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Prof. (C4) i.R. Dr. Bernd Switalla
Deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik

Aktuelle Projekte

Die Digitalisierung der Medien der Wahrnehmung, des Erkennens, des Lernens und des Wissens wird Konsequenzen für die Praxis, die Theorie und die Didaktik der unterrichtlichen Fächer und der wissenschaftlichen Disziplinen haben.  Die bildungsöffentlichen Mutmaßungen gehen dahin, dass sowohl die Lehrwerke als auch die Lernprozesse, die Lernformen und die Lerninhalte von Wissenschaft und Unterricht nachhaltig verändern werden.  Studierende wie Schülerinnen und Schüler werden sich, so die Erwartung,  innerhalb von hypermedialen Lernumgebungen bewegen, die den traditionellen Printmedien bei weitem überlegen sein werden, weil sie anders als jene Texte, Bilder, Filme, Videos, Animationen als Lerninhalte zu integrieren, offenere Lernwege vorzustrukturieren und darüber hinaus auch neue Sozialformen des kooperativen Lernens auch über größere räumliche und zeitliche Distanzen zu etablieren erlauben.

Also andere, neue didaktische Medien? Inwieweit das tatsächlich der Fall sein wird, ist selbstverständlich alles andere als klar. Zum einen gibt es bis noch nicht allzu lange einschlägige Lernmedienwirkungs- und -entwicklungsforschung. (Auch hier täuscht die öffentlichkeitswirksame Debatte über eine Reihe von Problemen hinweg.) Zum anderen besteht zwischen den technologischen, den didaktischen und den theoretischen Forschungs- und Gestaltungsoptionen und –konzepten weder auf der Ebene des Designs noch auf der Ebene der Analyse zwischen den einschlägigen Disziplinen ein Zusammenhang. Theorie und Empirie des Lernens mit Neuen Medien sind durchaus entwicklungsbedürftig. (Und die Software raubt einem, was die didaktische und die ästhetische Phantasie engeht, so manche Illusionenen.)

Das (vom MSWWF des Landes Nordrhein-Westfalen Juli 1998 bis Dezember 1999 geförderte) Forschungs- und Entwicklungsprojekt T.I.D.E Texte in digitalen Erfahrungsräumen, stellt in mehrfacher Hinsicht  einen Versuch dar, die digitalen Technologien des Lesens und des Schreibens von Texten, der verständigen Interpretation und Formulierung von Texten in didaktischen Situationen der gymnasialen Oberstufe auf eine Weise zu gestalten und zu nutzen, die insbesondere aktuelleren literaturdidaktischen Prinzipien des Umgangs mit Texten entgegen kommt - und sie zugleich kritisch simuliert.

Das 1999 gestartete Hochschulen übergreifende Projekt Hochschulnetzwerk Neue Medien der Bertelsmann Stiftung hat T.I.D.E im Rahmen einer internetvermittelten Kommunikation und Kooperation mit der Informatik der Universität Paderborn weiter zu entwickeln ermöglicht. Bei diesem Vorhaben sind allerdings eher die didaktischen und technologischen Spielräume virtuell kooperativer Formen des Arbeitens und Lernen in wissenschaftlichen Seminaren erprobt worden. Allerdings mit auch wegen der verschiedenen disziplinären Lern- und Wissensvoraussetzungen der Seminarteilnehmer beider Universitäten unterschiedlichen Lernwirkungen. (Auch darüber informiert die gelungene Paderborner Darstellung des Vorhabens.) Und nicht zuletzt deswegen, weil keines der während des Projekts bereits verfügbaren Content Management Systeme jenem Konzept problemzentrierter, situierter Szenarien kooperativen Lernens im Internet entsprachen, die dem Team wissenschafts- wie mediendidaktisch als angemessen erschienen. (Das sehr viel tauglichere CMS der  universitären Ausgründung AMMMA war während des Bertelsmann-Projekts noch nicht verfügbar.) 

Die Digitalisierung der Medien ist an der Presse, wie inzwischen jeder längst weiß, keineswegs vorbei gegangen. Online-News bieten inzwischen viele Tages- und Wochenzeitungen an. Das Projekt Next Generation stellt den Versuch dar, ein digitales Medium der Information und der Kommunikation im Format von Online News zu entwickeln, das für jüngere und ältere - lesende - Jugendliche vielleicht dann attraktiv ist, wenn es ihren Informations- und Kommunikationsbedürfnissen entspricht und ihnen nicht nur bei der Rezeption sondern auch bei der Produktion von News größere Spielräume der Nutzung und der Gestaltung eröffnet. Kooperationspartner dieses (mit Mitteln des MSWWF des Landes Nordrhein-Westfalen im Jahr 2000 geförderten), unterm Strich eher explorativen Projekts waren einer größten Tages- und Regionalzeitungsverlage und eine  Fachhochschule für Design in Nordrhein-Westfalen.

Der mediendidaktische Studienbrief für das Weiterbildungsprojekt Festum der Fernuniverstät Hagen stellt inhaltlich in mediendidaktischer Hinsicht eine Zwischenbilanz zu den genannten Vorhaben dar, ohne allerdings das schon bei T.I.D.E entworfene Design einer hypertextuellen, hypermedialen Lernumgebung zu exemplifizieren. (Eine Frage der Kosten...)

Entwicklungsorientierte Forschung schließt grundlagentheoretische Forschung ein. Ohne ein theoretisch, empirisch und historisch durchdachtes Konzept des medien- und technologienabhängigen Wandels zum Beispiel der Lesekultur, der historischen und der personalen Genese der Literalität wird man  kaum ein sachlich überzeugendes Konzept der Gestaltung hypertextueller, hypermedialer Lern- und Studienumgebungen entwickeln und umsetzen können. Es kommt eben auf ein angemessenes Bild vom Lesen in der Wissensgesellschaft an. Und umgekehrt. Entwicklungsforschung generiert auch neue Probleme  der Theoriebildung. Was, zum Beispiel, unterscheidet das Lesen der Texte vom Lesen der Bilder? Mit welchen Bildtheorien läßt bei der Gestaltung von hypermedialen Umgebungen sinnvoll und zweckmäßig arbeiten? Welche Theorie des Textes provozieren hypertextuelle Vernetzungen von Textelementen? Was wird aus, was bleibt von den tradierten Kulturtechniken in der Wissensgesellschaft? Ist  Medienkompetenz die Basis- oder Schlüsselqualifikation? Derartige Probleme im genuin geisteswissenschaftlichen von Individualforschung anzugehen, ist inzwischen kaum mehr praktikabel; weder grundlagentheoretisch noch entwicklungsforschungsbezogen.

Das gilt erst recht für eines der theoretischen Basisprobleme der geistes-, bewußtseins- und neurowissenschaftlichen Forschung: das Sign-Mind-Brain-Problem, das selbstverständlich auch bei den hier angeführten Projekten von Bedeutung ist. Die Idee zum Beispiel, so etwas wie Intelligente Agenten der Mensch-Maschine-Kommunikation auf Rechnern zu installieren, macht implizit ja nicht selten Gebrauch von einem Konzept der Informationsverarbeitung im Gehirn (oder im Bewußtsein?) der Person, das inzwischen weder zeichen-, noch bewußtseins-, noch neurowissenschaftlich gesehen stabil genug zu sein scheint. Wie etwa lassen sich jene hermeneutischen Operationen Schleiermachers (jene Operationen, die wir anstellen, wenn wir versuchen ausdrücklich zu verstehen, wie wir verstehen; also dann, wenn wir uns mit dem gewöhnlichen Grade des Verstehens nicht zufrieden geben mögen) - wie lassen sich solche Äußerungen über Äußerungen in ihren sprachlichen, kognitiven und neuronalen Dimensionen beschreiben (oder gar erklären)? Was zum Beispiel sind die Gründe dafür, etwa den Prozeß des Lesens als einen Prozeß von Informationsverarbeitung im Gehirn modellieren zu sollen? Usf.

Literatur zu den Projekten:

Und ein ganz anderes Vorhaben: das Projekt Senioren; oder: Bilder von Pflegebedürftigen in den Dokumenten der Pflegeeinrichtungen. (Ein recht bescheidener textwissenschaftlicher Beitrag zur Wahrnehmung eines beim aufmerksameren Hinsehen eher alles andere als linguistischen Problems.)


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