Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft
 

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Abgeschlossene Dissertationen in der Klassichen Philologie






Dr. Kirsten Bente

Vom kreativen Umgang mit bekannten Motiven in Dichtung und Wandmalerei - Ovids Metamorphosen und die Spätphase des Zweiten Stils als Orte phantastischer Spielereien (2015)

Den Kern der Dissertation bildet eine intermedial angelegte komparative Untersuchung der römisch-pompejanischen Wandmalerei und der zeitgenössischen römischen Dichtung, wobei der Fokus im Bereich der Kunst auf der Spätphase des sog. "Architekturstils" (ab ca. 40 v. Chr.), im Bereich der Literatur auf den Metamorphosen Ovids (2-8 n. Chr.) liegt. [mehr...]


Abbildung eines Dekorations-
komplex im Cubiculum B der
Villa Farnesina in Rom.

Eine hoch interessante These Ernst Jürgen Bernbecks, die er am Ende seiner Ovid-Monographie (1967) formulierte, jedoch nur knapp erläuterte und die in der weiteren Forschung kaum Beachtung fand, lieferte den Impuls für die Untersuchung: "Der künstlerischen Haltung, die diesen Malereien [des späten Zweiten Stils] zu Grunde liegt, entspricht auf dem Gebiet der Dichtung die Darstellungsart in Ovids Metamorphosen."1

Ziel der Arbeit ist es nunmehr, auf formal-struktureller Ebene parallele Tendenzen hinsichtlich grundlegender ästhetischer Gestaltungsprinzipien freizulegen und einander gegenüberzustellen. Die zeitliche Deckungsungleichheit verstärkt die Annahme, dass beide Kunstbereiche ganz offensichtlich unabhängig voneinander - also ohne wechselseitige Beeinflussung - zu ähnlichen Ausdrucksformen gefunden und diese weiterentwickelt haben, um das neue Lebensgefühl der aurea aetas auf individuelle Weise zu artikulieren.


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1Bernbeck (1967), S. 137.


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DR. KIRSTEN BENTE [ehem. wiss. MA in der Latinistik]




Dr. Daniel Smutek

"idem sacra cano - Komik und Mehrdeutigkeit in Ovids Fasti" (2015)

Die Fasti zählten lange mit zu den am wenigsten lesenswerten Werken Ovids. Insbesondere der Vorwurf, dass der Dichter sich nur unzureichend mit der religiösen Materie seines Kalenderkommentars auseinandersetze, führte dazu, dass die altphilologische Forschung Ovids aitiologischem Lehrgedicht eher kritisch gegenüber stand. Auch die Ovid-Renaissance der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts führte nicht zu einer positiven Neubewertung der Fasti. Erst ab den 90er Jahren stieg dann die Zahl sowohl altphilologischer als auch althistorischer Publikationen, wobei aus altphilologischer Perspektive wesentlich erscheint, dass der Kalenderkommentar nun primär als literarisches und weniger als wissenschaftliches Werk akzeptiert wurde. [mehr...]


idem sacra cano - Komik und Mehrdeutigkeit in Ovids Fasti (Schriften­reihe altsprach­liche Forschungs­ergebnisse, Band 11). Hamburg 2015. Verlag Dr. Kova?, 316 Seiten, ISBN 978-3-8300-8498-3.
Cover: © Verlag Dr. Kova?

Die vielfältigen inhaltlichen Facetten der Fasti, der Genremix aus Elegie und Epos oder die Kombination von religiösen, mythischen und historischen Themen eröffnen dem Leser dabei ein breites Interpretationspektrum, was nicht zuletzt an Ovids Neigung liegt, immer wieder mehrdeutige Äußerungen zu integrieren. Diese können, je nach individuellem Verständnis, auch komisch aufgefasst werden. Da es keine allgemein akzeptierte Definition dessen gibt, was komisch ist, ist ein komiktheoretischer Zugang fraglos immer subjektiv. Dennoch bietet Ovids Kalenderkommentar zahlreiche Episoden, die auch ohne humortheoretische Analyse lustig sind.

Hierzu zählen etwa die scheiternden Vergewaltigungsversuche von Priapus und Faunus. Neben diesen offenkundig amüsanten Burlesken beinhalten die Fasti allerdings auch eine Vielzahl an Erzählungen, deren potentielle Komik sich erst bei genauer sprachlicher Untersuchung erschließt, da unter anderem Polyseme zur Mehrdimensionalität von Ovids Aussagen beitragen. Auch die Verwendung des poetischen Plurals erfährt eine komische Note, wenn die persona des Dichters auf die körperliche Anomalie des zweiköpfigen Gottes Janus anspielt. Subversiv wirkt Ovid, wenn er Romulus und Augustus gegenüber stellt und sich dabei Vergleichskriterien bedient, die den princeps so eindeutig ins positive Licht rücken, dass das Lob ironisch wirkt. Unerwartet, aber der Chronologie des Kalenders geschuldet, erscheint auch der Kriegsgott Mars in dem im elegischen Distichon verfassten Lehrgedicht, was Ovid humorvoll zur poetologischen Standortbestimmung nutzt. Dabei gilt es allerdings immer zu berücksichtigen, dass Ovid nicht über die Protagonisten epischer Szenarien wie Romulus oder Herkules spottet, sondern vielmehr die normative Erwartungshaltung gegenüber einem epischen Helden karikiert. Dass Ovid auch in einem national-religiösen Kalenderkommentar an sein Vorleben als Liebesdichter anknüpft, unterstreicht der Dichter nicht zuletzt in zahlreichen erotischen Episoden. Die Göttin Venus entlockt ihm in einem Dialog das mehrdeutige Bekenntnis, dass der Tenor der Amores oder der Ars amatoria augenscheinlich in den Fasti fortlebt, was der Dichter im Proömium des zweiten Fastenbuchs, natürlich ebenfalls mehrdeutig, bereits ankündigte: idem sacra cano...



UB Bielefeld (Standort: 15 UQ060.05 S666)




Dr. Martin Dreischmeier

Sprache als humanisierende Macht:
Die Singularität des Lateinischen in Lorenzo Vallas Quintilian-Rezeption (2015)

Das Promotionsvorhaben, das eine Verbindung zwischen der antiken Rhetorik-Tradition und der humanistischen Sprach- und Bildungsdebatte herstellt, fußt auf Vorstudien zu Quintilians Konzeption des Redners als vir bonus dicendi peritus, als Allmensch, der zugleich sittlich gut und rhetorisch begabt sein soll, ja der Ersteres nur dann überzeugend in einem intersubjektiven Rahmen vermitteln kann, wenn er über sprachliche Mitteilungs- und Selbstdarstellungskompetenzen verfügt. [mehr...]


Sprache als humanisierende Macht. Die Singularität des Lateinischen in Lorenzo Vallas Quintilian-Rezeption (Noctes Neolatinae 29). Hildesheim 2017
Olms, 482 S., Paperback, ISBN: 978-3-487-15555-5
Cover: © Olms

Besonders Lorenzo Valla, Verfasser der Elegantiae linguae Latinae, des "ersten modernen Handbuch[s] für den klassischen Sprachgebrauch" (Grafton/Most), propagiert in der frühen Renaissance Quintilians Werk (das er in verwegenem Einzelgängertum sogar gegenüber dem Ciceros bevorzugt), indem er der Ansicht folgt, dass wahre Humanität von der Beherrschung des klassischen Lateins abhänge - wobei er über Quintilian hinausgreifend dem Lateinischen überhaupt einen Vorrang unter den Sprachen einräumt.

Das Dissertationsprojekt möchte das Augenmerk auf den näheren argumentativen Zusammenhang zwischen Sprachbeherrschung und Bildung im Werke Vallas richten und dabei aufweisen, wie grammatikalische Überlegungen, vor allem solche zur einzigartigen Distinktionsfähigkeit der klassischen Semantik, mit Vallas Verständnis der humanitas in einem komplexen Geflecht aus Stilbewusstsein und Traditionalismus, Kanonbildung und gleichzeitigem Gegenwartspathos, Elitarismus und Republikanismus zusammenwirken - darin gipfelnd, dem Lateinischen in seiner supranationalen Wirksamkeit gleichsam göttliche Heiligkeit zuzusprechen.



UB Bielefeld (Standort: 15 UX940.05 D771 )

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DR. MARTIN DREISCHMEIER [ehem wiss. MA in der Latinistik (bis WS 2014/15)]




Dr. Rudolph Kremer

Formen religiöser Abweichung in Rom zwischen Republik und Prinzipat (2015)

Gegenstand dieser Arbeit ist die Antinomie von religio und superstitio, einem Dualismus, der erstmalig zur römischen Zeitenwende (im ersten Jahrhundert v. Chr.) erscheint. [mehr...]


Glaube und Aberglaube. Wie aus Religion und Superstition ein Gegensatz wurde . Marburg 2016
Tectum Verlag. 303 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-8288-3642-6. Cover: © Tectum Verlag

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll erörtert werden, dass die fest aufeinander bezogene Prägung dieser zwei Begriffe maßgeblich von den politisch-sozialen Umständen der römischen Zeitenwende bestimmt ist: Der geistigen und politischen Führungsschicht in Rom geht es - in den letzten Jahrzehnten der alten Republik wie in den ersten Jahrzehnten des Prinzipates - darum, den traditionellen cultus deorum zu festigen bzw. zu fördern und von neuartigen, unrömischen und individualistischen Einflüssen zu bereinigen bzw. rein zu halten; dieses Bestreben kommt in der dualistischen Verwendung der Begriffe religio und superstitio zum Ausdruck, wobei religio insgesamt eine positive Bedeutung erhält, indem es für den traditionellen Kult steht, und superstitio als explizites Negativurteil sämtliche soziokulturelle bzw. kultische Phänomene beschreibt, die in einem klaren Gegensatz zu religio gesehen und von dieser abgegrenzt werden sollen.

Der Schwerpunkt der Betrachtungen liegt in dieser Arbeit auf dem superstitio-Begriff, welcher nicht einfach mit der deutschen Bedeutung "Aberglaube", einem nur subjektiv gültigen Ausdruck für einen "falschen" oder "irrigen" Glauben, gleichgesetzt werden kann; natürlich geht es in dem religiös-kultischen Vergleichsrahmen von religio und superstitio auch um "falsche" Glaubensansichten, diese stehen allerdings nicht im Vordergrund. Anhand einer systematischen Zusammenstellung sämtlicher kultischer (i. e. insbesondere divinatorischer und magisch gefärbter) Erscheinungen, die mit dem superstitio-Begriff in Verbindung stehen, soll dem römischen Verständnis von superstitio zur Zeitenwende aus der Sicht der geistig-politischen Elite Roms auf den Grund gegangen werden; ein entsprechend umfassender Vergleichsversuch ist meines Wissens bisher noch nicht unternommen worden. Es sollen konkrete inhaltliche Kriterien für die Verwendung des superstitio-Begriffes in Abgrenzung von religio aufgespürt werden; eine Bezugnahme auf begriffsetymologische Versuche ist dabei unumgänglich. Es ist zu zeigen, dass sämtliche Formen von superstitio in Rom zur Zeitenwende nach den gleichen inhaltlichen Negativkriterien beurteilt und von den positiven Charakteristika der religio abgegrenzt werden.

Darüber hinaus soll eine profane Nebenverwendung des superstitio-Begriffes berücksichtigt werden, die im Sinne einer aufgeklärt rationalen Sichtweise als eine Annäherung an den modernen Aberglaubebegriff gesehen werden kann. Phänomene, die aus dieser Perspektive als superstitio ("Aberglaube") eingestuft werden, ernten von der geistig-politischen Elite Roms zwar Spott und Verachtung, werden aber nicht weiter geahndet; wo superstitio hingegen nach diversen Kriterien von religio abgegrenzt wird, ist dies mit strenger Beobachtung und Reglementierung, mitunter sogar Verfolgung der superstitiösen Phänomene verbunden.



UB Bielefeld (Standort: 27 AZ750 K92 )




Dr. Dorit Funke

Das Selbstverständnis des Dichters und das Bild des Herrschers: Vergils Eclogen und Georgica (2008)

Zitation:

Funke, Dorit. Das Selbstverständnis Des Dichters Und Das Bild Des Herrschers: Vergils Eclogen Und Georgica. Univ. Diss, Bielefeld (N. p.), 2008.

UB Bielefeld (Standort: 15 UP920.05 F982)




Dr. Katja Schlingmeyer

Gelegenheitsdichtung als Medium am Beispiel der römischen Dichter Statius und Martial (2006)

Zitation:

Schlingmeyer, Katja. Gelegenheitsdichtung Als Medium Am Beispiel Der Römischen Dichter Statius Und Martial. Univ. Diss, Bielefeld (N. p.), 2006.

UB Bielefeld (Standort: UQ500.05 S344)