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Internationales Theaterfestival in OWLTeatro Buendía entstaubt Euripidesvon Julia BindzusIm Rahmen des "Internationalen Theaterfestivals OWL", vom 27.08.-11.10.2003, im "Theaterlabor Bielefeld" trat auch die kubanische Schauspielergruppe "Teatro Buendía" auf. Das 1986 von Schauspielern des "Instituto Superior de Arte" gegründete Ensemble hat sich unter der künstlerischen Leitung von Flora Lauten, Professorin der darstellenden Künste in Havanna, Schauspielerin und Regisseurin, international etabliert. Ihr einzigartiger Stil verbindet kubanische Kultur, Musik und Tanz mit ihren afrikanischen Einflüssen und integriert aktuelle sowie historische Themen des kubanischen Alltags. Anläßlich des diesjährigen Theaterfestival in Bielefeld konnte sich das Publikum über die Deutschlandpremiere der Inszenierungen "Otra Tempestad" und "Bacantes" freuen.
Am 05. September wurde der alte Mythos der Bacchantinnen von "Teatro Buendía" neu entdeckt. Der alexandrinische Gelehrte Aristophanes von Byzanz fasste das Drama Euripides prägnant zusammen: "Dionysos, zum Gott geworden, brachte, als Pentheus seinen geheimen Dienst nicht annehmen wollte, die Schwestern seiner Mutter zur Raserei und zwang sie, den Pentheus zu zerreißen." Doch diese nüchterne Zusammenfassung steht in keinem Verhältnis zu dem Temperament der Inszenierung der kubanischen Künstler.
Mit Fingerspitzengefühl halten die Darsteller die Balance zwischen den Problematiken des Stückes: Wildheit und Ausgelassenheit kennzeichnen die dionysische Zeremonie, zugleich wird der Blick auf die Tragik des Stückes gelenkt, die in dem ekstatischen Kindsmord Agaues eskaliert. Die Zuschauer begleiteten die Frauen Thebens, die ihre Webstühle verlassen um sich in den Bergen den Ritualen Dionysos hinzugeben. So wird man von dem Rhythmus der Feierlichkeiten, die die Ambivalenz der göttlichen Ekstase spiegeln, in Bann gezogen. Die Frauen sind einerseits wahnsinnig und ermorden sogar Pentheus, anderseits befinden sie sich, zurückgeführt zur Natur, in tiefstem Frieden und empfinden eine seelische Befriedigung, die nur dieser Gott zu schenken vermag. Besonders die Wandlung von Agaue, der Mutter Pentheus, steht im Zentrum der Handlung. Mitleid überwiegt, als sie im Glauben einen Löwenkopf zu tragen vor ihren Vater tritt und erkennen muss, dass sie ihren eigenen Sohn im Wahn getötet hat. Heutzutage würde ein durchschnittlicher Jurist wahrscheinlich auf "psychische Unzurechnungsfähigkeit" plädieren, doch die göttliche Strafe Dionysos ist härter: Agaue wird vertrieben, Pentheus stirbt und das Volk von Theben wird versklavt.
Die Inszenierung lebt von dem kubanischem Temperament, das sowohl in der mitreißenden Musik als auch in den Tanzpassagen dominant ist. Der klassische Mythos wird gekonnt mit imposanten Masken, Kostümen und einem harmonischen Bühnenbild in Szene gesetzt. Die Emotionen, Ekstase und Wandlung der Charaktere, besonders der Bacchantinnen werden durch einen ständigen Wechsel der Kostüme unterstrichen. So wandeln sich die vorher unterwürfigen sklavischen Frauen zu autonomen Wesen, die sich ihrer Sexualität bewusst werden und ein paradiesisches Leben unter Dionysos führen. So wie die Laszivität in der Kleidung gespiegelt wird, finden auch Trauer und Wahnsinn in düsteren Gewändern ihre Entsprechung. Besonders beeindrucken die stimmgewaltigen Choreinlagen der Bacchantinnen im Verlauf des Stückes. Südländischer Flair und Lebendlust untermalen das Drama musikalisch. Folkloristische Anklänge im typischen Stil des lateinamerikanischen Cumbia und balkaneske Popelemente entstauben das 2500 Jahre alte Stück des Euripides, so dass zu Recht unter "standing ovations" des Publikums der Abend ausklang. Informationen zu weiteren Veranstaltungen: Theaterlabor Bielefeld
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