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Fach: Deutsch als Fremdsprache - AKTUELLES

Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft

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ZuFlucht 3.0



In dem performativen Kunst-und-Theater-Projektseminar ZuFlucht 3.0 wurde unter der Anleitung der Performance-Künstlerin Zaida Horstmann und mit Unterstützung der Werkmeisterin für Kunst und Musik der Universität Bielefeld, Marina Wolf, das Theaterstück "Warten" zusammen mit jungen Erwachsenen mit Fluchthintergrund und Studierenden der Universität Bielefeld unterschiedlichster Hintergründe entwickelt und im Anschluss aufgeführt und filmisch begleitet.

Im ersten Block des Seminares lernten sich zunächst die Teilnehmer durch verschiedene Spiele kennen. Hier gab jeder die Informationen über sich, die er geben wollte (so blieben Nationalitäten und Fluchthintergründe lange ungeklärt). Dies hatte den Vorteil, dass von Anfang an eine starke Durchmischung von Studierenden und jungen Erwachsenen von außerhalb bestand, da lange Zeit nicht genau klar war, wer von der Universität kam und wer von außerhalb mit Fluchthintergrund. Dies wurde auch dadurch unterstützt, dass auch die Gruppe der Studierenden aus jungen Erwachsenen unterschiedlicher biographischer und Migrations-Hintergründe bestand.

Der zweite Block des Projektes widmete sich der Materialsammlung und Erarbeitung des szenischen Materials für das später aufgeführte Stück, sowie der Festigung der Verbindung zwischen den Spielern. Einerseits nahmen verschiedene Vertrauensübungen einen großen Raum in diesem Block ein, da diese mit großer Begeisterung von den Teilnehmenden aufgenommen wurden und sie selber auch eine weitere gruppendynamisch positive Entwicklung beobachteten. Gerade den asylsuchenden jungen Erwachsenen, welche kaum gute Aussichten auf ein erfolgreiches Asylverfahren hatten, fiel es zu Beginn schwer, sich fallen zu lassen, dies gelang jedoch mit jeder Übung mehr, so wurde das gemeinsame sich Auffangen in der Gruppe, meist mit musikalischer Begleitung und zunehmend als Teil von anderen körperlichen und tänzerischen Übungen, zu einer immer schöneren Erfahrung, welche auch intensiv für das spätere Stück genutzt wurde. Weiterhin wurden in diesem Block das erste Mal größere Improvisationen zum Thema "Warten" durchgeführt, welche später für den grundsätzlichen Aufbau des Stücks genutzt wurden. Die Arbeit am Material war ebenfalls zentral in dieser Phase. Die Werkmeisterin Marina Wolf hatte bereits im Vorhinein verschiedenste Materialien (Folien, Kisten, Papierbahnen, Stäbe und Sockel usw.) gesammelt. Gemeinsam wurde nun probiert, auf welche Weisen man mit diesen Materialien umgehen kann. So entstanden organisch innerhalb der Improvisationen Bushaltestellen, Tunnel, Türme, Unterschlupfe aber auch Plastiken und Standbilder mit dem Material, von welchen einige das spätere, sich organisch verändernde Bühnenbild des Stückes darstellten. Gegen Ende des zweiten Blocks improvisierten die Teilnehmer mit den von ihnen mitgebrachten Texten. Interessanterweise entschieden sich erstens alle anwesenden Teilnehmer dafür, die wahre Geschichte zu präsentieren und zweitens handelte es sich bei sämtlichen präsentierten Geschichten um Lebensgeschichten bzw. eine Passage aus dem eigenen Leben. Die Teilnehmer wurden erneut darauf hingewiesen, dass sie auch andere Geschichten präsentieren können (gerade da die mitgebrachten Geschichten äußerst persönlich und emotional für die Teilnehmer waren). Auch wurde mehrmals verdeutlicht, dass nur die Geschichten derjenigen, die dies möchten, auch später in das öffentlich aufgeführte Stück einfließen würden. Erstaunlicherweise wollten jedoch sämtliche Teilnehmer ihre Geschichte öffentlich präsentieren, ein häufiges Argument war: "Es ist mir wichtig meine Geschichte zu erzählen, viele Menschen in Deutschland können unsere Situation nicht verstehen."

In der Woche zwischen dem zweiten und dritten Block schrieb die Projektleiterin Zaida Horstmann das Stück "Warten". Hierzu nutzte ich sie gesammelten Improvisationen, die körperlichen Aktivitäten und die Geschichten der Teilnehmer als Bausteine.

Im dritten und vierten Block wurde das Stück eingeübt, sowie die Kurzfilme, welche im Stück vorkamen, aufgezeichnet. Bei zusätzlichen Einzelproben wurde intensiver mit den im Stück gesprochenen Texten gearbeitet. In diesen spielte jeder sich selbst. Es ging hier nicht darum eine bestimmte Emotion zugrunde zu legen, sondern vielmehr einen eigenen und wahrhaftigen Zugang zum Gesprochenen zu finden, der auch jedes Mal anders aussehen kann. Wichtig war, dass sämtliche Geschichten nicht genau festgeschrieben wurden, es wurden also keine auswendig gelernten Texte widerholt, sondern jedes Mal frei erzählt. Somit waren die Schauspieler völlig frei darin, welchen thematischen Akzent sie in ihrer Geschichte setzen und welche Emotionen diese begleiten.

Nach den Endprobenphase wurde das Stück "Warten" im Luna Sennestadt und im Uni Q der Universität Bielefeld aufgeführt. Die Aufführung wurde filmisch begleitet. Dieser Film wurde im Rahmen der GENIALE auf dem Rathausplatz am Stand der Universität Bielefeld gezeigt.

Auch im Nachgang des Projektes besteht die WhatsApp Gruppe ZuFlucht 3.0 weiter, noch immer werden kleine Gespräche geführt und positive Entwicklungen, wie der Beginn einer Ausbildung oder der Erhalt einer Arbeitserlaubnis, geteilt und sich gefreut. Diese große Nähe, die über die gesamte Arbeit zwischen den Gruppenmitgliedern aber auch zwischen Gruppenmitgliedern und Gruppenleitung bestand, ist ausschlaggebend für das gelungene Projekt gewesen und ermöglichte es allen Beteiligten sich in einem sehr großen Maße zu öffnen.