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Auch LiLi-AbsolventInnen können was werden!

Unternehmensberaterin erzählt von ihrem Leben nach dem Studium

Petra Gerbracht

Petra Gerbracht

Das Magisterexamen in Germanistik hinter sich bringen und sofort einen guten Job als Unternehmensberaterin in der Tasche haben - das klingt doch eher nach einem Märchen aus 1.001 Nacht denn nach einer wahren Begebenheit aus dem Alltag unserer LiLi-Fakultät... Anstatt von solchen Karrieren zu träumen, werden sich manche der Studierenden vielmehr die Frage stellen: Gibt es denn überhaupt ein Leben nach dem Studium?

Diese Frage hat auch das Absolventen-Netzwerk der Universität aufgeworfen und zur Beantwortung am 20.4.99 die 34-jährige Petra Gerbracht eingeladen, in einem Vortrag für interessierte Studierende von ihrem Leben seit dem Studienabschluss 1995 zu berichten. Sehr schnell machte Frau Gerbracht deutlich, dass die Frage nach dem Leben nach dem Studium für sie eigentlich gar keine Frage war - sie jedenfalls hat es wirklich von der Germanistik-Studentin ohne Umwege zur Unternehmensberaterin gebracht, und wie sie es dahin gebracht hat, klang dann doch mehr nach zielstrebigem Vorgehen, gepaart mit einem Quentchen Glück, als nach einem modernen Märchen: Vor ihrem Studium hatte Frau Gerbracht eine Ausbildung zur Buchhändlerin absolviert und eine Weile in diesem Beruf gearbeitet, bis sie dann Lust auf die Uni bekam. Germanistik als Hauptfach zu wählen und den Schwerpunkt auf Literaturwissenschaft zu legen, lag für sie angesichts des buchhändlerischen Backgrounds ebenso nahe wie Wirtschaftswissenschaften als Nebenfach. Die Wahl des zweiten Nebenfachs fiel eher zufällig auf Pädagogik.

Neue Akzente in ihrem Studium setzte Frau Gerbracht jedoch, als sie sich zur Teilnahme am 1. Jahrgang des gerade frisch aus der Taufe gehobenen Programms "Studierende & Wirtschaft" entschloss. Im Laufe dieses damals noch viersemestrigen (heute sind es nur noch zwei), studienbegleitenden Ergänzungsprogramms absolvierte sie ein dreimonatiges Praktikum bei einem Bekleidungshersteller in Herford und wirkte da beim Aufbau der betrieblichen Weiterbildung mit. Die dorthin geknüpften Kontakte blieben auch nach dem Praktikum bestehen: Ein Jahr lang war Frau Gerbracht neben dem Studium noch weiter für dieses Unternehmen tätig.

Ihre Berührungen mit der Praxis und insbesondere der Weiterbildung in der Wirtschaft veranlassten sie auch zu einer gezielten Schwerpunktsetzung innerhalb ihrer Studienfächer: In Germanistik schwenkte sie auf die Kommunikationsanalyse ein, in Pädagogik wählte sie den Schwerpunkt Wirtschaftspädagogik und in den Wirtschaftswissenschaften selbst konzentrierte sie sich auf die Betriebswirtschaftslehre. Nebenbei jobbte sie eifrig im Weiterbildungsbereich, wirkte an Trainings zu Themen wie Rhetorik mit und nutzte zugleich Möglichkeiten, sich an Institutionen wie dem IZHD, dem Interdisziplinären Zentrum für Hochschuldidaktik unserer Uni, zusätzliche Qualifikationen zu erwerben, etwa in Sachen Präsentations- und Verhandlungstechniken.

Die erste Berührung mit ihrem späteren Arbeitsfeld kam Ende 1992, als sie die Gelegenheit bekam, für einen Monat im Sekretariat des Beratungs- und Forschungsunternehmens ISMV Dr. Hegner & Partner in Bielefeld auszuhelfen, wo ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit auf der Erstellung von Grafiken und visuellen Präsentationsunterlagen lag. Der Monat ging vorüber, Frau Gerbracht blieb bei ISMV, mit einem guten Dutzend Angestellter eine recht überschaubare Beratungsfirma, hängen und war studienbegleitend zunächst weiter im Sekretariat beschäftigt. Nachdem man sich dort eine Weile von ihrer Zuverlässigkeit überzeugen konnte, wurde ihr dann auch angeboten, als freie Mitarbeiterin an Beratungsprojekten teilzunehmen. So konnte das Unternehmen ohne großes Risiko ihre Eignungen testen, was Frau Gerbracht aus ihrer Sicht auch letztlich sehr geholfen hat, den Einstieg in die Karriere als Unternehmensberaterin zu finden. Denn nach abgeschlossenem Studium und einiger freier Mitarbeit, die offenbar zur beiderseitigen Zufriedenheit ausgefallen ist, wurde sie schließlich fest angestellt und ist bis heute bei ISMV beschäftigt.

Und beschäftigt ist Petra Gerbracht wirklich gut: Sie schilderte zwar, dass es in ihrem Unternehmen mal mehr und mal weniger stressig zugeht, aber mit einer 40-Stunden-Woche sei es nie getan, und in den hektischeren Phasen komme sie teilweise nicht vor halb zwei in der Nacht ins Bett. Umso dankenswerter ist es natürlich, dass sie sich die Zeit zu dem Vortrag fürs Absolventen-Netzwerk genommen hat!

Nach den wichtigsten Schlüsselqualifikationen für ihre Tätigkeit gefragt, nannte Frau Gerbracht an erster Stelle die Fähigkeit, sich schnell in neue Themen und Aufgabengebiete einarbeiten zu können und flexibel genug zu sein, auch an mehreren, unterschiedlichen Projekten gleichzeitig arbeiten zu können. Ansonsten seien neben den fachlichen Kenntnissen auch eine gute Portion Selbständigkeit und Geschick im Umgang und der Kommunikation mit Menschen gefragt - und ganz besonders strich sie heraus, wie wichtig es gerade in der Unternehmensberatung ist, sich gut viele neue Namen merken zu könnnen.

Wer sich für solch eine Karriere interessiert, ist also gut beraten, sich im nächsten Seminar schon mal im Einprägen der Namen der KommilitonInnen zu üben...

Felix Bubenheimer


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