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Bevor man die Kleinen rupft...

Stellungnahme zu den Konzentrationsmaßnahmen aus der Slavistik

Nach den Auskünften des Rektors auf der letzten FaKo ist zu befürchten, daß die Slavistik - ebenso wie Latein - von den bevorstehenden Konzentrationsmaßnahmen in besonderem Maß betroffen sein wird. Die bereits gebildete Expertenkommission, die die Fakultät evaluieren soll, wird, wie zu hören war, nach quantitativen Kriterien wie Kapazitätsauslastung, Absolventenzahl usw. vorgehen. In diesem Fall haben die "kleinen Fächer" keine Chance, zumal sie eine Mindestausstattung brauchen. Dabei spielt auch keine Rolle, daß die Auslastung der Slavistik in Bielefeld keineswegs schlechter ist als die anderer Standorte in NRW, ganz zu schweigen vom Bundesdurchschnitt. Zwei Punkte möchte ich im Zusammenhang mit der Diskussion über das Fach hervorheben.

1. Kürzt man die Slavistik weg, dann bedeutet dies das endgültige Aus für auf Interdisziplinarität und sprachlich-kulturelle Vielfalt ausgerichtete Konzeption, die die Fakultät seit ihrer Gründung auszeichnete. Besonders im Fach Literaturwissenschaft hat sich mit der Reform des Magisterstudiengangs eine vielversprechende Kooperation der verschiedenen Fächer angebahnt. Hier kann ich mir noch sehr viel intensivere Formen der Integration fremdkultureller Anteile in das Fach Literaturwissenschaft denken. Man könnte sich etwa vorstellen, daß die Literaturwissenschaft mit jeweils stark ausgebauten fremdsprachlich/fremdkulturellen Schwerpunkten studiert wird. Aber dazu müßten die "kleinen Fächer" erhalten bleiben.

2. Fiele die Slavistik weg, so würde der unter dem Rektorat von Prof. Skowronek mit großen Einsatz ins Leben gerufene Schwerpunkt Osteuropa an der Universität Bielefeld entscheidend geschwächt. Die Slavistik ist eine der tragenden Säulen des Studiengangs Osteuropa, mit dem die Universität seinerzeit auf die neue Lage in Europa, auf die Ausweitung der Ostkontakte reagierte. Fällt diese Säule, dann wird der ohnehin sehr schwach ausgestattete Studiengang Osteuropa nur noch dahinsiechen und möglicherweise trotz seines zarten Alters sein Leben aushauchen. Es schiene mir äußert kurzsichtig, wollte man das mühselig aufgebaute Entwicklungspotential im Bereich Osteuropa abbauen, nur um einen winzigen "Streichungsgewinn" zu erzielen.

Fazit: Bevor man die Kleinen rupft, sollte man noch einmal darüber nachdenken, ob man damit nicht mehr an Zukunftsperspektive verliert, als an Stelleneinsparungen gewinnt.

Prof. Hans Günther, Fachsprecher Slavistik


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