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Benningsen-Förder-Preis für Ulrike GutUlrike Gut ist mit dem Benningsen-Förder-Preis ausgezeichnet worden. Die Bielefelder Linguistin erhält den Nachwuchsforscher-Preis des Landes Nordrhein-Westfalen für ihre Forschung auf dem Gebiet der Sprachmelodie.Lili: Was war der Anlaß für die Preisvergabe? Ulrike Gut: Der Preis wird mir am 25. April in Essen überreicht. Ich bekomme ihn für ein Projekt das ich plane: Es geht um den Erwerb von Prosodie. Das umschließt unter anderem Sprachmelodie, Sprachrhytmus und Betonung bei Leuten die Deutsch oder Englisch als Zweitsprache lernen, sogenannte L2-Lerner. Es geht nicht so sehr darum zu untersuchen, warum Zweitsprachenlerner anders klingen als Erstsprachenlerner. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass sie die Prosodie ihrer Muttersprache auf die erlernte Zweitsprache übertragen. Mich interessiert vielmehr wie sich eine fremde Prosodie erlernen lässt. Lili: Können Sie den Forschungsgegenstand Prosodie näher beschreiben? Ulrike Gut: Die Prosodie gehört in den Bereich der Phonologie, es geht dabei um Sprachlaute und um den Klang von Sprachen. Die Phonologie selber kann man noch einmal in zwei Bereiche unterteilen: Zum einen in den segmentalen Bereich, der sich auf Laute bezieht und zum anderen in den Bereich der Suprasegmentalphonologie in den die Prosodie fällt. Hierbei geht es um alle Phänomene in der Sprache die länger als ein einzelner Sprachlaut sind. Eine Betonung passiert nicht einfach auf einem "f", sondern auf einer ganzen Silbe. Die Silbe wiederum besteht aus bis zu fünf verschiedenen Sprachlauten. Eine Satzmelodie setzt sich aus verschiedenen Sprachlauten zusammen und nicht aus einem einzelnen "a" oder "u". Mit diesem suprasegmentalen Bereich beschäftigt sich die Prosodie. Lili: Existieren Ihrer Ansicht nach Mängel bei bestehenden Lehrmaterialien? Ulrike Gut: Ich glaube es gibt überhaupt keine Materialien, die Prosodie berücksichtigen. Ich habe selber Englisch studiert und in dieser Zeit habe ich nichts von Prosodie gehört oder gelernt. In der Schule lernt man darüber gar nichts und an der Universität nur, wenn ein Dozent sich zufällig für dieses Thema interessiert. Die Prosodie hat den Ruf schwierig und schwer erlernbar zu sein. Das Thema ist für viele unbedeutend, weil sie sich irgendwie verständigen können. Und tatsächlich ist ja eine Kommunikation ohne Prosodie möglich, man wird auch verstanden mit einem anderen Sprachrhytmus. Aus diesen Gründen ist die Prosodie bisher vernachlässigt worden. Erst seit etwa zwanzig Jahren wurde in der Forschung der Bereich der Prosodie ausgebaut. Bis die Ergebnisse der Forschung in Lehrmaterialien umgesetzt werden vergeht wieder einige Zeit. Lili: Der Benningsen-Förder-Preis wird seit 1989 jährlich verliehen. Er ist die wichtigste wissenschaftliche Auszeichnung des Landes Nordrhein-Westfalen und ist mit einem hohen Preisgeld verbunden. Wie werden Sie das Geld verwenden? Ulrike Gut: Der Preis ist mit 100 000 Mark dotiert. Das Geld ermöglicht die Finanzierung des Projekts. Ich werde vor allem studentische Hilfskräfte einstellen und notwendige Materialien anschaffen. In meinem Projekt werde ich über einen Zeitraum von zwei Jahren verschiedene Arten von Prosodieerwerb untersuchen. Ich hoffe, dass sich viele Studenten für diese Studien in Prosodie finden werden. Am Ende wird sich hoffentlich herausstellen, welcher Weg zum Erlernen einer Prosodie der erfolgreichste ist. Lili: Werden die Ergebnisse ihrer Forschung auch in die Lehre einfließen? Ulrike Gut: Ich versuche auch jetzt schon Prosodie zu lehren, wobei ich natürlich keine Sprachkurse gebe. Ich unterrichte Linguistik und erwähne dieses Thema nur theoretisch. Ganz toll wäre es natürlich, wenn Dozenten für Deutsch und Englisch solche Ideen aufnehmen würden. Ich möchte natürlich nicht behaupten, dass ich in den zwei Jahren ein Lehrwerk schreiben kann. Ich bin froh, wenn theoretische Ergebnisse vorliegen aber ich glaube nicht, dass in dieser Zeit noch ein Lehrbuch erstellt werden kann. Interview: Peter Brand Homepage von Ulrike Gut
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