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Das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe veranstaltete in Detmold zu Christian Dietrich Grabbes 200sten Geburtstag ein Event mit nahmhaften AutorenViel Interesse am dichtenden Exzentrikervon Thomas CombrinkHeinrich Heine, den Christian Dietrich Grabbe durch sein Studium in den 1820ern in Berlin traf, nannte den Detmolder Dramatiker "mit doppeltem Rechte einen betrunkenen Shakespeare". Heine spielte damit auf die Kopplung von exzessivem "Way of Life" und seinen dennoch oder gerade deswegen enormen poetischen Fähigkeiten an. Ob der Exzeß nötig war, damit er seine Literatur produzieren konnte? Vielleicht. Sicher ist jedoch, dass Grabbe noch nicht 35 Jahre alt war, als er 1836 verschied. Grabbe ist aber auch einer der wenigen berühmten ostwestfälischen Dichter und aus Anlaß seines zweihundertsten Geburtstages veranstaltete das Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe in Detmold daher ein zweitägiges Event zu dem sich Schauspieler, Dichter, Geisteswissenschaftler und Filmemacher trafen, um ihre um das Werk Christian Dietrich Grabbes kreisenden Arbeiten vorzustellen. Dass bekannte Autoren wie Thomas Kling, Marcel Beyer oder auch Werner Fritsch bereit waren sich mit Grabbe zu befassen und ihre poetischen Arbeiten vorzustellen, machte deutlich, dass diese Veranstaltung nicht nur Denkmalpflege war, und sein Werk auch interessant für die Dichter der Gegenwart sein kann.Marcel Beyer, zum Beispiel, verzichtete bei seiner Lesung auf die eigene optische Präsenz auf der Bühne. In seinem Sessel saß ein Mann und schaute mit aller Seelenruhe ins Publikum, während Beyers Stimme aus den Lautsprechern drang. Das irritierte den Zuschauer doch arg. Was hatte diese Person mit Marcel Beyer und seinen Texten zu tun? Sollte das vielleicht Grabbe selbst sein, dem Beyer seine Texte vortrug? Schwer zu beantworten. Die Texte waren beim einmaligen Hören nicht leicht in die Kategorien Lyrik oder Prosa einzuordnen. Gegen die Strecken, die alltagssprachlich gedichtet und vor allem syntaktisch korrekt gesetzt waren, stellten sich aber genauso Partien, die vom herkömmlichen Verstehen der Alltagssprache abwichen. Sowohl im Bau der Sätze, wenn es überhaupt noch Sätze im konventionellen Sinne waren, als auch in der Bedeutung der einzelnen Worte ließen sich diese Partien wieder ganz anders verstehen. Nach der Lesung fand ein Gespräch zwischen Beyer und Florian Vaßen, seines Zeichens Professor für deutsche Literatur und Sprache an der Universität Hannover, statt. Erfreulicherweise zeigte sich im Verlaufe des Gespräches, dass das doch oft sehr schwierige Aufeinandertreffen von professioneller Produktion und Rezeption von Literatur an diesem Abend kein Problem darstellte. Viel zu sehr bestand ein beiderseitiges Iebhaftes Interesse über die Texte Grabbes zu reden. Dass an selbigen Abend Thomas Kling leider aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, war schade. Hans-Jürgen Balmes, Programmleiter für fremdsprachige Literatur beim S.Fischer Verlag, hätte eigentlich nach Klings Lesung mit ihm ein Gespräch führen sollen. Stattdessen trug Balmes schließlich Klings Manuskript selbst vor. Kling scheint es in seinem Text "Kamerad, wo dein linker Fuss. Grabbe-Miszellaneen und Beipackzettel" darauf anzukommen, das Leben und das Werk der Person Grabbes aus der Jetzt-Perspektive zu betrachten. Kling übersetzt häufig im Subkultur-Jargon Grabbes Leben, seine Zeit und seine Literatur auf unsere heutige Ebene. Das funktioniert sogar recht gut, wenn man davon ausgeht, dass sich einige historische, literarische und nicht zuletzt psychologische Mechanismen seit Grabbe erhalten haben. Ähnlich wie bei Heinrich Heine besteht für Kling der Reiz an der Ausseinandersetzung mit Christian Dietrich Grabbe in der Verknüpfung von exzentrischem Leben und ungewöhnlicher Dichtung. Die Rezeptionsgeschichte des Werkes und der Person Grabbes ist für Kling wichtig. Wie haben seine Zeitgenossen über ihn gedacht, oder wie hat sich das Denken über seine Dichtung im Laufe der Zeit verändert? Die Fatalität der Existenz Grabbes brachte Karl Immermann so auf den Punkt: "Er konnte gar nicht anders sein, als er war, und dafür, dass er so war, hat er genug gelitten." Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe
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