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Prof. (C4) i.R. Dr. Bernd Switalla
Deutsche Sprache und Literatur und ihre Didaktik

Seminare:

Eine Auswahl von Dokumenten zu Seminaren der letzten vier, fünf Jahre (bis 2002). Wer mag, der kann eine bestimmte wissenschaftsdidaktische und fachwissenschaftliche/fachdidaktische Position und Konzeption herauslesen. Wissenschaftsdidaktisch macht es einen gewissen Sinn, Studierende mit ihren eigenen Alltagstheorien der fachtheoretischen wie fachdidaktischen Probleme auf eine Weise zu konfrontieren, die sie zum Nachdenken über ihr Wissen und Können und zu einer reflexiven Erkenntnis-, Lern- und Wissensorientierung anregen kann. Wissenschaftssystematisch macht es wenig Sinn, alte disziplinäre und institutionelle Kontroversen zwischen der Fachwissenschaft und der Fachdidaktik usw. weiter fortzuschreiben. Gerade die gegenwärtige Fachdidaktik Deutsch demonstriert ja zum Beispiel in für die Lehrerbildung wichtigen Forschungsbereichen überzeugend, daß zum Beispiel text- oder schrifttheoretische Unbedarfheit keine Gewähr dafür bietet, die Aneignung der Schriftfähigkeit, der Textkompetenz angemessen erforschen (und lehren) zu können. Und wer etwa die mediale Bedeutung der Sprache, der Schrift, des Textes, des Bildes in den sog. Sachunterrichtsfächern erkennen und einschätzen können soll, der wird sich von den überkommenen alltagstheoretischen Abbildtheorien des Zusammenhangs der Wörter mit den Dingen verabschieden müssen.

Eine Aufwertung also der fachdidaktischen Forschung (und Lehre) durchs Theoretisieren? Ja und nein. Zu lehren, zu lernen ist in Fachtheorie und Fachdidaktik integrierenden Seminaren etwa, daß sich die unterrichtliche Praxis durch Regularien und Prinzipien der Unterrichtslehre strukturiert, die auf bestimmte (nicht selten für selbstverständlich gehaltene) Konzeptionen der Vermittlung und der Aneignung wissenswerten Wissens zurückgehen. Dabei macht doch die (Logik und Empirie der) Genese des fachlichen Wissens jene Dimension aus, um die die fachliche Didaktik die fachliche Theorie erweitern wird. Eine Theorie des sprachlichen Wissens gewinnt eben unter Aspekten der Genese dieses Wissens erheblich mehr an Farbe.

Aber was sind relevante Inhalte fach-, also sprach- und literaturdidaktischer Seminare für Studierende der Lehrämter? Die Orientierung am sachlichen Gegenstandskatalog (und der vermeintlichen structure of the discipline) hilft nicht weiter. Es sind sehr viel eher Kompetenz- und Qualifikationsdimensionen, die für oder gegen das eine oder andere Lehrangebot sprechen; denn auf wissenschaftliche Kompetenzen und Qualfikationen kommt es im Berufsfeld Schule ja an. Und diese Kompetenzen und Qualifikationen lassen sich leicht beschreiben. Wer etwa sprachliche Auffälligkeiten bei Schülerinnen und Schülern beobachten, beschreiben und beurteilen muß, der sollte sich in der Sprachdiagnostik auskennen. Wer Grundschulkindern die Grammatik beibringt, kommt nicht umhin, sich mit der wissenschaftlichen Didaktik der Grammatik vertraut zu machen. Wer die Lesefähigkeit seiner Sekundarstufenschüler zum Beispiel auf dem Niveau der PISA-Studien analysieren und diagnostizieren soll, muß sich während des Studiums mit der Theorie, der Geschichte und der Didaktik des Lesens intensiv beschäftigt haben.(Und sicher auch mit der Empirie der gegenwärtigen Lesesozialisationsforschung.) Wer den fachlichen Stellenwert des Lernens mit Neuen Medien im Deutschunterricht einschätzen können soll, der kommt nicht umhin, Hypertext und Hypermedia zu studieren. (Beim Seminar T.I.D.E. handelt es sich um so ein Seminarangebot.) Und wer, nicht zuletzt, in der Sekundarstufe II den Kanon literarisch-ästhetischen Wissens fachdidaktisch gesehen kompetent zu vermitteln hat, den wird ein Seminar Interpretationstheorie(n) dazu befähigen können, die im Rahmen von Schulpraktika beobachtete unterrichtliche Praxis der Interpretation theoretisch angemessener beschreiben und beurteillen zu können.  (Was freilich noch lange nicht zu einem auch literaturdidaktisch begründeten Interpretieren von Texten des literarischen Kanons befähigt; denn zwischen theoretisch begründeter Kritik an der Suche nach einer Absicht des Autors und einer die Interpretationsfähigkeit der Lernenden fördernden handlungsorientierten Praxis der Literaturunterrichts liegen bekanntlich nicht selten Welten.)

Und die disziplinären Essentials? Zum Beispiel die Einführung in die Sprachwissenschaft? Sie ist konzeptionell und didaktisch sicher nicht überzeugend mit einem Rekurs auf den disziplinären Gegenstandskatalog zu begründen. Die Inhalte sollten sich vielmehr auf jene Forschungsfelder der Disziplin beziehen, von denen wir einigermaßen sicher wissen, daß sie mit den Verständigungskrisen der Gesellschaft (L. Jäger) zu tun haben. Der Grundkurs Linguistik ist der Versuch eines wissenschaftsdidaktisch motivierten und wissenschaftstheoretisch begründeten Einführungskurses.

Aber Brandoms Sprachtheorie für die Primarstufe? Die Resonanz ist gelegentlich überraschend; naive Alltagstheorien des Zusammenhangs von Sprache und Denken, von Sprache und Bewußtsein, der Intententionalität usw. usw. werden verabschiedet; nicht zuletzt vielleicht deshalb, weil sich beim Nachdenken übers Lernen, Können und Wissen bestimmte Probleme in einem anderen Licht zeigen.


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