Seminarplan

Erinnerungen, Briefe, Tagebücher - Lebenszeugnisse aus dem Wilhelminischen Deutschland von literarischer Qualität gibt es nicht wenige. So erschien es sinnvoll, einmal ein Seminar über sie abzuhalten. Sommer in Lesmona war wegen des großbürgerlichen Milieus und der unbefangenen Sicht einer Achtzehnjährigen darauf ein bemerkenswertes Beispiel und sollte einbezogen werden.

Das Problem allerdings: es gab keinerlei Literatur zu diesen Briefen. Von welchen Personen, Familien, Firmen handelten sie? Waren die Briefe überhaupt echt? Und was ist später aus diesen Menschen geworden? Lauter Fragen, die unbeantwortet bleiben, da selbst noch die in den Briefen gebrauchten Namen für den Druck einer "diskreten Änderung" unterzogen worden sind. Doch man soll auch nicht fragen, wie der Herausgeber in seinem Nachwort erklärt:

Doch ist die Bitte an den Leser ... nicht überflüssig, er möge nichts außerhalb des Buches suchen, was nur darinnen Schönheit und Wert hat, möge nicht profaner- und indiskreterweise den Versuch machen, Briefgestalten und Urbilder miteinander zu vergleichen oder die Linien der Erzählung sonstwie ins Leben hinein zu verlängern. Denn wo dieses Buch endet, da endet es mit überzeugender Notwendigkeit.

Das allerdings sieht der Wissenschaftler für eine Ausgabe von Briefen anders, und so begann ich - bald über den Zweck der Seminarbehandlung hinaus - zu ermitteln. Das Ergebnis nach mehr als dreijähriger Forschung war ein Buch: Es begann in Lesmona. Auf den Spuren einer Bremer Liebesgeschichte, ein Einblick in das Leben und die Entwicklung eines hanseatischen Kaufmannsgeschlechtes, wie man ihn sich in dieser Vollständigkeit von diesen Briefen nicht leicht erhoffen konnte.

Die gebrauchten Hilfsmittel - etwa in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit bzw. Zugänglichkeit - waren:
  • Biographische Lexika
  • Genealogische Handbücher
  • Adreßbücher
  • Zeitungsanzeigen
  • Standesamtsunterlagen (in England frei zugänglich, in Deutschland ab 1875 unter Datenschutz)
  • Testamente (in England frei zugänglich)
  • Friedhofsbücher und Grabstätten
  • Personalakten in Staats-, Stadt- und Militärarchiven
  • Unterlagen von Behörden, Vereinen, Firmen
  • Familienauskünfte
  • Private Nachlässe

Es begann in Lesmona, Kapitel 11:
Wie dieses Buch entstand

©Bernd W. Seiler, März 1998