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Grabbe-Preis 2001 geht an Anna LanghoffEisfeldervon Peter BrandDer Christian-Dietrich-Grabbe-Preis 2001 geht an Anna Langhoff. Aus insgesamt 198 eingesandten Stücken wurde das Drama Eisfelder der Berliner Schriftstellerin von der Jury ausgewählt. Der Theaterkritiker Martin Linzer lobte in der Laudatio während des Festaktes im Detmolder Grabbe-Haus die "kunstvoll konstruierte Szenerie" des prämierten Stückes. Mit Anna Langhoff wird eine Autorin ausgezeichnet, so Linzer, die zu den "unüberhörbaren Stimmen im Konzert des zeitgenössischen deutschsprachigen Theaters" gehört. Anja Langhoff ist eine genaue Beobachterin: Verzweiflung und vermeintliche Ausweglosigkeit beschäftigen die 1965 in Ostberlin geborene Autorin. Ihre Geschichten erzählen von Gewalt, Verbrechen und Ratlosigkeit aber auch von verzweifelter Hoffnung. Ihr erstes Stück Transit Heimat / Gedeckte Tische wird 1994 am Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt. Die kompromißlose Härte, mit der die Verzweiflung im Lebensalltag eines Flüchtlingsheims beschrieben wird, schockiert sogar den Regisseur des Stückes, der auf einer sprachlich begradigten Strichfassung besteht. Dieses Verständigungsproblem bleibt charakteristisch. Als Langhoff ein Stück über die Ermordung Alberto Adrianos im Dessauer Stadtpark schreibt, urteilt Ulrich Seidler in der Berliner Zeitung nach der Uraufführung von Am toten Mann: "Der hoch-philosophische Text wird zurechtgetrimmt auf Kabarett-Niveau mit matten Denkblasen". Ihren ersten großen Auftritt hatte sie als 22jährige während der Klagenfurter Literaturtage 1987, wo sie einen mit 30.000 DM dotierten Förderpreis erhielt. Das ihr Weg sie folgerichtig von diesen Erzählungen über die Lyrik zum Theater führte, liegt vielleicht auch ein wenig an der Familientradition: Der Großvater Wolfgang Langhoff war als Regisseur und Schauspieler eine der wichtigsten Theatermacher der DDR, der Vater Matthias Langhoff war Regisseur, ihre Mutter Dramaturgin und der Onkel Thomas Langhoff leitete als Intendant das Deutsche Theater in Berlin. Anna Langhoff arbeitete zunächst als Dramaturgin und Regieassistentin in Hamburg, Zürich und Berlin. Im Jahr 2000 wurde ihr der Literaturpreis des Landes Baden-Württemberg für ihr Stück Unsterblich und reich verliehen. Dieses Drama beschreibt den Kult des Selbstbewußtseins in der heutigen Zeit und die Perspektivlosigkeit junger Menschen, letztlich ist es auch ein Stück über das Verschwinden familiärer Strukturen in die Bedeutungslosigkeit. Tina, die unbedingt Modell werden will, ihr Bruder Andi und sein Freund treffen auf den biederen Herrn Kruse, der angeblich Agent einer Fotoagentur ist. Für die Unsterblichkeit und den erhofften Reichtum verkuppelt Andi seine Schwester mit Kruse. Als sich herausstellt, daß Kruse nur ein kleiner Beamter bei der Finanzbehörde ist, landet er im Keller der Jugendlichen, die ihn erpressen, foltern und beschimpfen. Den mit 10.000 DM dotierten Christian-Dietrich-Grabbe-Preis 2001 erhält die Autorin für das Drama Eisfelder. Zur Jury gehörten die Dramatikerin Dea Loher, Prof. Dr. Wolfgang Braungart von der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft der Universität Bielefeld, der Theaterkritiker Martin Linzer, der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Detmold Johannes Heumann, sowie als Präsident der Grabbe-Gesellschaft Dr. Fritz Udo Krause und schließlich Ulf Reiher, der Intendant des Landestheaters Detmold. Das preisgekrönte Stück spielt in einem undurchdringlichen Park, der ein Ort des Grauens ist. Hier versammeln sich nicht nur die gestrandeten, sondern auch die anerkannten Existenzen der Gesellschaft. Underdogs der Obdachlosigkeit vegetieren in diesem Labyrinth und sie treffen auf erfolgreiche selbstbewußte Jungunternehmer. Man schlägt sich, Nähe wird abgelehnt, familiäre Bindungen lösen sich auf und dennoch geben die Protagonisten nicht auf. Das alptraumhafte Symbol dieses Dramas ist ein wurmartiges Baby mit durchsichtiger Haut, scharfen Zähnen und einem Brustkorb aus Draht, daß von seiner Mutter schlicht "Tier" genannt wird. Es ist eine Welt ohne jegliche soziale und familiäre Bindung, ohne Nähe und Berührung. Vordergründig geht es um den "Verlust der Lebensberechtigung durch den Verlust der Kaufkraft" (Langhoff). Es ist ein präziser, sezierender Blick auf menschliches Miteinander, der - wie fast immer bei Langhoff - in extremen Grenzsituationen spielt. Eigentlich kennen wir alle diese Situationen aus den Medienberichten, wir sind mit ihnen so vertraut, daß die Erinnerung an sie beinah unspektakulär erscheint. Anna Langhoff gelingt es in ihren Stücken dennoch, Nachdenken auszulösen und eine Untergangs- und Endzeitstimmung zu vermeiden. Denn die Protagonisten in Eisfelder sind, trotz aller Gewalt und Hoffnungslosigkeit, wohl letztlich Opimisten, weil sie, wie Langhoff unter Berufung auf Martin Buber sagt, eine oft verborgene menschliche Fähigkeit bewahren: den Willen zur Umkehr. Homepage der Grabbe Gesellschaft Detmold
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