Anmerkungen
S. 390 bis 392


1) Thomas Mann, "Die Kunst des Romans" (1940), Gesammelte Werke in zwölf Bänden (1960), X, S.353. Ähnliche Äußerungen finden sich auch schon in "Goethe und Tolstoi"(1922) in den Abschnitten "Freiheit und Vornehmheit" und "Ein letztes Fragment".

2) Stellvertretend für viele andere seien genannt Helmut Koopmann, "Theorie und Praxis der epischen Ironie", in Deutsche Romantheorien, hrsg. R Grimm (1968), S.274-296; und Joachim Müller, "Ironie und Humanität bei Thomas Mann", in Werk und Wirkung Thomas Manns in unserer Epoche, hrsg. H.Brandt und H.Kaufmann (1978), S.157-166.

3) Klaus-Jürgen Rothenberg, Das Problem des Realismus bei Thomas Mann: Zur Behandlung von Wirklichkeit in den 'Buddenbrooks' (l969).
 
4) Der DDR-Germanist Hans-Heinrich Reuter rechnete Rothenbergs Arbeit gar "zum Betrüblichsten, was die westdeutsche Literaturwissenschaft seit langem vorgelegt hat": Germanistik, 11(1970), 823f. Dabei ist dies eine der wenigen Arbeiten zu Thomas Mann, die wirklich um Verständnis für seine Eigenart bemüht sind und gerade nicht bloß polemisieren wie sonstige 'kritische' Arbeiten.
 
5) In der Realismus-Diskussion ist der Wahrscheinlichkeitsaspekt erst in den letzten Jahren wiederentdeckt worden, nachdem man sich über längere Zeit bloß mit den ästhetisch oder ideologisch bedingten Unterlassungssünden des literarischen Realismus beschäftigt hat. Vgl. dazu Bernd W. Seiler, Die leidigen Tatsachen: Von den Grenzen der Wahrscheinlichkeit in der deutschen Literatur seit dem 18.Jahrhundert (1983), S. 40ff.
 
6) Peter Heller, "Über Realismus und Symbolismus im Werk Thomas Manns", AION (T), 18(1975), 19-80, hier 20f.
 
7) Martin Walser, Selbstbewußtsein und Ironie (1981). Für Walser, der sich am Muster der 'sokratischen' Ironie orientiert, ist Thomas Mann deshalb kein Ironiker, weil seine Haltung lediglich auf Distanzierung hinauslaufe und nicht die Änderung oder Besserung der bestehenden Verhältnisse bezwecke. Ebenso sei auch sein Stil nicht ironisch, sondern "direkt realistisch"(S. I06), insofern seine Wertungsrichtung immer offen zutage liege. So richtig dies, wie wir noch sehen werden, im Prinzip ist, so unbefriedigend ist die dogmatische Reduktion des Ironie-Begriffs, die hier vorliegt. Ironie bedeutet heute mehr und anderes als nur'sokratische' Ironie.
 
8) Reinhard Baumgart, Das Ironische und die Ironie in den Werken Thomas Manns, 2. Aufl.(1966).
 
9) Beda Allemann, Ironie und Dichtung, 2. Aufl.(1969), S.13f.
 
10) Beda Allemann, "Ironie als literarisches Prinzip", in Ironie und Dichtung: Sechs Essays, hrsg. A. Schaefer (1970), S.11-37, hier S.23f.
 
11) So Norbert Groeben, Rezeptionsforschung als empirische Literaturwissenschaft, 2 Aufl. (1980), S.147.
 
12) So jedenfalls der Befund zu Ironie in mündlichen Äußerungen bei Ursula Oomen, "Ironische Außerungen: Syntax - Semantik - Pragmatik", Zeitschrift für germanistische Linguistik, 11(1983), 22-38.
 
13) Thomas Mann, Tristan (1903), Gesammelte Werke, VIII, 256 (Abschnitt 11).
 
14) Thomas Mann, Königliche Hoheit (1909), Gesammelte Werke, II, 233 ("Imma").
 
15) Thomas Mann, Der kleine Herr Friedemann (1897), Gesammelte Werke, VIII, 86 (Abschnitt 7).
 
16) Mann, Königliche Hoheit, S. 210 ("lmma").
 
17) Uwe Johnson, Jahrestage: Aus dem Leben von Gesine Cresspahl, IV (1983), S. 1416ff.
 
18) Es ist offenbar noch kaum darüber nachgedacht worden, daß die Ironie, die als Stilfigur ja der Rhetorik, d.h. der gesprochenen Sprache entstammt, im Schriftlichen schon deshalb leicht sarkastische Schärfe annimmt, weil sie hier nicht durch stimmliche Modulation, Mimik usw. gemildert werden kann. Möglicherweise hat sich insofern allein schon infolge der Überfuhrung der Ironie in die Schriftsprache der Ironie-Gestus geändert.
 
19) John G. Root, "Stylistic Irony in Thomas Mann", The Germanic Review, 35(1960), 93-103, hier l03. (Deutsch in Ironie als literarisches Phänomen, hrsg. H.-E. Hass und G.-A. Mohrlüder [1973], S. 229-239.) Root zitiert mit diesem Satz R.Immerwahr über die 'romantische Ironie'. Natürlich wird auch anderswo erkannt, z. B. bei Baumgart S.28 ff., daß Übertreibung und Untertreibung wichtige Formen der Thomas Mannschen Ironie sind. Es fehlt dort nur die Verbindung zum Umkehrungs-Moment der 'echten' Ironie.
 
20) Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (1954), Gesammelte Werke, VII, 276 (1.Buch, 3.Kapitel).
 
21) So Helmut Seiffert, Stil heute (1977), S. 86f. Seifferts Analyse dieser Stelle war eine wichtige Anregung für diesen Aufsatz.
 
22) Thomas Mann, Der Zauberberg (1924), Gesammelte Werke, III, 786 (7.Kapitel, "Vingt et un").
 
23) Mann, Der Zauberberg, S.788 (7.Kapitel,"Vingt et un").
 
24) Natürlich kann nach einer solchen summarisch untertreibenden Bemerkung sofort wieder Übertriebenes folgen, wie es auch in diesem Falle geschieht. Die Wirkung bleibt doch, daß eins das anderejeweils relativiert. Auch die vorangehenden Übertreibungen sind selbstverständlich schon als solche erkennbar, da ihnen wiederum Untertriebenes vorausgeht usw.
 
25) Thomas Mann, Joseph und seine Brüder (1948), Gesammelte Werke, IV, 388 (Die Geschichten Jaakobs, "Benoni"), Der Zauberberg, S. 744 (6.Kapitel, 'Als Soldat und brav').
 
26) Thomas Mann, Buddenbrooks (1901), Gesammelte Werke, I, 685 (l0.Teil, 8.Kapitel).
 
27) Mann, Der Zauberberg, S. 423 und 448 (5.Kapitel, "Totentanz").
 
28) Thomas Mann, Der Tod in Venedig (1912), Gesammelte Werke, VIII, 445 (1.Kapitel).
 
29) Thomas Mann, Der Erwählte (1951). Gesammelte Werke, VII, 147 ("Der Zweikampf").
 
30) Mann, Der kleine Herr Friedemann, S. 90, Tristan, S. 23.
 
31) Mann, Der Zauberberg, S. 293 (5.Kapitel, "Mein Gott, ich sehe!").
 
32) Root S. 95, hier bezogen auf die Friedhofsschilderung im Tod in Venedig, aus der wir bereits zitiert haben.
 
33) Mann, Der Zauberberg, S.226, 288, 321f. (4.Kapitel, "Aufsteigende Angst"; 5.Kapitel, "Mein Gott, ich sehe!" und "Launen des Merkur").
 
34) Mann, Joseph und seine Brüder, Gesammelte Werke, V, 1164 (Joseph in Ägypten, "Die schmerzliche Zunge").
 
35) Baumgart, S. 31.
 
36) Thomas Mann, Das Gesetz (1944), Gesammelte Werke, VIII, 815 (Abschnitt 3). Joseph und seine Brüder, S. 254, 567, 1196, 1236 (Die Geschichten Jaakobs, "Von Jaakobs Anwartschaft"; Der junge Joseph, "Joseph schreit aus der Grube"; Joseph in Ägypten, "Dudus Klage" und "Die Hündin"). Der Erwählte, S.30f. ("Die Kinder").
 
37) Mann, Der Erwählte, S.75ff. ("Die Fischer von Sankt Dunstan"). Joseph und seine Brüder, S.1182 und l219. (Joseph in Ägypten, "Dudus Klage" und "Die Damengesellschaft").
 
38) Mann, Joseph und seine Brüder, S.243, 272, 1368, 1369, 1406, 1498, 1500 (Die Geschichten Jaakobs, "Jaakob und Laban treffen ein Abkommen" und "Von langer Wartezeit"; Joseph der Ernährer, "Neb-nef-nezem", "Der Eilbote", "Die Einführung" und "Herr über Ägyptenland").
 
39) Thomas Mann, Herr und Hund (1919), Gesammelte Werke, VIII, 530 ("Er kommt um die Ecke").
 
40) Für Viktor Sklovskij, Theorie der Prosa (1925, deutsch 1966), ist es grundsätzlich die Leistung der Poesie, durch eine solche 'unkonventionelle' Sprechweise die Wahrnehmung der Welt zu erneuern.
 
41) Thomas Mann selbst hat von "Mythos plus Psychologie" gesprochen und es in politischer Hinsicht als seine Absicht bezeichnet, den Mythos "den faschistischen Dunkelmännern aus den Händen zu nehmen und ihn ins Humane 'umzufunktionieren'." (Brief an K Kerenyi vom 18.2.1941, Gesammelte Werke, Xl, 651).
 
42) Thomas Mann, Wie Jappe und Do Escobar sich prügelten (1911), Gesammelte Werke, VIII, 427 143.
 
43) Mann, Herr und Hund, S.526, 617.
 
44) Daß sich 'Eindruck' und analytischer Befund nicht decken, hebt Rothenberg selbst immer wieder hervor (vgl. S.93, 116 u.a.).
 
45) Thomas Mann, Gladius Dei (1902), Gesammelte Werke, VIII, 197f.
 
46) Ausführlich dargestellt ist der Wandel in der Stadtdarstellung in Seiler, Die leidigen Tatsachen, S.149 ff.
 
47) Rothenberg, S. 23ff.
 
48) Thomas Mann, Schwere Stunde (1905), Gesammelte Werke, VIII, 372.
 
49) Thomas Mann, Tonio Kröger (1903), Gesammelte Werke, VIII, 325 (Abschnitt 8).
 
50) Vgl. dazu auch Baumgart, S.56f.
 
51) Mann, Der Zauberberg, S.439 (5.Kapitel, "Totentanz").
 
52) Vgl. Wolfgang Iser, Der Akt des Lesens (1976), S.225.
 
53) Günter de Bruyn, "Der Künstler und die anderen", Sinn und Form, 27(1975), 171-178, hier S.176.
 
 
54) Daß "Isolation und Entfremdung" besonders das Frühwerk kennzeichnen, betont bereits Baumgart, ebenso den Umbruch in der Idee eines 'Willens zum Glück' (vgl. S.97).
 
 
55) Bertolt Brecht, "Kleiner Rat, Dokumente anzufertigen" (1926), Gesammelte Werke in 20 Bänden (1967), XVIII, 39; Yaak Karsunke, "...von der albernen Sucht, besonders zu sein" in Thomas Mann, hrsg. H. L Arnold (1975), S.61-69.
 
 
56) Thomas Mann, "Der Künstler und die Gesellschaft" (1953), Gesammelte Werke, X, 399.
 
 
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©Bernd W. Seiler, Januar 1999