Überleitungen -
keine Regiebemerkungen! 


Die Dumm-Form der Überleitung sieht so aus:



Wer die Einleitung nach dem Muster Ich werde erst das, dann das, dann das machen abgefaßt hat, wird auf den ersten Sachpunkt logischerweise mit dem Satz zugehen: "Wie in der Einleitung schon gesagt, will ich als ersten Punkt das und das ansprechen. Das und das liegt vor, wenn ..." Den zweiten Punkt erreicht man mit dem Satz: "Nachdem ich hiermit das und das abgeschlossen habe, komme ich zu dem und dem." So kann man fortschreiten und problemlos erst von Äpfeln, dann von Birnen, dann von Wassereimern sprechen, eins folgt aus dem anderen, man hat es ja jedesmal angekündigt. Den Abschluß bildet folgerichtig der Satz: "Damit bin ich am Ende meiner Ausführungen angekommen und kann schließen."


 

Mit anderen Worten:

Es handelt sich um weiter nichts als das begleitende Besprechen des eigenen Vorgehens, wie es auch wiederum der mündlichen, der Vortrags-Variante angehört. Dort kann es für die Zuhörer auch hilfreich sein, gesagt zu bekommen, daß ein nächster Schritt gemacht, ein neuer Gesichtspunkt angesprochen wird. In der Schriftform jedoch wird dies durch Überschriften und Gliederungspunkte angezeigt, ist also für jeden offensichtlich. Dabei gehören diese Gliederungspunkte selbst übrigens nicht zu Ihrem Text, d.h. Sie dürfen sich nicht unmittelbar auf sie beziehen. Lautet die Überschrift z.B. Außenseiter-Figuren im Frühwerk Thomas Manns, so dürfen Sie nicht fortfahren mit dem Satz Solche Figuren gibt es bei Thomas Mann eine ganze Anzahl, sondern der Sachverhalt muß noch einmal vollständig ausformuliert werden.

Wie sollen Überleitungen aussehen?

Am besten sind Überleitungen, die man als solche überhaupt nicht bemerkt. Je folgerichtiger Sie Ihre Arbeit aufbauen, desto natürlicher wird sich auch der jeweils nächste Gesichtspunkt ergeben. Sprechen Sie ihn einfach an, wenn er an der Reihe ist, einer besonderen Rechtfertigung dafür bedarf es dann nicht mehr.
Wenn Sie aber den Eindruck haben, bei solchen Übergängen sagen zu müssen, daß etwas "später noch auszuführen sein wird, weiter oben schon angedeutet wurde" usw., dann stimmt etwas mit Ihrer Gliederung nicht, und Sie sollten prüfen, ob Sie den Stoff nicht so umorganisieren können, daß sich solche Regiebemerkungen erübrigen. Bei längeren Arbeiten, z.B. Examensarbeiten, darf es sicherlich auch mal vorkommen, sollte aber immer auf seine Notwendigkeit hin geprüft werden. Manches, was Ihnen weit zurückzuliegen scheint (weil Sie es schon vor Wochen formuliert haben), steht nur sechs Seiten davor und ist dem Leser gerade erst präsentiert worden.
 
 
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©Bernd W. Seiler, November 1998