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Willkommen in der Rubrik "Studierende kreativ"! Hier sind kreative Beiträge von Studierenden gefragt - ob Kurzgeschichte, Gedicht oder Zeichnung: immer her damit! Diesmal haben wir genau das Richtige, um den kalten Winter für einen Moment zu verdrängen: eine sommerliche Erzählung, eingesandt von einem Germanistik-Studenten der Universität Jyväskylä in Finnland. (Brrr, dort ist es ja noch viel kälter als hier...)

Sommerabend

Nur kleine Wellen glitten auf der Fläche des Sees, auf der sich überall die Strahlen der sommerlichen Sonne spiegelten. Das Rauschen im Laub des Uferwaldes war heute leiser als normalerweise am Ufer eines Sees. Goldgelber Sand reichte von der Wasserlinie bis an die großen Birken, die etwa 20 Meter vom Wasser wuchsen. Weiter weg standen Fichten und Kiefern, in ihrem eigenen Grün badend, das der helle Sonnenschein immer noch grüner machte.

Auf dem Sand stand ein Zelt. Hier und da lagen leere Bierflaschen, und vor dem Zelt war ein Feuer errichtet worden, um das vier Mädchen und drei Jungen saßen. Einer der Jungen spielte Gitarre und sang, und die anderen hörten entzückt zu.

"Bravo! Mehr! Spiel doch noch etwas!", riefen alle, als das erste Lied zu Ende war. Und so spielte er auch noch ein zweites Lied; eine wunderschöne Ballade, deren Töne so wirkten, als ob sie zuerst mit dem Rauch des Feuers durch die Äste der Bäume stiegen und sich schließlich am Himmel in alle Richtungen zerstreuten.

Der Sommerabend ging weiter, und auch das letzte sanfte Wehen des Windes verschwand. Die Fläche des Sees wurde gänzlich still, und nur der hohe blaue Himmel spiegelte sich darin, als Jukka und Anne sich, auf einem Uferstein sitzend, ansahen. Mit ihren Füßen versuchten sie, das am Stein wachsende Heu zwischen ihre Zehen zu sammeln, während sie sich miteinander unterhielten.

"Hast du Geschwister?", fragte Anne nach einer kleinen Pause. - "Eine Schwester... und du?" - "Habe auch 'ne Schwester."

Noch einen kurzen Moment sahen sie wieder auf die Füße. "Würdest du mit mir in den Wald spazieren kommen?", fragte Jukka, den Blick gegen die Augen von Anne hebend. Die Blicke trafen sich für einige Sekunden. Ihre Augen erweiterten sich, Wangen erröteten und Brüste schwollen. Ein Käfer flog ins Auge, eine Wolke zog vor die Sonne, eine Saite riß, es roch nach Aas, Anne rülpste und Mücken stachen zu.

Harri Hemminki


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