Repertorium der mittelalterlichen Autoritäten
 
 
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Repertorium der mittelalterlichen Autoritäten

Sa

Salzburg Universitätsbibliothek, M I 476        
Umfang 287 Bll.; hier Bl. 239r/v
Datierung Juli 1441 (s. Bl. 28v u. Marburger Repertorium der Freidank-Überlieferung)
Schreiber ioerg gartner von lor (aus Lohr in Baden) (s. Bl. 28v, s. Marburger Repertorium der Freidank-Überlieferung)
Schreibsprache niederalemanisch (s. Schneider, S. XVIII)
Inhalt Sammelhandschrift mit Texten und Exzerpten geistlichen und mystischen Inhalts; darin u. a. Meister Eckhart, Heinrich Seuse, Johannes Tauler
Anzahl und Form 2 Zweizeiler, 28 Vierzeiler, 1 Sechszeiler
Repertorien Marburger Repertorium der Freidank-Überlieferung und
Handschriftencensus
Katalog
  • Jungreithmayr, Anna: Die deutschen Handschriften des Mittelalters der Universitätsbibliothek Salzburg. Unter Mitarbeit von Josef  Feldner und Peter H. Pascher. Wien 1988 (= Österreichische Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse. Denkschriften 196; Veröffentlichungen der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters III,2), S. 69-135.
Archivbeschreibung -
Literatur
  • Heiser, Ines: Autorität Freidank. Studien zur Rezeption eines Spruchdichters im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Tübingen 2006 (= Hermaea N. F. 110), S. 42, 54 ff., 58 f., 60. (Sigle Sa)
  • Palmer, Nigel: Visio Tnugdali. The German and Dutch translations and their circulation in the later Middle Ages. München 1982 (= MTU 76), S. 305-313.
  • Schneider, Karin (Hrsg.): Pseudo-Engelhart von Ebrach. Das Buch der Vollkommenheit. Berlin 2006 (= DTM 86), S. XVIII f. 
Anschrift Universitätsbibliothek Salzburg
Abteilung für Sondersammlungen
Hofstallgasse 2-4
A - 5020 Salzburg
 Bearbeiter Kathrin Wenzel (29.11.2011), n.v. 

 

Transkription

<239r>

(1) Augusti[n](us) sp(ri)cht
wie getarstu dar inne gelebe(n)
da du ungern inne woltest sterbe(n)
in allen dinen werke(n)
solt du din ende merke(n)

(2) Paulus
wer dem geist in der warheit lebt
der mag nit verderben
aber wer nach dem fleische lebt
der mu+oss ewiklich sterbe(n)

(3) Jero[nim](us)
dis sp(ri)chet got der herre
der demu+:tig vnd gedultig were
vnd sich selber wol bekant
der me(n)sch wer wol selig genant

(4) Job
bis gern allein
behalt dine gedenk rein
vnd behalt vo(n) angeng die zehe(n) gebot
vnd vor alle(n) dinge(n) so minme got <minme: überzähliger Schaft>

(5) Aug(ustinus)
mir ward nie besser weg bekant
als ich mich kan versynne(n)
den(n) gehorsam sin in ordens bant
vnd das tu+on von minne(n)

(6) Jero[nim](us)
So du solt sterbe(n) was du den(n)
woltest begere(n) das du hettest geton
du wil du bist gesunt wibe oder man
das soltu in der zit beston

(7) Fryedank
Sit das rehte bescheidenheit
aller tugende(n) krone treit
so kan ich nit bessers gelesen
den(n) wol tu+on vnd fro+:lich wesen

(8) Bernh(ardus)
der da nit ho+:rt die stymme der arme(n)
vnd sich nit lat irs gebreste(n) erbarmen
den enho+?rt got o+:ch nit
so er kompt an sin gericht

(9) Daniel
Sit dz alle werke enpfahen lon
was lit dir den(n) dar an
wie du lebest uff erde(n)
da mit du selig maht werden

(10) Jero[nim](us)
gedenk an den [ju]n[...]gsten tag
da maniger wu+.rt schryen mit grosser klag
wan ein ieglicher mu+oss da antwu+.rt gebe(n)
wie er begange(n) hat sin lebe(n)

(11) Aug(ustinus)
der wol geton hat der gat in ewikeit
der v+.bel hat geton dem ist das ewig fu+.r bereit

(12) Crist(us)
solich gericht wil ich dir geben
nach dem du gewu+.rket hast din lebe(n)

vil geho+:rt vnd nit verstonde(n)
vil geiagt vnd nit gefange(n)
vil gesehen vnd nit gemerket
dis alles sint verlorne werke

(13) Salomon
aller wissheit fundame(n)t
ist das man got liep hab vnd bekent
vnd an bettet einen(n) got
vnd dar zu+o haltet sin gebot

(14) Jero[nim](us)
wer nach der welt ere stot
vnd we(m)m es wol in su+.nden gat
dz ist ein zeiche(n) gewiss
siner ewige(n) verdampniss

(15) Greg(ori)(us)
was sol richtu+om vnd gu+ot
sit ich da von sterbe(n) mu+oss
Zitlich gu+ot kvmt vn(d) vert
die ewig fro+:d allwegent wert

(16) David
der sin hoffenu(n)g in richtu+om seczet
dem wu+.rt gar ein kranke lecze
die greber sind vnbekleidet
die helsche pin on ende leidet

(17) Aristotiles
v+.ber alle ding su+.llent ir keren
uwer miltekeit zu+o gottes eren
do von kompt u+.ch lon v+.ber al
der u+.ch ewiklich bliben sol

(18) Fryedank
ich hab gu+ot dz ist nit myn
ach got wess mag es sin
ich hab nit me in mynem gebot
den(n) ich verzer vnd geb durch got

(19) Criso[stom](us)
Wer die welt erku+.set
da <239v> mit er got verlu+.set
wen(n) es den(n) gat an ein scheide(n)
so ist er quit vo(n) in beide(n)

(20) Bernh(ardus)
Sit das der tod niemans schonet
wer sol die welt den(n) minne(n)
vnd o+:ch die welt niemans selde lonet
ob du es reht kanst besynne(n)

(21) Salomon
aller welt wissheit <aller: doppelt>
lit an einem synn
das wir vns kere(n)t in ewikeit
wir mu+:sse(n)t doch von hinnan

(22) Amb(ro)si(us)
O du edle creatur
wiltu mit got vereiniget sin
so to+:t din bo+:se natur
vnd sich an de(n) adel der sele din

(23) Dauid
ein beginne aller selikeit
das ist vo+:rchte got die ewige wissheit

(24) Petrus vo(n) rauenna
wiltu behalten das ewig leben
so flu+.he das v+.bel vnd halt dich in tugende(n) eben
wa(n)n gewonheit tugentlicher sachen
kan die natur nit anders gemachen

(25) Kathon
gedenk was du bist vnd solt werde(n)
du sigest iung oder alt vff erden
secztest du das in dine(n) sin
so tu+ostu der su+.nden vil da hin

(26) Seneca
dz su+nde nit su+.nde wer        [~ Freidank 40,5-7]
noch den(n) wer su+. mir vnmer
vmb ir grosse vnfletikeit
das bewiset mich myn bescheidenheit

(27) B(er)nh(ardus)
Es ist ein heiliger virtag              [= Freidank 36,24/23]
so man von su+.nde(n) viren mag
die tugend fu+.r alle tugend gat     [~ Freidank 54,5/4]
der eynem bo+:sen willen widerstot

(28) Salomon
sprichet der wise herre
das got kein ding hasset so sere
als hoffart das versta+:t
wan(n) su+. v+.ber alle su+-nde gat

(29) Helyas
wer dise kurcze zit          [= Freidank 1,7-10]
fu+.r die ewige fro+:de git
der hat sich selber betrogen
vnd zymmert vff de(n) regenbo+:gen

(30) thomas
wir sind hie fro+:mde gest
vnd buwent bu+.rg vnd veste
vnd da wir got solten schowen
da wellent wir nit hin buwen

(31) ysayas
wer da treit ein vssern bo+:sen schin
in gepfru+:ntem orden
Er trag den minne in dem herczen sin
so wil er sin sele ermorde(n)

Gedenk vil an got in gancze(n) truwen
das sol dich nyemer geruwen

<Anmerkungen:
1. Die Verse sind im Fließtext geschrieben; die Versenden werden durch rubrizierte Punkte oder Virgeln gekennzeichnet, diese finden sich zum Teil aber auch mitten im Vers; sie werden hier nicht wiedergegeben
2. Die vereinzelte Worttrennung wird nicht mit übernommen>