meier, Sonja Niderehe (LiLi-Fachschaft)

Hier die vereinfachte Darstellung des Modells für einen gestuften Studiengang, wie es momentan in den Fächern unserer Fakultät diskutiert wird:
(Achtung: Die Grafik ist von unten nach oben zu lesen!)

B.A./M.A.-Grafik


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