Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
 
Hintergrundbild
Hintergrundbild

Sie sind hier :   Universität Bielefeld > LiLi-Fakultät > Personen > Apl. Prof. Dr. Seelbach > Texte

Apl. Prof. Dr. Ulrich Seelbach: Forschung

Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft | Fach: Germanistik

Friedrich von Logau (Eine Biographie)

1605 vor Januar 24 wird Friedrich von Logau geboren (am 23. Januar oder wenige Tage zuvor) als einziges Kind des Georg von Logau zu Altendorf auf Dürr-Brockut und der Anna von Reydeburg auf Dobergast. Den Freiherrenstand besaß die Linie von Altendorf nicht; am 7.1.1604 wurden die Brüder Heinrich David und Christoph von Logau aus der Linie Olbersdorf in den Böhmischen Alten Herrenstand aufgenommen. Erst Friedrichs Sohn Balthasar Friedrich erwarb den Freiherrentitel für sich und seine Nachkommen am 31.12.1687 und dessen Sohn Heinrich Friedrich wurde in den Böhmischen Grafenstand am 4.12.1733 erhoben. Daß Friedrich zur Aufgabe des Freiherrn-Titels gezwungen gewesen wäre, ist barer Unsinn.Logaus Vater stirbt noch im selben Jahr. Die Mutter (gest. nach 1633) verheiratet sich später mit einem von Hohberg
1614 Oktober 13 Aufnahme in die Quarta des Brieger Gymnasiums unter Rektor Melchior Laubanus (Logau war nicht Page am Brieger Hof!)
1617 Mai 13 versetzt in die Secunda
1618 März 26 nach Prima versetzt
1619 Januar 1 ist Logau einer der zwanzig Redner über die "ditissima mendicitatis Christi"
1620 Februar 1 Logau deklamiert die Invektive des Priamus gegen Pyrrhus
  September 19 Logau deklamiert aus der Aeneis
1623 März 25 hält Logau eine Rede an die Venus
  April 29 respondiert Logau bei einer Disputation von M. Joachim Buchwälder De felicitate morali
  Juli 8 Wahl in den Schulsenat
1624 April 25 Probe zur Aufführung der Susanna von Nicodemus Frischlin. Friedrich von Logau spielt in der Schüleraufführung des Brieger Gymnasiums den Midian, Valentin Gerhard die Susanna
  Mai 3 Aufführung der Susanna vor dem Hof (vgl. 25. April)
  Mai 9 Logau hält eine Rede Didos an ihre Schwester Anna
1625 Februar 20 gibt Logau zusammen mit Valentin Gerhard eine oratorische Darstellung des Wettstreits der trojanischen Schiffe zu Ehren des Anchises
  Juni 26 Abschied von der Schule. Logau begibt sich mit Valentin Gerhard nach Altdorf, der mit ihm zusammen das Studium dort aufnehmen will
  Juli 6 Immatrikulation an der Universität Altdorf (zunächst verkürztes Studium der Artes liberales als Voraussetzung für das Jurastudium). Seine Studienfreunde in Altdorf sind unter anderen sein Vetter Johannes von Reydeburg, die Brüder Christoph und Melchior von Seidlitz, deren Praeceptor Johannes Rosarius und deren Famulus Matthaeus Hallmann
  Dezember 19 Glückwunschgedicht an Georg Wölcker zur Doktorpromotion in Altdorf: "Alß ich mich hat ein mal zu viel lassen bethören ..." (Alexandrinergedicht in Unkenntnis der Opitzschen Poetik)
1626 Juli 19 Leichgedicht auf Magister Johann Caspar Odontius, Prof. der Mathematik (dessen Tischbursche Logau war)
  November 27 Hochzeitsgedicht für David Schmuck und seine Frau Ann-Christina in Altdorf: "VrtheilsFrag an den Herr Bräutigam" (Alexandriner-Gedicht in opitzscher Manier)
  August 24 Logau beteiligt sich an der Erstürmung von Prof. M. Georg Quecks Haus durch die Tischburschen der Witwe M. Johann Caspar Odontius'
1627   wird Logau bestraft wegen Zerstörung der Kirchhofsmauer und wegen eines Duells mit J. Cabes. Sein Schul- und Studienfreund Valentin Gerhard wird am 12. Mai relegiert
  Dezember 18 Letzter nachweisbarer Aufenthalt in Altdorf (Stammbucheintrag Paul Stoeberlin). Logau könnte zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Semester das Studium der Rechte betrieben haben
1631   heiratet Logau Helena (nicht: Magdalena) von Gruttschreiber, Tochter des Heinrich von Gruttschreiber zu Rosenau auf Olbendorff und Obereck und der Magdalena von Poser. Der Ehe entsproß eine Tochter, Anna von Logau, die sich (nach 1660) mit einem von Gersdorff aus der Lausitz vermählte
  Juli 1 Logau leiht sich von seinem Oheim mütterlicherseits, Heinrich von Reydeburg, 1000 Taler auf sechs Jahre unter Verpfändung seines Legats auf Gut Brockut - wohl aus Anlaß seiner Vermählung und Gründung eines Hausstandes
1632   Logaus Mutter Anna wird von ihrem Bruder Heinrich testamentarisch mit einem Legat von 1000 Talern bedacht, das bei ihrem Tode Friedrich von Logau zufallen (und damit dessen Schuld von 1631 begleichen) würde. Friedrich erbt Heinrich von Reydeburgs Bibliothek
1634 Oktober 3 Geburt des Sohnes George Heinrich in Brieg (früh gestorben)
1635 Frühjahr Freudengesang über die Wiederkunft der Herzogsbrüder Georg und Ludwig zu Brieg
  November 18 Epithalamion auf Joachim von Niemitz und Anna Helena von Bibran
1636 Januar lebt mit seiner Familie auf Gut Brockut (bis Februar 1641)
1638   Teutsche Reimensprüche Salomons von Golaw. Das Pseudonym wählte Friedrich ("der Friedensreiche") von Logau nach dem Sittenrichter Salomon ("der Friedensmann") des alten Testaments (Sprüche Salomonis) und nach dem Gut Gohlau, Kreis Neumarkt, das als Anagramm des Familiennamens gelesen werden kann. Allerdings ist erst sein Sohn Balthasar Friedrich als Besitzer des Gutes Gohlau bezeugt
  o.D. Beiträger eines Widmungsgedichts zu Johann Heermanns Predigtsammlung Geistliche Kirchen-Arbeit
1639 Oktober 10 Stammbucheintrag für Ludwig von Logau, geschrieben auf Gut Brockut
1641 Februar die Familie Logaus sucht Zuflucht in Brieg
  Sommer stirbt in Brieg Logaus erste Ehefrau Helena von Gruttschreiber
1642 Juli 13 Trauergedichte auf Anna Helene von Niemitz, geb. von Bibran
1643   heiratet Logau in zweiter Ehe Helena von Knobelsdorff (*25.7.1627, ? Breslau 1686, in zweiter Ehe verheiratet 1661 mit Dietrich Ernst von Rößler), Tochter des Briegischen Hofmarschalls Balthasar von Knobelsdorff und der Dorothea von Hohendorf
1644   in der Geistlichen Kirchen- und Haus-Music erscheint bei Baumann in Breslau Logaus Kirchenlied, "Gott der du bist ein Freund der Menschenkinder"
  September 29 wird Logau von Herzog Ludwig zu Brieg zum herzoglichen Rat in Kanzlei-, Ökonomie- und Privatsachen ernannt. Er erhält 306 Reichstaler jährlich an Besoldung nebst freier Wohnung und Naturalien. Zuvor ist er nicht - auch nicht in 'untergeordneter Stellung'- in herzoglichen Diensten nachweisbar
1645   Geburt des Sohnes Balthasar Friedrich in Liegnitz (gestorben Breslau, 9. Februar 1702). Als zweites Kind der zweiten Ehe wird Dorothea Magdalena geboren (Geburtstag und -jahr unbekannt; gestorben in Merzdorf 1701)
1647 September 17 unterzeichnet Logau als Zeuge den Ehevertrag Ludwig von Logaus und der Schwägerin Anna Marie von Knobelsdorff
1648 Juli wird Logau in Herzog Ludwigs zu Brieg Gefolge in Strelitz in die Fruchtbringende Gesellschaft als der 'Verkleinernde' aufgenommen
1649   Logau leiht sich erneut 400 Taler auf das Gut Brockut
  Januar 14 Logau nimmt in Brieg teil an den Aufnahmefeierlichkeiten zur Einnahme Herzog Georgs von Brieg in die Fruchtbringende Gesellschaft
  November 12 Geburt der Tochter Anna Helena auf Brockuth (gestorben Dirsdorf, Kreis Nimptsch, 29. Juli 1712)
  November 26 Erhöhung der Naturalien (Deputatsaufbesserung)
1651 Mai 18 Abdankungsrede auf Emerentiana von Reydeburg, Gemahlin seines Freundes und Vetters Christoph von Reydeburg
  Oktober 24 Leichgedichte auf Hans von Nimptsch
1652 Dezember 18 Leichgedicht auf Adam von Borwitz
  o.D. Logau steuert zu Wenzel Scherffers Geist- und Weltlichen Gedichten das erste Glückwunschgedicht bei Logau widmet einen Separatdruck von 50 Gelegenheitsgedichten und Epigrammen, Anna Sophia, der Gemahlin Herzog Ludwigs von Brieg, Anna Sophia von Mecklenburg-Strelitz
1653 April 4 Geburt der Tochter Eleonora Sophia
Stammbuch Johann Niklas
(Stammbuch Johannes Niklas, Kraków)
  Mai 14 Beim Begräbnis Herzog Georg Rudolphs zu Liegnitz ist Friedrich von Logau neben Balthasar von Knobelsdorff, seinem Schwiegervater, und Cyprian Jonas von Lilgenau einer der drei Marschalle der Brüder Georg, Ludwig und Christian zu Liegnitz-Brieg
  Juni 15 stirbt Balthasar von Knobelsdorff, der Schwiegervater Logaus
  Juni 24 erhält Logau eine Gehaltsverbesserung um 200 schlesische Taler
  August 5 stirbt Eleonora Sophia, die vierte Tochter Logaus (begraben am 8. August bei der Briegischen Schloßkirche); Wenzel Scherffer widmet Logau aus diesem Anlaß ein Epicedion
1654 April Deutscher Sinn-Getichte Drey Tausend
Logau Handexemplar
(Logaus Handexemplar der Sinngetichte, April 1654)
  Juni 3 Landesteilung durch die drei herzoglichen Brüder. Logau folgt Herzog Ludwig nach Liegnitz
  Dezember 31 Leichgedicht auf den Bürgermeister von Liegnitz, Daniel Hertwig
1655 Juli 24/25 in der Nacht vom 24.-25. Juli stirbt Logau in Liegnitz. Er wird (am 22. August) begraben bei der fürstlichen Stiftskirche St. Johannis in Liegnitz. Wenzel Scherffer verfaßt (anonym) zu seinem Begräbnis das Thränengetichte
Logaus Sterbedatum
     
Logaus Sterbedatum

Zusammengestellt am 30.11.2003 (korrigiert am 11. 7. 2008, 23.1.2011, 28.08.2015).
Literatur: das Nachwort (S. *1-*68) in
Friedrich von Logau: Reimensprüche und andere Werke in Einzeldrucken.
Hrsg. von Ulrich Seelbach.
Tübingen: Niemeyer 1992 (Rara ex bibliothecis Silesiis 2)

Bild von Ulrich Seelbach
Salomo in Schlesien.
Beiträge zum 400. Geburtstag Friedrich von Logaus
Titelkupfer der Sinn-Getichte, 1654
(Titelkupfer der Sinn-Getichte, 1654)

Bild von Ulrich Seelbach
(Ausschnittsvergrößerung:
Der Leser als Richter. Er zerbricht den Stab über den Angeklagten - auf dem Schemel: das Buch der Sinn-Getichte)