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Stadttheater BielefeldUrfaust - zwischen Klassik und Modernevon Julia Bindzus"Urfaust" ist die erste Version von Goethes Lebenswerk "Faust". Zwischen 1772 und 1775 hatte der Klassiker sich das erste mal mit dem Fauststoff auseinander gesetzt. Er verwarf jedoch das Manuskript schnell wieder. Nur durch eine Abschrift des Weimarer Hoffräuleins Luise von Göchhausen ist diese Urfassung erhalten geblieben. Doch erst 1887 wurde das Schriftstück wieder gefunden und veröffentlicht. Goethe selbst publizierte nur eine überarbeitete Version unter dem Titel "Faust- Ein Fragment". Unter Schillers Einfluss arbeitete er weiter an dem Werk und fügte der Grundstruktur den Prolog im Himmel zu, der bisher noch fehlte, und deutete nun klarer das Leitmotiv der Wette Gottes mit Mephisto an. So entstand zwischen 1797 und 1806 "Faust - Der I. Teil" und zwischen 1825 und 1831 vollendetet er dann "Faust - II. Teil". Der Regisseur Andrej Woron sagte zu seinem Werk: "Wir machen hier keine Experimente. Ich versuche schon ganz stark in der Tradition des Urfaust zu bleiben". Daher rührt wohl die Exposition im nächtlichen Studierzimmer, in dem eine Holzpuppe den berühmten Anfangsmonolog hält. Doch außer dieser Anspielung auf den Ursprung des Fauststoffes in einem Puppenspiel, kann man bei der Inszenierung von Woron nicht mehr von einer klassischen Faustinszenierung sprechen.
Mit imposanter Bilderflut reißt er den Zuschauer in die Problematik des Stückes: Sehnen und Wollen, Verfehlen und Schuld, so wie die Suche nach der eigenen Identität und der Frage nach dem Sinn des Lebens.
So jugendlich wie die Inszenierung ist auch der Faustdarsteller, Mathias Reiter. Mit Elan spielt er überzeugend den des Lebens überdrüssigen Wissenschaftler. Sein Kontrahent Mephisto (Thomas Wolff) agiert als Mann von Welt und besticht mit diabolischem Charme. Es ist diese Konstellation der beiden Protagonisten, die das Gesamtwerk trägt. Denn nur die Balance zwischen den Hauptdarstellern bewahrt die Inszenierung davor ins Lächerliche zu fallen.
In dem Vorzeigestück der deutschen Literatur erwartet man einfach keinen Schmuck als Exkremente ausscheidenden Mephisto, der darüber hinaus auch noch in einem überdimensionalen silbernen Peniskostüm auftritt. In Adaption an die Laszivität der Walpurgisnacht, tanzt er dann noch mit Martha und einem Brathünchen einen Tango, um daraufhin das Hühnchen in animalischer Ekstase zu zerreißen. Bezeichnete man Goethe zu der Entstehungszeit des "Urfausts" als "Stürmer und Dränger" und Experimentalisten, so kann man diese Titulierung auch an Woron weitergeben. Die Gesamtinszenierung erinnerte oft an Literaturverfilmungen von Baz Luhrmann: Schnell, bunt und laut. So fehlte auch die kitschige Madonnenfigur nicht, die den bösen Geist verkörperte und als Moralapostel "Like a virgin" von Madonna sang. Woraufhin ein in Strapsen gekleideter Priester aus ihrem überdimensionalen Rock tanzte. So wie die Faustthematik sich dauernd in Grenzsituationen bewegt: Selbstmord, Ergreifung fremden Lebens, Magie, Licht und Dunkel, Blasphemie und Frömmigkeit, bewegt sich auch die Inszenierung Worons auf einem Drahtseil. Fragte man nach der Aufführung Zuschauer nach ihrem Eindruck, bekam man meistens nur die dürftige Auskunft:"Tut mir leid, dass kann ich ihnen noch nicht sagen". So überwältigend war der Eindruck der Bilder und das Tempo der Inszenierung, dass der Inhalt des Stückes etwas darunter litt. Termine für "Urfaust"
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