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Prof. (C4) i.R. Dr. Bernd Switalla
Deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik

Forschungsinteressen, Forschungsschwerpunkte

Wer  Lehrerinnen und Lehrer ausbildet, sollte sich bei der sprach-, literatur- und mediendidaktischen Forschung engagieren - und darüber hinaus auch unterrichts-, lern- und bildungswissenschaftlich mehr als nur informiert sein. Denn wie sonst will man Studierenden jene wissenschaftlichen Kompetenzen und Qualifikationen vermitteln können, die auf eine leidlich erfolgreiche Praxis im Berufsfeld Schule vorzubereiten beitragen können?

Fachdidaktisch qualifizierte Forschung ist aber ohne fachwissenschaftliche Theorie nicht zu haben. Keine Didaktik der Grammatik ohne eine gehaltvolle Theorie der Grammatik; keine Didaktik des Lesenlernens, der Lesesozialisation ohne einen Bezug zur Leseforschung. Und keine lehrplan-, keine curricular relevante Sprach- und Literaturnterrichtsforschung ohne eine Bezugsnahme auf die empirische, die methodische und die theoretische Expertise der Bildungsforschung. Eben so wenig ist die didaktische Praxis des Literaturunterrichts ohne eine Theorie der Literaturen denkbar; die Didaktik der Interpretation literarischer Texte kann nur lehren und erforschen, wer über einschlägige Theorie(n) der Interpretation bescheid weiß. Selbst wer mit der Didaktik der deutschen Sprache und Literatur als Lehrender oder als Forscher fachlich nichts am Hut hat, wird nicht umhin kommen, sich mit der Texttheorie und der Sprachtheorie auseinander zu setzen; sind es doch Texte die primären Medien des Lernens, ist doch die Sprache das genuine Medium des Denkens und der Verständigung.

Aber Medien in welchem Sinne; und inwiefern denn primäre Medien? Der Medientheorie bedarf es, um die zunehmend komplexeren, mehr und mehr technisierten symbolischen Umwelten des Lehrens und des Lernens angemessener verstehen, beschreiben, gestalten und beurteilen zu können. Bei der mehr und mehr computergestützten intertextuellen und intermedialen Verschränkung von Text und Bild spielen insbesondere die Hypertextforschung und die Hypermediaforschung eine Rolle. Ohne eine gewisse Expertise in diesen beiden Bereichen lassen sich aktuelle Projekte etwa auf dem Markt der Didaktischen Medien nicht zureichend beobachten, begleiten und beeinflussen.

Die Didaktik und Theorie der sprachlichen, literalen und ästhetischen Sozialisation kann, wie immer man auch ihre Forschungsschwerpunkte verorten mag, an einem die traditionellen disziplinären Grenzen übergreifenden Problem der intentionalitätstheoretischen Grundlagenforschung nicht vorbeisehen. Unser gewöhnliches Bild der (Bedingungen und Folgen der) Entwicklung und Förderung der Handlungs-, Verständigungs- und Verstehensfähigkeiten paßt nicht mehr ganz dem, was insbesondere die Neuro- und die Kognitionswissenschaften über deren Genese berichten zu wissen meinen. Der schulmeisterliche Begriff vom Lernen (und Lehren) steht, nicht nur für manche Hirnforscher, zur Disposition. Aber was paßt? Offensichtlich sind manche neurowissenschaftlichen Aussagen übers Bewußtsein kognitionswissenschaftlich wenig überzeugend. Offensichtlich sind auch bestimmte kognitionswissenschaftliche Aussagen übers Personsein eben so wenig überzeugend. Und zwar deswegen, weil das Sign-Mind-Brain-Problem der Interaktion von Sprache, Bewußtsein und Gehirn noch keineswegs hinreichend geklärt ist. Die Interaktionen von Zeichenprozessen mit Bewußtseinsprozessen und neuronalen Prozessen sind zum Beispiel dann weder empirisch noch begrifflich angemessen dargestellt, wenn nicht einmal der theoretische Bezugsrahmen der jeweils anderen Disziplinen erkannt wird - und die Übersetzung der begrifflichen Vokabulare allein schon daran scheitert.

Nur - was haben derartige Forschungsinteressen mit der diziplinären Fachdidaktik zu tun? Ohne die theoretische Fundierung würde man nur wieder bei wohlmeinender Unterrichtslehre enden; ohne didaktische Orientierung würde die Fachtheorie zum akademischen Sandkastenspiel werden. Wer  zum Beispiel  die Didaktik der Interpretation lehrt, der braucht eine Theorie der Interpretation; wer wissen will, ob die Theorie trägt, der sollte ihre Didaktisierung in Unterricht und Wissenschaft wissenschaftlich beobachten...


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