Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
 

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DFG-Projekt: Narrating Migration

Migrationserfahrung in der zeitgenössischen britischen Erzählliteratur

Projektbeschreibung

Ziel des Projekts ist die Erforschung der Darstellung von Migrationserfahrung in der britischen Erzählliteratur seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Untersucht werden Romane und Kurzgeschichten auf ihre erzählerischen Verfahren und kulturellen Funktionen unter Rückgriff auf basale narratologische Analysekategorien sowie das soziologische Konzept transnationaler Sozialräume (Thomas Faist). Aufbauend auf einem weiten Verständnis von Migration als ‚Prozess der räumlichen Versetzung des Lebensmittelpunktes‘, der mit dem Überschreiten soziopolitischer und kultureller Grenzen einhergeht (Ingrid Oswald), gliedert sich das Projekt in mehrere eng verzahnte Untersuchungsebenen.

  • Die erste fragt danach, welche Teilaspekte und Phasen des Phänomens Migration in einzelnen Texten behandelt werden und welche Muster der Thematisierung das Textkorpus insgesamt aufweist.
  • Auf einer zweiten Ebene wird untersucht, mit welchen erzählerischen Mitteln diese Migrationsphänomene in der Erfahrungswirklichkeit der Figuren ästhetisch inszeniert werden.
  • Drittens richtet sich das Erkenntnisinteresse im Kontext dieser thematisch-narratologischen Kartierung auf die literarische Darstellung bzw. Evokation transnationaler Sozialräume/transnational social spaces. Dieser soziologische Begriff bezeichnet die vielfältigen materiellen, personellen, symbolischen und kulturellen Vernetzungen, die durch Migranten zwischen dem aufnehmenden Land und ihren Herkunftsländern etabliert werden.

Daran angelehnt lautet die zentrale Hypothese des Projekts, dass Migrationsliteratur gedankliche Räume entwirft, in denen die Lebenswirklichkeit von Migranten als eine mit anderen Ländern und Kulturen vernetzte Realität vorgestellt und vorstellbar wird: Die Texte evozieren anhand der Darstellung des Lebens und Erlebens von Migrantenfiguren Verbindungen zwischen Großbritannien und anderen Räumen der Welt in der Form erlebter und gedachter kognitiv-emotionaler Bezüge unterschiedlichster Ausprägung und Bewertung.

Die Funktion, die solchen ‚transnationalen Mentalräumen‘ bei der literarischen Inszenierung von Migrationserfahrung und der diskursiven Verhandlung von Migration in der britischen Gesellschaft zukommt, ist in der anglistischen Migrationsforschung weitgehend unbeachtet geblieben. Diese erfolgte bislang primär im Kontext postkolonialer Theorien und konzentrierte sich auf Texte und sozio-kulturelle Kontexte der Einwanderer aus Commonwealth-Ländern (und ihren Nachkommen) im Hinblick auf Themen wie Rassismus, Entwurzelung und hybride Identitätskonstruktion. Demgegenüber werden hier auch Texte untersucht, die Migration aus anderen Ländern als dem Commonwealth thematisieren und/oder von Autorinnen und Autoren ohne Migrationshintergrund stammen.

Der innovative Beitrag des Projekts zur Erforschung englischer Migrationsliteratur besteht also auch in einer Erweiterung des Textkorpus, vorrangig aber in der thematischen und konzeptuellen Ausweitung des Erkenntnisinteresses gegenüber bisherigen Ansätzen.

Das DFG-Projekt wurde 2014 für eine Laufzeit bis 2017 bewilligt.

Projektmitglieder