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Radio Hertz 87.9

Das Campusradio Hertz 87.9 hat sich in kurzer Zeit im Kulturleben der Universität und der Stadt Bielefeld etabliert. Nina Wöstmann hat sich für die LiLi in der Redaktion des Senders umgesehen und mit der Chefredakteurin des Senders gesprochen. Diana Pilger studiert an der Lili-Fakultät und ist seit dem 1.März Chefredakteurin von Hertz 87.9. Sie ist verantwortlich für das Programm und außerdem Leiterin des Ressorts Kunst und Kultur.

Lili: Hertz sendet jetzt seid einem halben Jahr täglich. Gab es am Anfang Startschwierigkeiten und wie läuft es mittlerweile?

Diana Pilger: Seit dem Artikel im Stadblatt heißen wir "der Sender mit dem Ralf", der Computer heißt jetzt übrigens auch Ralf, weil ständig die Senderkennung kam: "Hallo, ich heiße Ralf und höre Hertz 87.9." Das Lustige daran war, daß das auch noch der Mitbewohner unserer damaligen Chefredakteurin war. Der Computer hat sich diese Person immer wieder rausgesucht. Er hatte bestimmte Vorlieben und manchmal wurden auch Lieder zweimal in einer Stunde gespielt.

Im Moment haben wir das Problem, daß er manchmal zwei Lieder gleichzeitig spielt, was daran liegt, daß die Fade-in-Punkte und die Fade-out-Punkte falsch gesetzt sind, und der Computer denkt, er müßte ein neues Lied spielen, während das alte aber noch läuft. Es gab am Anfang hauptsächlich solche Computerprobleme. Ab und zu kam auch der Jingle für die Nachrichten nicht, was u.a. daran lag, daß die Funkuhr, nach der sich der Computer richtete, falsch ging. Es war alles noch nicht so programmiert, wie es laufen sollte. Der Moderator hat den Regler zu früh runter oder rauf gezogen, oder auch mal vergessen, das Mikro ein- oder auszuschalten. Wir haben zwei Wochen vor Sendestart geübt und "trocken" moderiert, so daß es außer uns niemand hörte und wir mit der Technik vertraut wurden. Die sieht auch viel abenteuerlicher aus, als sie eigentlich ist. Ansonsten haben wir im Moment leider noch Netzwerkprobleme, so dass es vorkommt, daß zwei Minuten vor den Nachrichten der Drucker nicht funktioniert.

Lili: Was für Alternativen habt ihr in solchen Fällen zur Hand?

Radio Hertz Diana Pilger: Wenn der Computer ausfällt, haben wir sogenannte Not-MDs, also Mini Disks, auf denen wir vorher Programm mitgeschnitten haben. Dieses Problem hatten wir aber erst zweimal und es war auch nicht so schlimm, dennn bei anderen Sendern kommt so etwas auch vor. Die Profis vom WDR meinten, wir bräuchten uns nicht ständig dafür zu entschuldigen, Fehler passieren schließlich jedem. Aber sonst sind wir mit dem Sendestart voll zufrieden gewesen. Die Party, die wir gemacht haben, war ein voller Erfolg, und wir hatten auch sofort Hörer, die uns angerufen haben und Kinokarten gewinnen wollten, von denen wir in den ersten Tagen Hunderte vom Cinestar geschenkt bekommen und verlost haben. Dabei haben wir auch gleich erfahren, wer uns hört und wo wir gehört werden. Es ist eigentlich richtig gut gelaufen, weil auch die Leute, die hier mitarbeiten, Lust hatten, was zu machen, also die Dienste waren immer besetzt, und irgendwie haben wir das Programm bis jetzt immer gefüllt. In den Semesterferien fahren wir halblang und senden nur nachmittags. Es ist für die Mitarbeiter auch mal ganz gut, in Urlaub zu fahren, sich auszuruhen, und ein bißchen mehr zu schlafen, denn manchmal ist es schon sehr hart, morgens um sieben Uhr hier zu sein und sich vorzubereiten, was ja am Abend vorher meistens auch schon gemacht werden muß. Als Chef vom Dienst, dem härtesten Job, sitzt man zum Beispiel manchmal bis abends um zehn hier und hat nicht besonders viele Pausen: alle Leute fragen dich was und wollen etwas von dir.

Lili: Wie teilt ihr Euch diesen Job?

Diana Pilger: Es kann ihn nicht jeder machen. Diejenigen die schon lange dabei sind, wechseln sich ab. Vierzehn Leute können es machen, aber regelmäßig machen es tatsächlich weniger als die Hälfte, denn es sind auch Leute darunter, die sehr viel moderieren. Dann haben wir noch neunzehn Moderatoren fürs Magazin, von denen ebenfalls nur die Hälfte moderiert. Es gibt außerdem noch Moderatoren für Musiksendungen, von denen einige noch nicht so lange dabei sind und erst an die Moderation herangeführt werden. Deshalb moderieren dann immer 2 Redakteure, die sich gegenseitig die Bälle zuspielen können, um so eine lockere Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Für die Nachrichten haben wir eigentlich die meisten Mitarbeiter. Regelmäßig machen aber nur sieben Leute die Nachrichten. Das Engagement ist freiwillig und dementsprechend unterschiedlich: manche sind jeden Tag, andere nur alle 2 Wochen hier.

Lili: Was für Rückmeldungen habt Ihr bisher bekommen?

Diana Pilger: Einige Hörer schrieben uns, seitdem es Hertz gäbe, würden sie endlich wieder Radio hören, nachdem sie es schon aufgegeben hatten. Diana Pilger Einer schrieb, er fand das Programm in den ersten Tagen super, weil bei uns völlig andere Musik läuft als bei anderen Sendern, nur dann hätten wir angefangen komische Pseudojingels zu machen, und fand uns deshalb dann "scheiße". Wir haben Feedbacktreffen, zu denen wir auch Gäste einladen. Wir hatten Andreas Beune vom Stadblatt und Claudia Fischer vom WDR hier, die vorher ein paar Tage intensiv Hertz 87.9 gehört haben und anschließend ihre Meinung und Kritik äußerten. Diese Treffen werden protokolliert, so daß sie sich jeder noch einmal durchlesen kann. Ansonsten fragen wir Freunde, oder bekommen immer wieder auch Rückmeldungen über die diversen Verlosungen.

Lili: Was gibt es abgesehen von den Kinogutscheinen noch für Verlosungen?

Diana Pilger: Wir haben mindestens einmal pro Woche eine Verlosung. Über einen Kostümverleih haben wir am Rosenmontag Kostüme verlost. Im "Tapas", dem Cafe im Nordpark, konnten unsere Redakteure einmal zum Test umsonst essen, und dann dreimal Gutscheine für zwei Personen verlosen. Die Hörer können auch oft Konzertkarten oder CDs von Bands, die in Bielefeld spielen, und die wir dann manchmal im Studio haben, gewinnen. Bei diesen Aktionen rufen immer sehr viele Leute an.

Lili: Zum Angebot des Campusradios gehören auch Seminare und Einführungskurse. Wie wird dieses Angebot genutzt und wie sind die Erfahrungen?

Diana Pilger: Das Angebot wird sehr gut genutzt. Wir haben unser eigenes System, das ist der sogenannte Radiopass, den man am Ende der Ausbildung erhält. Mitarbeiter, die schon lange dabei sind, bieten diese Seminare an, wie beispielweise "Sprechen und Schreiben fürs Hören", "Einführung in die Schnitttechnik am PC", "Einführung in die Reportage" oder "Interviewtraining" und total wichtig ist auch das Seminar "Büroordnung".

Lili: Dienstag und Donnerstag habt ihr normalerweise feste Seminartermine.

Diana Pilger: In den Semesterferien versuchen wir einmal einen Termin zu machen, weil Leute anrufen und nachfragen. Zu den Seminaren kommen recht viele, wobei es allerdings zu Semesterende weniger wird. Manchmal habe ich nur noch vier oder sechs Leute im Seminar. Meistens sind die Teilnehmer ziemlich scharf auf den Radiopass und viele geben sich zufrieden, wenn sie diesen Pass haben, machen dann aber nicht weiter. Sie sehen dann auch, wie viel Arbeit anfällt, und lassen sich davon ein bisschen abschrecken. Manche haben auch gesagt, dass sie Probleme haben hier reinzukommen, weil sie denken, wir wären so eine eingeschworene Truppe. Aber das ist eigentlich gar nicht so, denn neue Leute arbeiten erst mal nicht allein, sondern mit erfahrenen Redakteuren zusammen, die ihnen helfen. Man muß lernen die erste Scheu zu überwinden. Wir haben bisher sehr gute Erfahrungen mit diesem System gemacht. Zusätzlich haben wir noch professionelle Journalisten kontaktiert, die Wochenendseminare anbieten.

Es gab auch mal eine Vortragsreihe mit einem Vertreter des deutschen Journalistenverbandes, dann berichtete eine Justiziarin von der Landesanstalt für Rundfunk, von der wir die Lizenz zum Senden bekommen, über Medienrecht. Michael Tamm, der Fernsehleiter vom WDR, hat im letzten Semester ein Seminar angeboten, in dem Hörfunkbeiträge für das Programm von Hertz 87.9 produziert wurden.

Außerdem gibt es Seminare, die an der Lili-Fakultät stattfinden und mit dem Sender verbunden sind. Katja Behnke aus der Anglistik hat in ihrem Seminar beispielsweise Hörspiele produziert, die hier unten fertiggestellt wurden und über Weihnachten liefen. Wir versuchen immer wieder Dozenten und Dozentinnen auf Zusammenarbeit anzusprechen.

Lili: Wie ist die Bereitschaft und das Interesse von deren Seite?

Diana Pilger: Eigentlich sind sie schon interessiert. Neulich war Professor Trillmich hier im Studio und sollte über seine Zebrafinken-Forschung befragt werden. Er fand es hier so toll, dass wir gemeinsam überlegten, ob er nicht zusammen mit seinen Studenten eine Sendung machen könnte. Das nehmen wir jetzt auch in Angriff.

Lili: Was habt Ihr sonst noch für die Zukunft geplant?

Diana Pilger: Erstmal müssen wir gucken, daß wir alles weiterhin so gut schaffen, also die vier Stunden täglich und die Musiksondersendungen dienstags und freitags. Geplant ist an einem Tag den Schwerpunkt auf Wissenschaft zu legen. Mittwochnachmittags haben wir schon einen Kinoschwerpunkt, die Kinosendung "Hertz-Klappe". Freitagnachmittags haben wir viel Hochschulpolitik.

Lili: Jetzt würde mich noch interessieren, inwiefern die Lili-Fakultät das Projekt unterstützt?

Diana Pilger: Meine Stelle, neunzehn Stunden wöchentlich, wird von der Lili-Fakultät finanziert und der zweite Vorsitzende unseres Trägervereins ist Prof. Braungart. Wir wollten generell gerne jemanden aus der Lili-Fakultät haben, der uns nach außen repräsentieren kann, da eben auch die Chefredaktion von hier unterstützt wird. Der Dekan Prof. Meyer-Hermann hat sich für uns eingesetzt und unser Engagement unterstützt und Prof. Braungart hat sich bereit erklärt, den Vorsitz im Trägerverein zu übernehmen. Wir brauchen auch unbedingt so jemanden wie ihn für unsere Arbeit. Manche Professoren waren aber auch nicht so angetan von uns, da wir ihnen nicht anspruchsvoll genug erscheinen. Es gibt also auch geteilte Meinungen, aber insgesamt steht uns die Uni sehr positiv gegenüber und hat uns alles in allem gut unterstützt. Ich würde an dieser Stelle gerne auch noch Lehrende und Studierende der Lili-Fakultät ansprechen, ob sie nicht mit uns zusammenarbeiten wollen.

Lili: Wo ist das Interesse der Studierenden besonders groß und gibt es Fachrichtungen, die stärker vertreten sind als andere?

Diana Pilger: Es gibt sehr viele Studierende aus der Pädagogik, die Medienpädagogik studieren, und auch interessiert sind, bei uns ein Praktikum zu machen, da wir anerkannte Praktikumsstelle für Soziologie und Pädagogik sind. Wir haben sehr viele Geisteswissenschaftler hier, noch wenige Naturwissenschaftler und nur einen Juristen. Tendenziell ist es schon so, dass sich die Geisteswissenschaftler und Magisterstudierenden hier sehr stark engagieren, weil sie nach späteren Berufsmöglichkeiten suchen. Themenbezogen ist es so, daß sich sehr viele Leute für die Ressorts Kunst und Kultur, Musik und Comedy interessieren. Viele machen sich dafür stark, dass sie Comedies selbst produzieren, sehr viele wollen Kinorezensionen und Musikinterviews machen. Wir hatten schon bekannte Bands wie Beck oder Moby im Interview. Die Ressorts Wissenschaft und Hochschulpolitik sind hingegen manchmal sehr mager besetzt, da die Leute nicht so viel Lust haben zu diesen anspruchsvollen Themen. Es ist manchmal ziemlich schwierig so etwas im Radio verständlich rüberzubringen. Wissenschaft und Hochschulpolitik sind aber zwei Schwerpunkte des Senders.

Lili: Bieten sich in diesem Bereich nicht auch Seminare als Anknüpfungspunkte an?

Diana Pilger: Ja, ich denke, das wird auch noch etwas sein, was wir in Zukunft stärker angehen müssen, das auch Studierende aus Seminaren hier etwas herunterbringen.

Lili: Was wird sich noch an Eurer Homepage ändern? Was ist beispielsweise für das Archiv vorgesehen?

Diana Pilger: Wir wollen jetzt Beiträge aus Musik, Wissenschaft und Hochschulpolitik ins Netz stellen, die man zwar nicht runterladen, aber dort anhören kann. Dann gibt es noch aktuelle Sachen, wie den Link des Tages, bei dem es sich um eine Homepage handelt, die in einer Sendung empfohlen und vorgestellt wird. Ich stelle das aktuelle Programm der Woche und der Hörsaalsendungen am Wochenennde ins Netz, das der Chef vom Dienst tageweise aktualisiert. Mehr Bilder und Texte sollen noch dazukommen, Steckbriefe der Leute, die im Sender arbeiten und Links zu anderen Homepages, mit denen wir auch arbeiten, oder Einrichtungen, mit denen wir befreundet sind, wie das Stadtblatt. Ich denke, dass es auf unserer Homepage in den nächsten Monaten noch viel besser aussehen wird.

Lili: Vielleicht könntest Du abschließend noch etwas zur täglichen Zusammenarbeit sagen?

Diana Pilger Diana Pilger: Es gibt einmal in der Woche eine Redaktionssitzung, bei der alle Beiträge der nächsten Woche vergeben werden. Weitere Ideen werden im Verlauf der Woche spontan eingebaut. Wir haben für jedes Ressort einen Ressortleiter, der sich um seinen Bereich kümmert. Die Musikredakteure kümmern sich um die Bemusterung mit CD´s, ruften bei Plattenlabels an und sprechen mit den Promotern, ob wir Interviews kriegen und Musiker präsentieren können, die nach Bielefeld kommen. Für die Campus-Radiocharts arbeiten wir mit den anderen Campusradios in NRW zusammen, was uns gegenüber den Plattenfirmen sehr stark macht. Wie Radio NRW, die Einheit der Lokalradios, wollten auch wir zusammen präsent sein und eine starke Einheit darstellen, insbesondere gegenüber den Plattenfirmen, weil diese die Bemusterung einzelner Campusradios zurückstellen wollten.

Wir suchen weiterhin neue Mitarbeiter, für die zur Zeit schon neue PC-Arbeitsplätze in unserem Konferenzraum eingerichtet werden.


Homepage: www.radiohertz.de





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