Kultusmininsterkonferenz (KMK):
Vereinbarung über Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss (Jahrgangsstufe 10) (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 04.12.2003):

1. Grundsätze

Bildungsstandards beschreiben erwartete Lernergebnisse; sie benennen Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler bis zu einer bestimmten Jahrgangsstufe an zentralen Inhalten erworben haben sollen. Sie konzentrieren sich auf Kernbereiche eines Faches. Bildungsstandards formulieren fachliche und fachübergreifende Basisqualifikationen, die für  die weitere schulische und berufliche Ausbildung von Bedeutung sind und die anschlussfähiges Lernen ermöglichen.

2. Beschlußlage

Die Kultusministerkonferenz hat beschlossen, Standards fürr den Mittleren Schulabschluss in den Fächern Deutsch, Mathematik und erste Fremdsprache (Englisch/Franzsisch) zu erarbeiten. Die Standards beschreiben die fachbezogenen Kompetenzen einschließlich zugrunde liegender Wissensbestände; sie folgen so dem Prinzip des kumulativen Kompetenzerwerbs, weisen ein mittleres Anforderungsniveau aus. Sie werden durch Aufgabenbeispiele veranschaulicht. sie basieren auf fachspezifisch definierten Kompetenzmodellen, die aus der Erfahrung der Schulpraxis heraus entwickelt wurden. Die Aufgabenbeispiele veranschaulichen die fachlichen Bildungsstandards.

Die Vereinbarung über Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss in den Fächern Deutsch, Mathematik und erste Fremdsprache wird von den Ländern zu Beginn des Schuljahres 2004/2005 als Grundlagen der fachspezifischen Anforderungen für den Mittleren Schulabschluss übernommen.

Die Länder verpflichten sich, die Standards zu implementieren und anzuwenden. Dies betrifft insbesondere die Lehrplanarbeit, die Schulentwicklung und die Lehreraus- und –fortbildung.

Die Länder kommen überein,  weitere Aufgabenbeispiele zu entwickeln und in landesweiten bzw. länderübergreifenden Orientierungs- und Vergleichsarbeiten oder in zentralen oder dezentralen Prüfungen festzustellen, in welchem Umfang die Standards erreicht werden.

Die Standards und ihre Einhaltung werden unter Berücksichtigung der Entwicklung in den Fachwissenschaften, in der Fachdidaktik und in der Schulpraxis durch eine von den Ländern gemeinsam beauftragte wissenschaftliche Einrichtung überprüft und auf der Basis validierter Tests weiter entwickelt.

3. Bereiche der Standards

Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Mittleren Schulabschluss (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 04.12.2003): vier Kompetenzbereiche für das Fach Deutsch: (1) Sprechen und Zuhören 15 (2) Schreiben (3) Lesen – mit Texten und Medien umgehen (4)4 Sprache und Sprachgebrauch untersuchen


4. Beschreibungen: Standards im einzelnen

Exemplarisch: Standards für den Kompetenzbereich

4.1 Sprechen und Zuhren zu anderen sprechen   

sich artikuliert, verständlich, sach- und situationsangemessen äußern    über einen umfangreichen und differenzierten Wortschatz verfügen    verschiedene Formen mündlicher Darstellung unterscheiden und anwenden, insbesondere erzählen, berichten, informieren, beschreiben, schildern, appellieren, argumentieren, errtern    Wirkungen der Redeweise kennen, beachten und situations- sowie adressatengerecht anwenden: Lautstärke, Betonung, Sprechtempo, Klangfarbe, Stimmführung; Krpersprache (Gestik, Mimik)    unterschiedliche Sprechsituationen gestalten, insbesondere Vorstellungsgespräch/Bewerbungsgespräch; Antragstellung, Beschwerde, Entschuldigung; Gesprächsleitung. vor anderen sprechen    Texte sinngebend und gestaltend vorlesen und (frei) vortragen    längere freie Redebeiträge leisten, Kurzdarstellungen und Referate frei vortragen: ggf. mit Hilfe eines Stichwortzettels/einer Gliederung    verschiedene Medien für die Darstellung von Sachverhalten nutzen (Präsentationstechniken): z.B. Tafel, Folie, Plakat, Moderationskarten. mit anderen sprechen    sich konstruktiv an einem Gespräch beteiligen    durch gezieltes Fragen notwendige Informationen beschaffen    Gesprächsregeln einhalten    die eigene Meinung begründet und nachvollziehbar vertreten    auf Gegenpositionen sachlich und argumentierend eingehen    kriterienorientiert das eigene Gesprächsverhalten und das anderer beobachten, reflektieren und bewerten.

verstehend zuhren    Gesprächsbeiträge anderer verfolgen und aufnehmen    wesentliche Aussagen aus umfangreichen gesprochenen Texten verstehen, diese Informationen sichern und wiedergeben    Aufmerksamkeit für verbale und nonverbale Äußerungen (z.B. Stimmführung, Krpersprache) entwickeln. szenisch spielen    eigene Erlebnisse, Haltungen, Situationen szenisch darstellen

Methoden und Arbeitstechniken    verschiedene Gesprächsformen praktizieren, z.B. Dialoge, Streitgespräche, Diskussionen, Rollendiskussionen, Debatten vorbereiten und durchführen    Gesprächsformen moderieren, leiten, beobachten, reflektieren    Redestrategien einsetzen: z.B. Fünfsatz, Anknüpfungen formulieren, rhetorische Mittel verwenden    sich gezielt sachgerechte Stichwrter aufschreiben    eine Mitschrift anfertigen    Notizen selbstständig strukturieren und Notizen zur Reproduktion des Gehrten nutzen, dabei sachlogische sprachliche Verknüpfungen herstellen    Video-Feedback nutzen    Portfolio (Sammlung und Vereinbarungen über Gesprächsregeln, Kriterienlisten, Stichwortkonzepte, Selbsteinschätzungen, Beobachtungsbgen von anderen, vereinbarte Lernziele etc.) nutzen.

4.2    Schreiben

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Texte schreiben   

formalisierte lineare Texte/nichtlineare Texte verfassen: z.B. sachlicher Brief, Lebenslauf, Bewerbung, Bewerbungsschreiben, Protokoll, Annonce/Ausfüllen von Formularen, Diagramm, Schaubild, Statistik    zentrale Schreibformen beherrschen und sachgerecht nutzen: informierende (berichten, beschreiben, schildern), argumentierende (errtern, kommentieren), appellierende, untersuchende (analysieren, interpretieren), gestaltende (erzählen, kreativ schreiben),    produktive Schreibformen nutzen: z.B. umschreiben, weiterschreiben, ausgestalten.    Ergebnisse einer Textuntersuchung darstellen: z.B. -  Inhalte auch längerer und komplexerer Texte verkürzt und abstrahierend wiedergeben -  Informationen aus linearen und nichtlinearen Texten zusammenfassen und so wiedergeben, dass insgesamt eine kohärente Darstellung entsteht -  formale und sprachlich stilistische Gestaltungsmittel und ihre Wirkungsweise an Beispielen darstellen -  Textdeutungen begründen -  sprachliche Bilder deuten -  Thesen formulieren -  Argumente zu einer Argumentationskette verknüpfen -  Gegenargumente formulieren, überdenken und einbeziehen -  Argumente gewichten und Schlüsse ziehen -  begründet Stellung nehmen    Texte sprachlich gestalten -  strukturiert, verständlich, sprachlich variabel und stilistisch stimmig zur Aussage schreiben -  sprachliche Mittel gezielt einsetzen: z.B. Vergleiche, Bilder, Wiederholung    Texte mit Hilfe von neuen Medien verfassen: z.B. E-Mails, Chatroom.

4.3    Lesen – mit Texten und Medien umgehen

verschiedene Lesetechniken beherrschen    über grundlegende Lesefertigkeiten verfügen: flüssig, sinnbezogen, überfliegend, selektiv, navigierend (z.B. Bild-Ton-Text integrierend) lesen. Strategien zum Leseverstehen kennen und anwenden    Leseerwartungen und –erfahrungen bewusst nutzen    Wortbedeutungen klären    Textschemata erfassen: z.B. Textsorte, Aufbau des Textes    Verfahren zur Textstrukturierung kennen und selbstständig anwenden: z.B. Zwischenüberschriften formulieren, wesentliche Textstellen kennzeichnen, Bezüge zwischen Textteilen herstellen, Fragen aus dem Text ableiten und beantworten    Verfahren zur Textaufnahme kennen und nutzen: z.B. Aussagen erklären und konkretisieren, Stichwrter formulieren, Texte und Textabschnitte zusammenfassen. Texte verstehen und nutzen literarische Texte verstehen und nutzen    ein Spektrum altersangemessener Werke – auch Jugendliteratur - bedeutender Autorinnen und Autoren kennen    epische, lyrische, dramatische Texte unterscheiden, insbesondere epische Kleinformen, Novelle, längere Erzählung, Kurzgeschichte, Roman, Schauspiel, Gedichte    Zusammenhänge zwischen Text, Entstehungszeit und Leben des Autors/der Autorin bei der Arbeit an Texten aus Gegenwart und Vergangenheit herstellen    zentrale Inhalte erschließen    wesentliche Elemente eines Textes erfassen: z.B. Figuren, Raum- und Zeitdarstellung, Konfliktverlauf



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4    Aufgabenbeispiele 4.1  Anforderungsbereiche Für Aussagen über die Angemessenheit, Qualität und Komplexität der Anforderungen, die mit den im Folgenden vorgestellten schriftlichen und mündlichen Aufgaben verbunden sind, stellen die Anforderungsbereiche einen Orientierungsrahmen dar, in dem sich die Leistungen von Schülerinnen und Schülern erfahrungsgemäß bewegen. Die Bearbeitung der Aufgaben erfordert die Fähigkeit, Schreibprozesse wie mündliche Aussagen zu gestalten, zu kommunizieren, mit Texten umzugehen, ihnen Informationen zu entnehmen und Sachverhalte und Problemstellungen angemessen zu artikulieren. Der Schwierigkeitsgrad wird gesteuert durch    die Komplexität der Aufgabenstellung    die Komplexität und Anforderungshhe des vorgelegten Textes, Textensembles oder einer entsprechenden Problemstellung    die Anforderung an Kontext- und Orientierungswissen    die Anforderung an die sprachliche Darstellung    Umfang und Komplexität der notwendigen Reflexion oder Bewertung.

4.2 Kommentierte Aufgabenbeispiele (schriftlich) Die Lsung der Aufgabenbeispiele verlangt den Nachweis einer Verstehens- und Darstellungsleistung wie auch der erworbenen methodischen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Sie sind in ihrer Konzeption im Einzelnen an den im 3. Kapitel dargestellten Standards orientiert und bilden ab, wie Standarderreichung festgestellt werden kann. Charakteristisch für diese Aufgabenkonzeption ist ein Ansatz, der die Kompetenzbereiche „Umgang mit Texten und Medien“, „Schreiben“ sowie „Sprache und Sprachgebrauch“ in ihrer Komplexität und die einzelnen Standards in unterschiedlicher Intensität und Breite erfasst. Daher sind die konkreten Aufgabenstellungen vorherrschend auf die Bearbeitung eines Textes (oder Textensembles) bezogen und setzen die Fähigkeit voraus, über die grundlegenden/wesentlichen Aspekte des Textverstehens – vom allgemeinen Textverständnis über Informationsentnahme, Textinterpretation bis hin zur Reflexion und Bewertung von Inhalt und Form des Textes – zu verfügen. Jede der komplexen Aufgaben verlangt in der Bearbeitung, diesen Prozess zu durchlaufen. Reflexionsund Bewertungsleistung knnen auch in der Form eines eigenständig gestaltenden Umgangs oder einer argumentativen Auseinandersetzung mit dem Text oder einzelnen Textaussagen erfasst werden. Im Vordergrund der in der Sekundarstufe I vermittelten Schreibformen stehen: erzählen, informieren, berichten, beschreiben, schildern, appellieren, argumentieren, analysieren/ interpretieren. Diese Schreibformen werden in der jeweils geeigneten Schreibsituation eingeübt. In diesem Zusammenhang aber wird dargestellt, wie die Schreibkompetenzen in Arbeitsformaten überprüfbar sind, die unterschiedliche Schreibformen zusammenführen. Ausgangspunkt für das Schreiben im Rahmen von Überprüfungen sind in der Regel lineare oder nichtlineare Texte, die als Einzeltext oder thematisch orientierte Textzusammenstellung vorgegeben werden. Es wird dabei zwischen Sachtexten und literarischen Texten unterschieden. Es ist auch mglich, textungebundene Problemstellungen zur Bearbeitung vorzulegen. Die Bearbeitung der unterschiedlichen Arbeitsformate verlangt generell die Berücksichtigung folgender Operationen: Erfassen der Aufgabenstellung und der Textbasis oder Problemstellung - Bearbeitung der Textgrundlage oder der Problemstellung - Schreiben eines eigenen Textes oder eigener Textteile. Die Art der Textbearbeitung und des Verfassens eines eigenen Textes wird durch die Aufgabenstellung gesteuert. Die Aufgabenstellung kann in einer komplexen Anforderung o

Für die Bearbeitung der einzelnen Aufgabenarten gelten die folgenden zentralen Schreibformen:    Untersuchen, Analysieren, Interpretieren    Informieren, Argumentieren, Errtern    Gestalten, Entwerfen. Die einzelnen konkreten Aufgabenarten sind so konzipiert, dass ihre Bearbeitung in der Regel mehrere der genannten Vorgaben verbindet. Es werden die folgenden Aufgabenarten unterschieden: Grundlage Aufgabe Schreibvoraussetzung Aufgabenart    einen Text untersuchen, analysieren, interpretieren    von einer Textgrundlage ausgehend, informieren, argumentieren, errtern    eine Problemstellung errtern Literarischer Text Sachtext Textmaterial (lineare und nichtlineare Texte, Bilder u.Ä.) Problemstellung Aufgabenstellung Textbearbeitung Problembearbeitung    einen Text umformen oder weiterschreiben    von einer Textgrundlage ausgehend einen Text gestalten, entwerfen Um die besondere Bedeutung der für die Bearbeitung der Aufgaben notwendigen inhaltlichen und methodischen Kenntnisse (im Schwerpunkt Anforderungsbereich I) zu betonen, werden drei Teilaufgaben (Beispiele 6 bis 8 der schriftlichen Aufgaben) vorgestellt, deren Bearbeitung das genaue Lesen und Texterfassen in der Form der Inhaltssicherung, der Bedeutungsklärung oder auch der Klärung einzelner Textaussagen oder Textelemente verlangt. Die folgenden Beispiele für schriftliche Aufgaben geben einen Ausschnitt mglicher Aufgabenformate und Aufgabenstellungen wieder. Es handelt sich dabei nicht um Muster für bestimmte Aufgabenarten, sondern um mgliche Beispiele.

28 Dr. Lutz G. Schmidt, Leiter der Suchtambulanz der Psychiatrischen Klinik des Uni-Klinikums Benjamin Franklin, Berlin 1. Beispiel Verfassen eines journalistischen Textes auf der Grundlage korrespondierender Materialien (Aufgabenart: Von einer Textgrundlage ausgehend, argumentieren, errtern) Alkohol: Lebensfreude oder Abhängigkeit? Interview mit Privatdozent Dr. Lutz G. Schmidt ■ Wie viel Alkohol darf man eigentlich trinken, ohne dass es schaden kann? Die individuelle Empfindlichkeit ist sehr unterschiedlich, deshalb scheuen sich einige Experten, Grenzwerte anzugeben. Vielen ist der Grenzwert deutscher Experten noch zu hoch: 40g Alkohol am Tag für Männer (das sind 1l Bier oder 1⁄2 Flasche Wein), 20g für Frauen (0,5l Bier oder 1 Wasserglas Wein). Mengenangaben wiegen alle diejenigen, die für eine psychische Abhängigkeit oder krperliche Schädigungen besonders empfänglich sind, in falscher Sicherheit. ■ Ab wann spricht man von psychischer Abhängigkeit? Das Kernsymptom der psychischen Abhängigkeit ist das unbezwingbare Verlangen, also der „Saufdruck", wie die Alkoholiker sagen. Das ist aber ein sehr subjektives Kriterium. Dieses Verlangen äußert sich im sogenannten  Kontrollverlust  oder in der Kontrollminderung. Das heißt, der oder die Betroffene ist nach Beginn des Trinkens nicht mehr in der Lage, dann aufzuhren, wann er oder sie es sich eigentlich vorgenommen hat. Auch die Menge kann man dann nicht mehr begrenzen. Kontrollverlust heißt allerdings nicht, dass der/die Betroffene tatsächlich bei jedem Trinkereignis die Kontrolle verliert. Man denke z.B. an die „Quartalssäufer", die über lange Strecken kontrolliert trinken, aber alle vier bis sechs Wochen fürchterlich abstürzen. Ein anderes Zeichen ist die Abstinenzunfähigkeit. Das heißt, dass eigentlich keine Episoden alkoholfreien Lebens mehr eingelegt werden knnen und kontinuierlich getrunken werden muss. ■ Welche sozialen Folgen kann ein zu hoher Alkoholkonsum nach sich ziehen? Alkoholabhängige knnen alle zentralen Bereiche verlieren, die den Menschen halten. Man spricht vom sogenannten „-losigkeitssyndrom": arbeitslos, wohnungslos, familienlos; also praktisch der Verlust aller Bindungen. Das ist natürlich eine Extremform. Nur ein kleiner Teil der Abhängigen kommt in diese ganz fatale Situation. Ein Großteil ist sozial integriert. Doch auch sie haben Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und in der Familie; die mangelnde Arbeitsleistung kann häufig nur kompensiert werden auf dem Rücken der Kolleginnen und Kollegen. Der Partner und die Kinder lehnen den Alkoholabhängigen häufig ab. Letztlich isolieren sich die Alkoholkranken selbst, weil sie sich schämen, suchtkrank zu sein. ■ Von den 2,5 Millionen alkoholabhängigen Bundesbürgern unterziehen sich pro Jahr nur etwa 1,4 Prozent einer Entwhnungsbehandlung. Woran liegt das? Das zentrale Hindernis ist natürlich, dass die Krankheit im Kern mit einer Verleugnung einhergeht. Die Betroffenen reden sich ein, das Trinkverhalten im Griff zu haben und jederzeit wieder kontrolliert trinken zu knnen. ■ Liegen die Betroffenen damit immer falsch, wenn sie glauben, sie knnten den Alkohol wieder reduzieren? Bei ausgeprägter Abhängigkeit gibt es wohl keine Mglichkeit, jemals wieder kontrolliert trinken zu knnen. Wenn ein Alkohol-Missbrauch vorliegt oder eine milde Form der Abhängigkeit, dann sollte versucht werden, die Alkoholmengen bewusst zu begrenzen. Es gibt einige Regeln verantwortlichen Trinkens: Wenn man starken Durst hat, sollte man keinen Alkohol trinken, auch nicht nach dem Sport, auf leerem Magen oder nach 24 Uhr; auf harte Drinks bitte verzichten. Das heißt also: bewusst trinken, um Schäden zu vermeiden. ■ Was würden Sie denjenigen raten, die vermuten, ein Alkoholproblem zu haben? Sie sollten das mit dem Hausarzt oder der Hausärztin besprechen. Gemeinsam kann man versuchen, den Tagesablauf so zu gestalten, dass die Patientin/der Patient weniger Alkohol trinkt. Studien haben gezeigt, dass die Leute tatsächlich ihren Alkoholkonsum reduzieren und ihr Gesundheitsstatus besser wird, wenn das Problem in den Hausarztpraxen thematisiert wird. ■ Man hrt immer wieder, Rotwein schütze vor Herzinfarkt. Gibt es positive Auswirkungen von Alkohol auf die Gesundheit? Solche Aussagen sind mit Vorsicht zu genießen. Es ist zwar richtig, dass Alkohol das Risiko einer HerzKreislauf-Erkrankung senken kann, weil er einen Einfluss auf den Blutfettspiegel hat. Relevant ist das aber allenfalls bei Menschen im hohen Alter, die z.B. schon einmal einen Herzinfarkt hatten, aber sonst keinerlei Risiken haben, z.B. im Hinblick auf Lebererkrankungen. Bei jungen Leuten dagegen, bei denen ohnehin kein Risiko einer Herzerkrankung besteht, überwiegen immer die Gefahren - man denke beispielsweise an die erhhte Unfallgefahr. (...) Das Gespräch führte Anke Nolte

Häufig gestellte Fragen von Jugendlichen Was passiert, wenn ich zu viel Alkohol trinke? Wer zu viel und zu oft trinkt, bekommt auf die Dauer krperliche Schäden. Die Beschwerden sind anfangs vage (Magenbeschwerden, Müdigkeit, Schlafschwierigkeiten) und werden mit der Zeit immer konkreter. Die Leber verfettet und kann sich entzünden, es kann zu ernsten Magenbeschwerden kommen und langfristig kann beispielsweise eine Herz-, Hirn- oder Nervenschädigung auftreten. Lang anhaltendes übermäßiges Trinken kann auch das Entstehen von Krebs begünstigen (z.B. Kehlkopfkrebs, Speiserhrenkrebs, Brustkrebs). Aus gesundheitlichen Gesichtspunkten ist es darum wichtig, maßvoll zu trinken. Wie wirkt Alkohol? Die Wirkung sieht konkret folgendermaßen aus: verminderte Wahrnehmungsfähigkeit, verlangsamte Reaktionsgeschwindigkeit, verminderte Konzentrationsfähigkeit; weniger konkret (und nicht minder riskant): ein vermindertes Vermgen, Risiken und sich selbst richtig einzuschätzen. Kurzum: man verliert die normale (nüchterne) Kontrolle über sich selbst. Eine Unterschätzung dieser Fakten hat Auswirkungen auf kurzfristige Risiken (Unfälle, aggressives Verhalten, Vandalismus etc.). Wann macht man sich im Verkehr strafbar? Unter Alkoholeinfluss ist die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt und das Risiko für Verkehrsunfälle nimmt zu. Es ist bekannt, dass Alkoholkonsum das Wahrnehmungs- und Reaktionsvermgen vermindert und zu einer Einschränkung des Sehfeldes führt. Die Grenze für die Verkehrsteilnahme liegt in Deutschland darum bei 0,5 Promille. Was sind die Ursachen der Abhängigkeit? Für Abhängigkeit gibt es mehr als eine einzige Ursache. Es sind verschiedene Ursachen zu nennen: -  Erblichkeit: eine kleine Minderheit der Abhängigen hat ein erhhtes Risiko, abhängig zu werden, wenn der Vater oder die Mutter abhängig ist; das grßte Risiko haben die Shne von abhängigen Männern -  ernsthafte Probleme in der Kindheit und Jugend (unverarbeitete Traumata, Verwahrlosung, sexueller Missbrauch, Inzest) -  eine angeborene oder erlernte Empfindlichkeit im Hinblick auf Stress, Unruhe, Anspannung -  das Aufwachsen in einer Umgebung, in der oft viel und schnell getrunken wird -  Abhängigkeit als Reaktion auf Probleme: Beziehungsprobleme, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, Einsamkeit usw. Quellen:    Alkohol: Lebensfreude oder Abhängigkeit? In: betroffen, herausgegeben von der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V., Hamm o. J. (gekürzt)    Häufig gestellte Fragen von Jugendlichen. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung; Bist-dustaerker-als-alkohol; Kln o. J.

Quelle: Repräsentativerhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung durch forsa. Berlin 2001 Aufgabenstellung: 1.  Entnehmen Sie den vorgelegten Texten und der Grafik die geeigneten Informationen, Aussagen und Hinweise und schreiben Sie auf dieser Grundlage einen informierenden Artikel für eine Schülerzeitung zum Thema „Alkohol“! 2.  Im „Ratgeber-Kasten“ der Schülerzeitung sollen den Leserinnen und Lesern drei Ratschläge zum angemessenen Umgang mit Alkohol gegeben werden. Formulieren Sie diese! 3.  Begründen Sie die Auswahl Ihrer Ratschläge in einem gesonderten Text für die Redaktionskonferenz der Schülerzeitung! In ihrem bisherigen Leben: täglich 1% mehrmals pro  Woche 11% einmal pro Woche 18% mehrmals pro  Monat 23% einmal pro Monat 13% selten 21% nie 13% Es trinken Alkohol ... HÄUFIGKEIT DES ALKOHOLKONSUMS 12- bis 25-Jährige in der Bundesrepublik Deutschland

Variante zur Aufgabenstellung (1): Entnehmen Sie den vorgelegten Texten und der Grafik die geeigneten Informationen, Aussagen und Hinweise und schreiben Sie auf dieser Grundlage einen informierenden Artikel für eine Schülerzeitung zum Thema „Alkohol“! Zeigen Sie in Ihrem Artikel Mglichkeiten auf, wie man dem Alkoholkonsum von Jugendlichen vorbeugen knnte. Variante zur Aufgabenstellung (2): Untersuchen Sie die vorgelegten Texte und die Grafik und strukturieren Sie die gewonnenen Informationen (z. B. Mindmap, Flussdiagramm, Stichwortsammlung)! Verfassen Sie auf der Grundlage dieser Ergebnisse einen informierenden Artikel für eine Schülerzeitung zum Thema „Alkohol“! Bezug zu den Standards:    Strategien zum Leseverstehen kennen und anwenden    Sach- und Gebrauchstexte verstehen und nutzen -  Informationen zielgerichtet entnehmen, ordnen, vergleichen, prüfen und ergänzen -  nichtlineare Texte auswerten -  Intention(en) eines Textes erkennen -  aus Sachtexten begründet Schlussfolgerungen ziehen -  verschiedene Textfunktionen und Textsorten unterscheiden: informieren, appellieren    über Schreibfertigkeiten verfügen    richtig schreiben    einen Schreibprozess eigenverantwortlich gestalten -  Texte planen und entwerfen -  Texte schreiben -  Ergebnisse einer Textuntersuchung darstellen -  Inhalte auch längerer und komplexerer Texte verkürzt wiedergeben -  Informationen aus linearen und nichtlinearen Texten zusammenfassen und so wiedergeben, dass insgesamt eine kohärente Darstellung entsteht -  Texte sprachlich gestalten -  Texte überarbeiten    Texte in Verwendungszusammenhängen reflektieren und bewusst gestalten    Textbeschaffenheit analysieren und reflektieren    Leistungen von Sätzen und Wortarten kennen und für  Schreiben und Textuntersuchung nutzen.

Lsungsmglichkeiten mit Zuordnung zu den Anforderungsbereichen: (gilt nicht für die Varianten) zu Aufgabe 1: Die Schülerinnen und Schüler stellen  die wesentlichen Informationen der korrespondierenden Materialien zusammen. Sie nutzen die linearen Texte (Interview, Text der Ratgeberliteratur) und erarbeiten Ursachen, Merkmale, Kurz- und Langzeitwirkungen, psychische und soziale Folgen von überhh Alkoholgenuss sowie Verhaltensmglichkeiten. Die Grafiken werden richtig gedeutet (Häufigkeit von Alkoholkonsum bei Jugendlichen, Präferenz für bestimmte Alkoholarten), gewichtet und in Beziehung gesetzt. Der verfasste Artikel informiert umfassend auf der Basis der erworbenen Kenntnisse und vermittelt Zusammenhänge sowie Hintergründe. Die Schülerinnen und Schüler stellen die gewonnenen Informationen sachlich richtig, sinnvoll gegliedert und logisch verknüpft dar. Sie bilden erkannte Bezüge zwischen den Materialien auch sprachlich ab. Ein knapper, informativer Vorspann, der Wesentliches zusammenfasst, animiert zum Weiterlesen. Sprachlichstilistische Merkmale der journalistischen Ausdrucksform (geläufiger Wortschatz, erläuterte Fachbegriffe, verständliche Sprache, kurze, klare Syntax, Verbalstil) werden berücksichtigt. Die Schülerinnen und Schüler schreiben intentions- sowie adressatenbezogen und verwenden eigene Formulierungen. Die erwarteten Leistungen liegen weitgehend im Anforderungsbereich II, weisen aber auch auf den Anforderungsbereich I, insbesondere die Fähigkeiten zur grundlegenden Informationsentnahme und -wiedergabe, die Kenntnis der Schreibform sowie die Einhaltung von Sprachnormen. zu Aufgabe 2: Die ausgewählten Ratschläge sind im Bezug auf den Artikel aufgabengerecht, sachlich richtig und sprachlich prägnant formuliert. Der Adressatenbezug wird berücksichtigt. Zur Lsung der Aufgabe werden im Wesentlichen Fähigkeiten im Anforderungsbereich II bentigt. zu Aufgabe 3: Die Bedeutsamkeit der ausgewählten Ratschläge und die Gründe für die Auswahlentscheidung  werden schlüssig und differenziert begründet. In der Darstellung lässt sich eine eigenständige gedankliche Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit dem Thema erkennen. Die Argumente sind entfaltet sowie sprachlichlogisch aufeinander bezogen. Eine normgerechte sprachliche Darstellung wird in allen Teilaufgaben erwartet. Die Schreibaufgabe erfordert Fähigkeiten im Anforderungsbereich II bei der Entwicklung von Begründungen sowie im Anforderungsbereich III bei der Umsetzung eigenständiger gedanklicher und sprachlicher Darstellungen.