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Verlagsportrait: Aisthesis-Verlag

Sachkunde, Optimismus, Glück und Phantasie...

von Camilla Koziol

Seit fast 17 Jahren produziert der renommierte Bielefelder Aisthesis-Verlag kulturwissenschaftliche Fachpublikationen. Das Programm umfasst mittlerweile 350 lieferbare Titel, darunter die Reihe Bielefelder Schriften zur Linguistik und Literaturwissenschaft. Unser Verlagsportrait gibt einen Einblick in die Arbeit und die Geschichte des Verlags...

Bild - Schrift - Cyberspace - Grundkurs Medienwissen heißt ein Leitfaden durch die Debatten rund um das Thema Medien. Die jüngste Neuerscheinung des Bielefelder Aisthesis-Verlages untersucht das Verhältnis von Schrift und Bild von den Anfängen bis zur Erfindung der Photographie. Dabei geht es von den Mediendebatten dieses Jahrhunderts aus. Bild - Schrift - Cyberspace ist eines der rund 40 Werke, die der Klein-Verlag am Oberntorwall Jahr für Jahr verlegt.

Michael Vogt und Detlev KoppDer 1985 von Dr. Detlef Kopp und Dr. Michael Vogt gegründete Verlag konzentriert sich insbesondere auf kulturwissenschaftliche Fachpublikationen. Im Bereich der Literaturwissenschaft legten die Verleger den Schwerpunkt auf Vormärz, Gegenwartsliteratur und die frühe Moderne. Darüber hinaus gehören auch Philosophie, Kulturgeschichte und Medienwissenschaft zum Kern des Verlagsprogramms.

Den Namen "Aisthesis" entnahmen die beiden Verleger der griechischen Bezeichnung für "Wahrnehmung". In der antiken Poetik bezeichnet dieser Begriff das Vermögen, Kunstwerke angemessen wahrzunehmen; der Begriff Ästhetik geht auf aisthesis zurück. Der Aisthesis-Verlag möchte dazu beitragen, "die Wahrnehmung von Kunst - und der Wirklichkeit, die sich mit ihr auseinandersetzet - durch neue Einsichten, Entdeckungen und Erkenntnisse zu erweitern."

Dass die Überlebenschancen eines kleinen Verlages auf die Dauer nicht besonders hoch stehen, war Kopp und Vogt von Anfang an bewusst - deshalb haben beide sich auf "Sachkunde, Optimismus, Glück und Phantasie" verlassen. Dass sie Fachkundige in Sachen Literatur sind, stand ohnehin längst fest: Beide haben kurz zuvor, Vogt 1981 und Kopp 1982, in Bielefeld promoviert. Kopp studierte Germanistik und Geschichte, zunächst in Münster und später in Bielefeld. Sein Geschäftspartner Vogt entschied sich für die Fächer Germanistik, Romanistik und Geschichte an denselben Universitäten.

Fachliche Qualifikationen reichen für die Führung eines Verlages allerdings nicht aus: Auch auf dem Gebiet der Ökonomie war Sachkunde gefragt. Fachwissen dieser Art besaßen laut Vogt zu dem Zeitpunkt beide nicht: "Die Versetzung in den Verlegerstand war anfangs durch mangelhafte Kenntnisse in Ökonomie deutlich gefährdet". Also griff man auf persönliche Erfahrungen zurück: Michael Vogt steuerte -als ehemaliger Lehrender für Werbegestaltung und Marketing- sein Wissen bei. Die Kombination dessen mit den Erfahrungen von Detlev Kopp -durch eine vorangehende Beschäftigung in einer Buchhandlung erworben- erwies sich als gelungen.

Vergessen waren die anfänglichen Schwierigkeiten der unerfahrenen Verleger jedoch nach der ersten erfolgreichen Publikation. Als Beiratsmitglieder der Grabbe-Gesellschaft entschieden die frischgebackenen Verleger sich 1986, nicht nur als Autoren an dem Band Grabbe im dritten Reich mitzuwirken, sondern ihn auch zu verlegen. Lediglich sechs Restexemplare sind im Lager des Verlages geblieben. Es folgten lobende Rezensionen im In-und Ausland. Eine Reihe zur literarischen Rezeption im Dritten Reich war damit beschlossene Sache. Weitere Bände, unter anderen zu der Rezeption von Büchner und Herder, folgten.

Christian Dietrich Grabbe stellt nach wie vor einen wichtigen Autor für den Verlag dar. Im Auftrag der Grabbe-Gesellschaft haben Kopp und Vogt Grabbe die Jahrbücher für die Jahre 1989 bis 1993 herausgebracht. 1996 folgten Christian Dietrich Grabbe-Ein Dramatiker der Moderne mit Detlef Kopp als Herausgeber und Grabbe-Klassiker ex negativo von Olaf Kutzmutz. Der Verlag veröffentlichte außerdem 1998 Christian Dietrich Grabbe-Dramatiker ungelöster Widersprüche von Roy C. Cowen und Grabbes Welttheater mit den beiden Verlegern als Herausgeber, im vergangenen Jahr.

Die poetische Republik: Annäherungen an Paul Wührs Salve res publica poetica. Bielefelder Schriften zu Linguistik und Literaturwissenschaft 17Seit 1991 erscheinen im Aisthesis Verlag regelmäßig die Bielefelder Schriften zur Linguistik und Literaturwissenschaft. Herausgeber sind Jörg Drews und Dieter Metzing im Auftrag der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft an der Uni Bielefeld. Bisher sind 18 Bände erschienen, unter anderen im Jahr 2000 Ich werde gewiss große Energie zeigen, eine Studie zu Garlieb Merkel und Mitwelt-Nachwelt-Internet, eine Sammlung von Vorträgen und Materialien zu der Rezeption Goethes zwischen 1800 und 2000.

1994 gründeten Vogt und Kopp das Forum Vormärz Forschung. Zweck der aus mittlerweile über 200 Mitgliedern bestehenden Gesellschaft ist "die Förderung der öffentlichen, wissenschaftlichen und literarischen Rezeption des Vormärz." Das dazugehörige Jahrbuch bietet Aufsätze, Beiträge und Rezensionen zu ausgewählten Schwerpunkthemen. Im Jahr 2001 erschien das Jahrbuch mit dem Schwerpunktthema Theaterverhältnisse im Vormärz, auch das Thema für 2002 steht bereits fest: Deutsch-französischer Ideentransfer im Vormärz.

1995 hat der Verlag eine Multimedia-CD-ROM zu Leben und Werk Arno Schmidts vorgelegt und damit sein Interesse "an der Produktion kulturell anspruchsvoller Multimedia-Anwendungen" dokumentiert. Im Mai - passend zum 25. Bielefelder Colloquium Neue Poesie - wird eine CD mit 40 Aufnahmen von Georg Jappe, Paul Wühr, Franz Mon, Ernst Jandl, Friederieke Mayröcker und Oskar Pastior erscheinen.

Bereits im dritten Verlags-Jahr reisten Detlef Kopp und Michael Vogt zu der Buchmesse in Leipzig. Das auch seinen Grund: Die Zahl der erschienenen Bücher steigt jährlich. Nach fast 17 Jahren gibt es mittlerweile rund 350 lieferbare Titel. In diesem Jahr werden die Verleger etwa 40 Neuerscheinungen in Leipzig vorstellen. Dazu gehören unter anderen Warum Fußball?, eine kulturwissenschaftliche Untersuchung dieser Sportart, die von Matías Martínez herausgegeben wurde, Das magische Ich von Salomo Friedländer/Mynona, oder auch Bild - Schrift - Cyberspace von Wolfgang Bock.

Studierenden der Universität Bielefeld, die sich auf das Berufsfeld Verlag vorbereiten, können sich beim Aisthesis-Verlag für ein Praktikum bewerben.



Kontakt: Aisthesis-Verlag







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