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Das große Q

Anmerkungen von der LiLi-Fachschaft

Der LiLi-Fakultät steht eine Strukturreform bevor. An einer Reform-Uni wie Bielefeld sollte dies eigentlich kein Grund zur Aufregung sein. Schließlich kann es, vor allem für uns Studierende, nur von Vorteil sein, wenn Anstrengungen zur Erneuerung und zur Verbesserung des Studienangebots und auch der Lehre unternommen werden. Und was sonst wird von einem Qualitätspakt zu erwarten sein?

Doch Qualität ist nicht gleich Qualität. Wie immer kommt es auch hier darauf an, welche und wessen Maßstäbe angelegt werden.

Geht es um eine Qualitätssteigerung für die Studierenden? Wurden studentische Anregungen, Vorschläge und Meinungen berücksichtigt?

Geht es um eine Qualitätssteigerung für die Lehrenden? Wurden von Seiten der Lehrenden Wünsche, Forschungsschwerpunkte und bereits bestehende interdisziplinäre Verknüpfungen miteinbezogen?

Oder geht es um eine Qualitätssteigerung aus der Sicht des Ministeriums? Schließlich wurde dort der Qualitätspakt ins Leben gerufen.

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, ist es sinnvoll, einen Blick in das Papier aus dem Ministerium (das böse Wort mit Q..., das wir schon so oft hatten) zu werfen, bzw. in die kommentierte Version aus dem Rektorat.

Zum Hintergrund: Ursprünglich sollten bis zum Jahr 2000 im Land NRW 2000 Stellen im Bildungsbereich abgebaut werden. Hierbei ging es nicht nur um Professorenstellen, sondern vor allem darum, den teilweise recht aufgeblasenen Verwaltungswasserkopf zu entwässern. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, sollten in erster Linie freiwerdende Stellen mit "k.w."-Vermerk (das heißt so viel wie "kann wech") nicht neu besetzt, und darüber hinaus in anderen Bereichen Stellen gestrichen werden.

Nach dem freiwilligen Beitritt der Universität Bielefeld (ob wohl die Herkunft Frau Behlers hierbei eine entscheidende Rolle gespielt hat??), sah es zunächst so aus, als würden die Streichungen hauptsächlich im Bereich der Verwaltung und unter anderem der Fakultät für Chemie durchgeführt. Um so überraschter waren wir, als auf der ersten Fakultätskonferenz im Sommersemester am 14.4.99 das genannte, vom Rektorat kommentierte Papier für Q... auftauchte, in dem doch ganz erhebliche Streichungen im Bereich der LiLi-Fakultät vorgesehen sind.

Demnach stehen bis zum Jahr 2003 an der gesamten Universität 78 Stellenstreichungen an. Von diesen 78 sind nur 49 mit einem "k.w." vermerkt, 29 müssen also noch gefunden werden. Diese insgesamt 78 Stellen hätten allerdings auch bei einem Nicht-Beitritt der Uni zur Disposition gestanden, durch die Beteiligung am Qualitätspakt sichert sich die Uni "einen Wegfall der Stellenbesetzungssperre, einen Wegfall evtl. künftig zu erbringender globaler Minderausgaben, Beteiligung am Innovationsfonds (im Haushalt 2000: 1,498 Millionen für die Universität Bielefeld vorgesehen)".

Die Vorschläge aus dem Ministerium zur Durchführung der Streichungen richten sich in erster Linie nach der Auslastung der Studiengänge. Allerdings könnten auch voll ausgelastete "Lehreinheiten einbezogen werden, sofern dies im Hinblick auf die Strukturplanung und Profilbildung unvermeidlich ist". Und übrigens: "...Der Stellenabbau (bezieht sich) ausschließlich auf wissenschaftliches wie auf fachnahes nichtwissenschaftliches Personal." Wie war das mit dem Wasserkopf?

Das Rektorat hat zur Umsetzung der Vorschläge zwei Varianten ausgearbeitet und diese mit "A" und "B" bezeichnet.

Variante "A" sieht die Einstellung des Primarstufenstudiengangs vor, außerdem soll unter Berücksichtigung der Kapazitätsauslastung, Anzahl der Absolventen, Studienerfolgsquote und Anzahl der Professuren in den Fächern katholische Theologie S1, Latein S2 und Magister, Slawistik Magister, Spanisch Magister, Französisch S2 und Magister und Geographie Magister Nebenfach für die zusätzlich notwendigen Streichungen gesorgt werden.

Variante "B" beinhaltet eine "ungleiche Verteilung der Kürzungen auf prinzipiell alle Einrichtungen unter Berücksichtigung von Stärken, Schwächen sowie Innovationen in Forschung und Lehre", über die allerdings noch beraten werden müssen. Betroffen sind auch in dieser Variante wieder die unter Variante "A" aufgeführten Fächer bis auf den Primarstufenstudiengang.

Wie wird in der LiLi-Fakultät mit diesen Ideen umgegangen?

Die schweigende Mehrheit der Studierenden weiß noch von nichts und ist auch nicht dazu bereit, dieses Informationsdefizit auszugleichen. Fachschaftssitzung ist übrigens immer montags von 12 bis 14 Uhr in C4-200, und die Fakultätskonferenzen, in denen es momentan fast nur um dieses Thema geht, finden derzeit zweiwöchentlich mittwochs morgens statt und sind öffentlich.

Die Professoren sind in der Hauptsache darum bemüht, ihren eigenen Bereich zu schützen und ja nicht über den Fachtellerrand zu blicken.

Das Dekanat begegnet den anstehenden Streichungen mit neuen, innovativen Vorschlägen. So soll es neben Li und Li in Zukunft eine dritte Säule in der Fakultät geben, die noch keinen Namen hat, aber im Falle einer Taufe die Umbenennung der ganzen Fakultät mit sich bringen würde. Inhaltlich geht es dabei um Zusammenfassung der sprachpraktischen, fachdidaktischen und landeskundlichen Anteile der einzelnen Philologien, des Faches DaF, des Bereichs HörerInnen aller Fakultäten und der Mediothek. (Ein ähnlich konzipiertes Sprachenzentrum wurde vor etwa zehn Jahren wegen mangelnder Auslastung geschlossen.) Der hierbei entstehende erhöhte Stellenbedarf ist vom Dekanat beabsichtigt, um aus dem Innovationsfonds des Ministeriums Gelder schöpfen zu können. Mit Bezug auf den Qualitätspakt - "Die Mittel stehen ausschließlich für Sach- und Investitionsausgaben einschließlich kleinerer Baumaßnahmen zur Verfügung, die der langfristigen strukturellen Erneuerung der Hochschule dienen" - ist diese Idee jedoch in den zuständigen Gremien bisher auf Widerstand gestoßen.

Bis zum Sommer muß die Universität Bielefeld ihre Strukturplanungen abgeschlossen und dem Ministerium vorgelegt haben.

Bei allen Diskussionen sollte nicht vergessen werden, daß die endgültige Entscheidung in Düsseldorf gefällt wird. Inwieweit dort die Vorschläge und Ausarbeitungen einzelner Fächer berücksichtigt werden, bleibt fraglich.

Kerstin Hadelich, Sonja Niderehe


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