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Bielefelder Studenten erforschen das Platt der Engeraner und Spenger Bürger

Westfälisch vor Ort

VON EIKE JAN HORSTMANN

Enger/Spenge/Bielefeld. Vor wenigen Jahren noch galt Plattdeutsch als nicht salonfähig, unschicklich oder als Sprache des "einfachen Westfalen". Nun aber durften sich einige Spenger und Engeraner davon überzeugen lassen, dass ihr Platt nicht nur eine dem Hochdeutschen gleichwertige Sprache, sondern auch ein akademisches Forschungs- und Lehrgebiet ist. "Westfälisch vor Ort" lautete der Titel eines von Professor Dr. Jan Wirrer an der Universität Bielefeld geleiteten Seminars.

Unter diesem Motto standen auch rund 30 Interviews, die von den Seminarteilnehmern in Enger und Spenge aufgenommen wurden. Mit Mikrofonen und gespitzten Stiften zeichneten acht Studentinnen und Studenten der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft mehrere Stunden gesprochenes Plattdeutsch auf. Und sie haben mit den Ergebnissen noch einiges vor.

Professor Dr. Jan WirrerMit einem Aufruf in der Neuen Westfälischen wurden Ende 2002 Westfälisch-Sprecherinnen und Sprecher aus dem Raum Enger und Spenge gesucht, die sich und ihre Mundart den Studenten für ein Interview zur Verfügung stellten. Mit einigem Erfolg: "Es kamen überraschend viele Rückmeldungen", freut sich Wirrer, der selbst in Spenge lebt, über die große Resonanz, denn: "Ohne die Kooperationsbereitschaft unserer Gesprächspartner könnten wir ein solches Projekt unmöglich durchführen."

Freude über das wissenschaftliche Interesse empfunden

Insgesamt kamen 30 "linguistische Datenerhebungen" zustande, in denen die Studierenden ihren Gesprächspartnern in lockerer Atmosphäre, aber wissenschaftlich genau, mit Notizblock und Aufnahmegerät auf den Zahn fühlten. "Wir wurden immer sehr nett empfangen", erinnert sich Studentin Tanja Lauks an die gastfreundlichen Spenger und Engeraner: "Die meisten waren froh darüber, dass sich Leute von der Universität für ihre Regionalsprache interessierten."

Bei ihren Interviews kam es den jungen Linguisten besonders auf die Einflüsse an, denen das Plattdeutsche heute ausgesetzt ist. Mit einem Gespräch über das alltägliche Berufsleben und speziellen Testsätzen beleuchteten sie verschiedene Fragestellungen: Wie werden moderne Gegenstände oder neue Begriffe auf Platt bezeichnet? In wieweit wirken sich Hochdeutsch oder Englisch auf das Niederdeutsche aus? Und finden sich in den Aufnahmen Phänomene, die typisch für das ostwestfälische Platt sind?

Neben der Analyse der Aufzeichnungen unterzogen sich die Seminarteilnehmer auch einer kritischen Selbstbetrachtung: "Schließlich ist es für uns interessant zu wissen, wie gut wir als Interviewer waren und ob unsere Forschungsmethoden funktionierten", hörte Studentin Julia Bonnemeier bei den ersten Auswertungen besonders genau hin.

Bis die anonym gesicherten Aufnahmen ganz im Dienst der Wissenschaft stehen, müssen die Interviews geschnitten, digitalisiert und technisch aufbereitet werden. Und für die Nachwelt gesichert: "Die Originale kommen danach ins Archiv", so Wirrer, der bis auf weiteres die Kopien der Öffentlichkeit noch vorenthält: "Die Daten stehen zunächst nur den Kursteilnehmern zur Verfügung. Schließlich wollen sie die von ihnen gemachten Aufnahmen tiefergehend analysieren, um darüber Haus- oder sogar Examensarbeiten zu schreiben."



aus: Neue Westfälische vom 12. Februar 2003

Homepage von Professor Dr. Jan Wirrer






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