Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
 

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FörBi

Grußwort Karl-Heinz Voßhans

Unser Kooperationspartner:

Logo des Amts für Integration

Im Jahr 2011 feierte das Projekt „FörBi - Förderunterricht für Schülerinnen und Schüler nicht deutscher Herkunftssprachen“ sein 10jähriges Bestehen – quasi die Rosenhochzeit. Zu diesem Anlass sind mir 4 Aspekte von besonderer Bedeutung:

  1. Von einer „Hochzeit“, besser gesagt von einer Partnerschaft besonderer Güte können wir sprechen, weil sich hier in besonderer Weise Interessenlagen einer Vielzahl von Menschen und Institutionen vereinen, sowohl die der Universität Bielefeld in Bezug auf Forschung, Lehre und Lehrerausbildung, die der angehenden Lehrkräfte (Praxisfeld bereits im Studium), ein öffentliches Interesse an Sprachförderung und -bildung und vor allem Bedarfe und Interessenlagen junger Menschen in der Schule, die in Deutsch, Mathematik, Englisch durch studentische Förderlehrkräfte begleitet werden. Außerdem: Ein Forscherteam hat im Auftrag des DIW herausgefunden, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund oft nur etwas mehr Aufmerksamkeit brauchen oder das Engagement eines Lehrers, Nachbarn, anderer Erwachsener, was zu einer neuen Bildungsperspektive verhilft.

  2. An dem Projekt kann man sehr gut deutlich machen, welchen Wert eine Universität für eine Stadt und die Menschen in dieser Stadt hat. Es ist eben nicht nur dem Umstand, dass es mehr jüngere Menschen in der Stadt gibt, als es sie ohne Universität gäbe, oder dass es etwas mehr Kneipenkultur hat als der Ostwestfale sie allein ohne Universität aufrecht erhalten würde, es ist mehr als ein Wirtschaftsfaktor in vielerlei Hinsicht, der bis zur Förderung der Tiefbauunternehmen reicht, wenn es darum geht, Bielefelder Straßen, die gezeichnet vom Lange-Lage-Schwerlastverkehr in Form von Querrillen nach- und zuguterletzt aufgegeben haben, zu sanieren. Es sind gerade Kooperationen mit Projekten wie dem Projekt „FörBi – Förderunterricht mit Schülerinnen und Schülern nicht deutscher Herkunftssprache“.

  3. Es war schon im Integrationsrat bei der Vorstellung der jährlichen internen Projektevaluation, vorgestellt von Frau Dr. Hinrichs, im Oktober 2011 angeklungen: Nach 10 Jahren sprechen wir immer noch von einem Projekt – die Frage ist, trifft dies noch zu?

    Was ist ein Projekt: „Ein Projekt ist ein einmaliges Vorhaben, das aus einem Satz von abgestimmten, gelenkten Tätigkeiten mit An-fangs- und Endtermin besteht und durchgeführt wird, um unter Berücksichtigung von Zwängen bezüglich Zeit und Ressourcen (zum Beispiel Geld bzw. Kosten) ein Ziel zu erreichen.“ Wir sollten uns wünschen, dass sich der im Moment noch dringende Förderansatz über kurz oder lang immer mehr erübrigt, aber er ist gegenwärtig genauso notwendig wie vor 10 Jahren. Und dies ist damit sicherlich ein Zeitraum, der einen Projektzeitraum längst überdauert hat. Aber was wäre die richtigere Bezeichnung? Ein Projekt, das einen in zeitlicher Hinsicht üblichen Rahmen überschreitet, hat schon die Weihe des Dauerprojekts erreicht.

  4. Aspekt „Sprache“: Die Diskussion um das Thema Integration wird in unserer Gesellschaft häufig und in letzter Zeit – ausgehend von der Bundesebene – immer öfter auf die Forderung „Deutsch lernen!“ reduziert.

    Selbstverständlich ist Deutsch lernen eines der wichtigen Elemente des Integrationsprozesses. Diese Forderung wird von manchen Menschen mit Migrationshintergrund aber auch als Vorwurf bzw. als Mittel zu deren Ausgrenzung aus der Mitte der Gesellschaft wahrgenommen.

    Schwächen von Kindern mit – aber auch ohne – Migrationshintergrund in der deutschen Sprache liegen sicherlich auch im Mündlichen, allerdings zu einem größeren Teil im schriftlichen Bereich.

    Will man erfolgreich Sprache fördern, brauchen wir einen anderen Gesamtkontext. Häufig wird die Muttersprache als Mittel zum Erlernen der Unterrichtssprache Deutsch kaum beachtet. Ein defizitorientierter Sprachunterricht ist für die Kinder demotivierend und führt nicht zum gewünschten Lernerfolg. Hier sehe ich beim heute im Fokus stehenden Dauerprojekt einen sehr wichtigen Ansatz: Die Qualifikation von Lehrkräften für Schule in einer Einwanderungsgesellschaft mit einem ganz anderen Blickwinkel – unter Einbeziehung des Aspekts von Mehrsprachigkeit. Sinnvolle Maßnahmen zur Verbesserung der Sprachkompetenz von Kindern und Jugendlichen im gesamten Ausbildungs-/ Bildungsbereich können nur dann verwirklicht werden, wenn sich ein grundsätzlich neues Verständnis von Mehrsprachigkeit in unserer Gesellschaft durchsetzt. Mehrsprachigkeit ist eine wichtige Ressource für unsere Zukunft, wird uns nur dann zugänglich werden, wenn wir sie gezielt fördern und nicht un-terdrücken. Darauf muss sich die Schule der Zukunft einstellen, dafür arbeitet auch dieses Projekt, in dem es jungen Menschen jetzt, gegenwärtig und konkret hilft, gleichzeitig künftige Lehrkräfte für die schulischen Herausforderungen der Zukunft qualifiziert.
    Und damit wird auch das Fundament dafür gelegt, schulisches Lehren und Lernen von jungen Menschen mit Migrationshintergrund nicht mehr als „Randaufgabe“ für Spezialisten wahrzunehmen, sondern als integralen Bestandteil des normalen Schulalltags. Die Verbesserung schulischer Erfolge kann nur ergänzend eine Aufgabe des Förderunterrichts sein, in erster Linie ist sie eine Aufgabe des Regelunterrichts! Und genau hieran arbeitet mittelbar auch der Förderunterricht für Schülerinnen und Schüler nicht deutscher Herkunftssprachen durch die Ausbildung der Studierenden in Hinblick auf Deutsch als Zweitsprache und Mehrsprachigkeit im Unterricht.

Hervorheben möchte ich noch die positive Aufnahme der Arbeit des Projekts im Integrationsrat aufgrund der Evaluationsprozesse, die dort dargestellt wurden. Die jährliche freiwillige interne Evaluation des Projekts und die Vorlage der Ergebnisse und Interpretationen schafft Transparenz und ermöglicht Erfolgskontrolle. Dies unterscheidet das Projekt positiv von anderen öffentlich mitfinanzierten Projekten und Aufgaben.

Für die Stadt Bielefeld darf ich sagen, dass wir diese Aufgabenstellung und das Dauerprojekt gern unterstützen.