Eine Bilanz

Im Herbst 1993 erschien im Johann Heinrich Döll Verlag Bremen:
Bernd W. Seiler: Es begann in Lesmona.
Auf den Spuren einer Bremer Liebesgeschichte.
287 Seiten. 46 Fotos.
Inhaltsverzeichnis


Aus dem 11. Kapitel:
Eine wirtschaftliche Bilanz meiner Arbeit kann ich nicht vorlegen. Forschungen wie diese blieben, würde man ihre Kosten bedenken, unausgeführt, kein öffentlicher Geldgeber könnte - dürfte - sie bezahlen. Sieben Fahrten nach England, zwanzig Fahrten nach Bremen, ebensoviele weitere insgesamt nach Dortmund, Köln, Hannover, Rostock, Dresden, an die dreihundert Briefe quer durch die Welt, eine mehrfache Zahl an Telefongesprächen, und schon peinlich: meine Arbeitszeit - wie ließe sich dies rechtfertigen? Nur weil ich einen Beruf habe, der Forschungszeit vorsieht, habe ich das Ganze in Angriff nehmen können, und nur weil ich stets mehr mein Vergnügen als Arbeit darin gesehen habe, haben mich auch die Kosten nicht gereut. Oder hätte ich jemanden beneiden sollen, der in London zehn Pfund für eine Theaterkarte ausgeben mußte, während ich für 25 Pence das Stück Testamente lesen konnte?

Daß ich vielerlei Hilfe hatte und brauchte, soll nicht unerwähnt bleiben - man lernt in solchen Fällen, was es wert ist, in einer gut verwalteten Welt zu leben. Schon, daß nahezu sämtliche Briefe, die ich geschrieben habe, auch beantwortet worden sind, bedeutet eine Unterstützung, die sich in Stundenzahlen kaum ausrechnen läßt. Und stellt es nicht auch der allgemeinen Anteilnahme an historischer Forschung ein rührend gutes Zeugnis aus? Aber auch die Hilfe, die mir von mir ganz unbekannten Menschen in England zuteil wurde, hat wesentlich zum Erfolg meiner Ermittlungen beigetragen. Als ich z.B. wegen eines Bruders von Percy eine Anfrage an die Stadtverwaltung von Exmouth richtete, veröffentlichte der Bürgermeister meinen Brief dort in der Zeitung und bat, sich mit irgendwelchen Erkenntnissen bei mir zu melden. Und wirklich bot daraufhin ein Genealoge mir an, mir bei meinen Recherchen behilflich zu sein. Das wichtige Somerset House mit seinen Testamenten sowie ein halbes Dutzend weiterer britischer Archive habe ich erst durch ihn kennengelernt. Und so hilfsbereit wie in diesem Falle habe ich die Engländer noch oft gefunden, sie haben für solche Forschungen einfach Sinn.

©Bernd W. Seiler, März 1998