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Ein Symposiumsbericht von Nina WöstmannUndefined SpacesMit Räumen und Situationen, die schwer zu fassen sind, beschäftigte sich das interdisziplinäre Symposium "Hybrid Americas: Contacts, Contrasts, and Confluences in New World Literatures and Cultures". An der von Prof. Dr. Josef Raab veranstalteten Tagung nahmen Wissenschaftler aus den USA, Lateinamerika und Europa teil. Hauptaugenmerk der vielseitigen Beiträge war auf einschneidende Veränderungen, die in den USA stattfinden, gerichtet. Wie verhalten sich beispielsweise kulturelle, literarische und linguistische Austauschprozesse und Grenzüberschreitungen zu hegemonialen Werten von Anglo-Amerika? Wie werden Tendenzen, Wechselwirkungen und Widersprüche wahrgenommen und dargestellt?Der Begriff der "kulturellen Hybridisierung", verstanden im Sinne einer Verschmelzung heterogener Elemente, bildete die kritische Diskussionsgrundlage von der aus diskursive Konstruktionen und subversive Praktiken befragt wurden. Es handelt sich um Prozesse, die nicht auf einheitliche Erklärungsmodelle rückführbar sind, vielmehr von ambivalenten, gegensätzlichen Dimensionen gezeichnet sind. Während kulturelle und nationale Identitäten sich einerseits aufgrund von Transfer und Diversität nicht mehr auf festem Boden bewegen, gibt es andererseits immer noch wirksame Strategien der Abgrenzung und Repräsentation dessen, was "amerikanisch" bedeutet oder bedeuten soll. Thomas Delaney, Kulturattaché der amerikanischen Botschaft in Berlin, sprach über amerikanische Werte im Zeitalter der Globalisierung und eröffnete dabei Einblicke in die Sicht eines diplomatischen Repräsentanten der US-Regierung. Amerika, so Delaney, sei wie kein anderes Land ein Land der Immigranten. Es zeichne sich dementsprechend durch seine kulturelle Reichhaltigkeit, Empfänglichkeit für anderes und sein Angebot an Lebensmöglichkeiten aus. Konstitutionelle Werte wie "Life, Liberty and The Pursuit of Happiness" blieben zentrale Referenzpunkte, wobei sich Amerika wahrnehmungstechnisch immer stärker als eine "transracial" Gesellschaft bemerkbar mache. Delaneys Vortrag ließ die Frage laut werden, ob diese essentiellen amerikanischen Werte noch mit der gegenwärtigen Situation vereinbar sind. Unklar blieb außerdem, wie sich eine veränderte Wahrnehmung konkret bemerkbar mache. "The Muliplicity of Borders in American Idenities" gab andere Einblicke. Ilan Stavans vom Amherst College fesselte seine Zuhörer mit dem fiktionalisierten Bericht einer hispanischen Immigrantin, der Probleme des kulturellen Kontaktes und Transfers lebensnah vor Augen führte. Ferner machte er auf die nicht zu vereinheitlichen Differenzen von Immigrationsmustern aufmerksam. Illusionären Vorstellungen einer neuen amerikanischen Identität für Immigranten konfrontierte Stavans mit vielfältigen Zwischenstufen der Assimilation, bei der Medien eine große Rolle spielen. Die Migrantin Anna kann sich in einem relativ isolierten Umfeld mit schlechten Jobs und geringfügigen englischen Sprachkenntnissen durchschlagen. Sie findet in den USA sprachliche, wie kulturelle Anschlüsse und behilft sich ansonsten mit eine praktischen Hybridisierung des Spanischen und Englischen. Statt in den "supermarket" geht sie in den "marketta". Die Fusion ist beiderseitig. Hispanische Immigranten wirken nicht nur auf die amerikanische Kultur ein, sie tragen sie beispielsweise durch Briefe oder Telefongespräche in ihre Heimat zurück. Annas Abwesenheit wird in ihrer Heimat El Salvador zu einer Art zu einer Art neuer ferner Präsenz, umgekehrt halten Fernsehbilder Annas Erinnerungen an ihr Mutterland wach. Ausgehend von Sprache als dem zentralen kulturellen Kontakt erörterte Dr. Stephan Gramley aus Bielefeld Fragen nach kultureller Hybridität anhand des linguistischen Kontaktes. Da die Vermischung und der Kontakt von Sprachen eine Tatsache des alltäglichen Lebens darstellt, suggeriert der Terminus Hybridität für Gramely mythische Vorstellungen von sprachlicher Reinheit bzw. sprachlicher Unterlegenheit. Gegen diese These wurde in der Diskussion der strategisch, politische Begriffsgebrauch ins Spiel gebracht. In bestimmten historischen Momenten kann es erforderlich sein, die Vermischung verschiedener Elemente signifikant zu machen. Ebenso wichtig ist die Tatsache, daß sich Hybridität immer auch auf den Moment einer Grenzverletzung bezieht. Ilan Stavans äußerte sich folgendermaßen: "Hybridtity has not only to do with the question of mixture or purity, but with making point on a border, where you´re not allowed to cross easy. The question still is, what does transgression mean in hybridtity?" Thematisiert wurde die Grenze insbesondere von Prof. Dr. Alfred Artega. In seinem Vortrag "A Border Zeitgeist" ging er von dem räumlichen Paradigma kultureller Grenzformation zu einer temporären Betrachtung über: von der geopolitischen Situierung des Chicanos an der mexikanisch-amerikanischen Grenze zu poetischen und musikalischen Ausdrucksweisen. Im Pachuco sah Arteaga eine Art Vorläufer des Chicanos. Musik und Lebensstil des Pachuco zeugten von Bewußtsein und Selbtversicherung jenseits bourgeoiser, nationaler Identifikationsmuster. Auf interessante Entwicklungen machte in dieser Hinsicht auch Clara E. Rodriguez aufmerksam. Die aus New York kommende Professorin zeichnete zunächst die Diskrepanzen zwischen demographischen Veränderungen und ihrer medialen Repräsentation nach. Obwohl Immigranten aus Lateinamerika mittlerweile zu einem bestimmenden demographischen Faktor geworden sind, erscheinen sie in den Medien weiterhin nur in Ausnahmefällen oder in marginalisierter Gestalt. Die Reflektion sich ändernder Realitäten, die es im Mainstreamprogramm so gut wie nicht gibt, findet seit einiger Zeit erstaunlicherweise im Kinderprogramm statt. Neuer Star und Identifikationsfigur ist hier das zweisprachige Latinomädchen Dora, das in jeder Folge ein spanisches Wort benutzt und dieses seinen Zuschauern beibringt. Nickelodeon, die Produzenten von "Dora", fanden eine Heldin, die die gegenwärtige Situation auf angenehme Weise ernst nimmt und Kinder mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund gleichermaßen anspricht. Kinder beobachten und beurteilen, wie ihnen die Medien Diversität verkaufen wollen. Marietta Messmer von der Universität Göttingen nahm abschließend die Schreibung amerikanischer Literaturgeschichte unter die Lupe und hatte es nicht mit einer Erfolgsgeschichte, sondern mit einer schwerwiegenden und hochgradig ideologischen Angelegenheit zu tun. "Toward an Inter-American Literary Historiography?" lautete der fragende Titel ihres Vortrags. Selbst die meisten aktuellen Literaturgeschichten bleiben einem anglo-amerikanischen Ideal verhaftet und einer weitreichenderen Berücksichtigung literarischer Produktionen gegenüber resistent. Der Blick der Forschung folgt etablierten und eigenmächtig gesetzten linguistischen und geographischen Grenzen. Projekte, die stärker kulturelle Beziehungen, Kontakte und Überschneidungen zu berücksichtigen versuchen, haben nicht nur mit fest etablierten Konstruktionen, sondern auch mit methodischen Problemen und Ungewißheiten zu kämpfen. Mehr zu erwarten ist von der demnächst erscheinenden "Oxford Comparative History of Latin American Literary Cultures". Wichtig ist den Herausgeben Mario J. Valdes und Djelal den normativen, sozialen und kulturellen Konstruktionsprozeß, sowie dessen Brüche und Verschiebungen in Betracht zu ziehen. Trotz der konkreten Fragestellungen und Perspektiven, die alle Vorträge verfolgten, kam man schließlich zu dem Resümee, daß die Beschreibungsinstrumente für das, was in Hybridisierungsprozessen geschieht, unzureichend sind.
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