UniBi > Universität Bielefeld > LiLi-Fakultät > Studium > Fächer/Studieng. > Linguistik > buch_online
http://www.uni-bi.de/lili/studium/faecher/linguistik/buch_online/kapitel37.html
Marianne Jaffke (Webversion vom 28.07.2010)

"Sprache Studieren" - Abschlussarbeiten

Tim Bernard

Viele Studierende sehen sich bei der Anfertigung einer Magister-, Diplom- oder Bachelor-Arbeit vor eine große Herausforderung – und manchmal leider auch vor ein großes Problem – gestellt. Viele Fragen drängen sich auf: ‚Wie macht man so was?’, ‚Worüber soll ich überhaupt schreiben?’ oder auch ‚Wie soll ich das denn alles wissen?’.

Nur Mut und nicht verzweifeln! Wenn Sie unsere Ratschläge zum Anfertigen von Referaten, Hausarbeiten und Klausuren in Abschnitt 3.2 beherzigt haben, sind Sie der Lösung des Problems schon sehr nahe. Und wenn Sie dann noch einen Abschlussarbeitsordner anlegen, in den Sie alle Informationen und Überlegungen hierzu – auch wenn Sie sie bereits wieder verworfen haben – abheften, dann sehen Sie, wie die Arbeit von Tag zu Tag wächst – beinahe wie von selbst.

Vorbereitung I: Themenauswahl Wie in Abschnitt 3.2 und 3.4 näher beschrieben, sollten Sie sich möglichst immer ein Thema suchen, welches sowohl praktisch verwertbar als auch fesselnd genug für Sie selbst ist. Das mag kompliziert klingen, häufig aber finden sich solche Themen leicht im angestrebten Tätigkeitsfeld. Erkundigen Sie sich bei Ihren eventuellen Praktikumsstellen oder auch bei potentiellen Arbeitgebern. Bedenken Sie bitte: Je ausgeprägter der Praxisbezug Ihrer Abschlussarbeit, desto interessanter werden Sie als Bewerber!

Je früher Sie beginnen, sich eine interessante Fragestellung für diese Arbeit zu suchen, desto besser können Sie Ihr Studium gestalten und desto geringer wird Ihr Arbeitsaufwand. Hier sei auf die großen Möglichkeiten des Praktikums hingewiesen; suchen Sie sich eine Fragestellung, die auch für potentielle Arbeitgeber interessant ist. Während des Praktikums finden Sie viele solcher möglichen ‚Abschlussarbeitsthemen’! Damit erleichtern Sie sich die Arbeit und bieten zusätzliche Anreize, Sie nach Beendigung des Studiums einzustellen (siehe Abschnitt 3.4).

Es bietet sich auch oft an, Abschlussarbeiten im Rahmen von an der Universität durchgeführten Forschungsprojekten anzufertigen. Dies hat häufig den zusätzlichen Vorteil, dass Sie sich im Rahmen einer Projektstelle ein zusätzliches Einkommen verdienen können. Gerade für Studierende von Magister- bzw. Bachelor-Studiengängen gilt zu bedenken: Erfinden Sie das Rad nicht zweimal! Achten Sie bei der Auswahl des Themas auch auf die Themen Ihrer bereits angefertigen Hausarbeiten und Referate. Häufig lassen sich diese sehr gut in die Abschlussarbeit einbauen.Haben Sie sich ein vorläufiges Thema überlegt, so sollten Sie sich intensiv mit dem nächsten Arbeitsschritt beschäftigen und mit Ihrem betreuenden Dozenten sprechen.

Vorbereitung II: Formulierung der Fragestellung

In die genaue Herausarbeitung der Fragestellung kann nicht zu viel Arbeit investiert werden. Vielleicht haben Sie ein Thema gefunden, welches Ihnen liegt und über das Sie schon einiges an Wissen haben. Trotzdem ist es schwer, eine konkrete, genau ausformulierte Fragestellung zu finden. Seien Sie an dieser Stelle nicht zu flexibel und arbeiten Sie erst weiter, wenn Sie Ihre Frage schriftlich vor sich liegen haben. Die genaue Formulierung der Fragestellung hilft ungemein, z.B. bei der Sichtung der Literatur auf Kurs zu bleiben und den notwendigen Arbeitsaufwand abzuschätzen. Erst mit der konkreten Fragestellung sollten Sie sich an einen Entwurf der Arbeit machen, der vor allem einen Zeitplan und Ihre methodische Vorgehensweise umfasst.

Spätestens wenn Sie nun Ihre Unterlagen Ihrem Betreuer vorlegen, werden Sie sehen, dass ein großer Teil Ihrer Arbeit bereits erledigt ist. Die nun folgenden Schritte mögen zwar zeitintensiver sein, dennoch sind sie eher als Fleißarbeit einzuschätzen.

Vorbereitung III: Literaturrecherche

Nachdem Sie nun eine genaue Vorstellung und den passenden Fahrplan für Ihre Abschlussarbeit in den Händen halten, sollten Sie beginnen, sich mit der Literatur zu beschäftigen (siehe Kapitel 4.3). In der Bibliothek und im Internet finden Sie viele Quellen zu der von Ihnen formulierten Fragestellung. Sie werden merken, dass die genaue Formulierung Ihrer Frage Ihnen das Suchen und die Auswahl erleichtert.

Sobald Sie einen oder mehrere hilfreiche Texte gefunden haben, sollten Sie sich einen guten Rat zu Herzen nehmen: Notieren Sie sofort die genaue Quellenangabe! Es passiert immer wieder, dass Studierende ihre Arbeiten fertig geschrieben haben und ‚nur noch’ die Quellenangaben recherchieren müssen. Dies wird gerade dann schwierig, wenn mehrere Studierende an ähnlichen Themen schreiben und Bücher dann beispielsweise verliehen sind.

Über die richtige Art der Literaturangabe kann man sich immer streiten und sie kann eine Wissenschaft für sich sein! Daher unser Rat: Fragen Sie bei Ihrem Betreuer nach, wie er sich die Literaturangaben vorstellt. Im Anschluss finden Sie zwar einige Hinweise, wie solche Quellenangaben aussehen können, aber es gibt mehrere konkurrierende Standards zu dieser Frage. Daher: fragen Sie lieber nach!

Einige immer gültige Aussagen über den Umgang mit Quellen sind allerdings diese:

Die Bezugnahme auf Quellen geschieht manchmal in Form von Zitaten. Diese können entweder nur kurz sein, dann werden sie in Anführungszeichen gesetzt in den Text integriert. In Klammern angegeben werden dabei: Autorenname, Erscheinungsjahr und Seitenzahl. Eleganter und in vielen Fällen besser lesbar ist es allerdings, nicht wörtlich, sondern sinngemäß zu zitieren.

Längere wörtliche Zitate werden nicht in Anführungszeichen, sondern als gesonderter Textblock wiedergegeben, wobei hier durchaus eine andere Schrifttype als im normalen ‚selbstgeschriebenen’ Text verwendet werden soll; das Zitat ist dann leichter als solches zu erkennen, z.B.:

Über die richtige Art der Literaturangabe kann man sich immer streiten und sie kann eine Wissenschaft für sich sein! Daher unser Rat: Fragen Sie bei Ihrem Betreuer nach, wie er sich die Literaturangaben vorstellt. (Bernard, T., 2003: S. 92)

Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Fußangeln beim richtigen Umgang mit Literaturangaben, daher verweisen wir an dieser Stelle auf die sehr übersichtlichen Erläuterungen der Deutschen Gesellschaft für Psychologie von 1997 und auch auf den noch wesentlich detaillierteren Leitfaden “Wie verfasst man wissenschaftliche Arbeiten” (Poenicke, 1988).

Lassen Sie sich aber bitte nicht entmutigen: Für die Ausarbeitung einer Magister-, Master- oder Bachelor-Arbeit ist es vollkommen ausreichend, sich den gängigen ‚Fakultätsstandard’ anzueignen und im Zweifel die Angaben in Rücksprache mit dem Betreuer zu machen.

Gliederung Nachdem Sie die drei Vorbereitungsphasen Themenauswahl, Formulierung der Fragestellung und Literaturrecherche vorläufig abgeschlossen und eine Fülle von Notizen hierzu in Ihrem Abschlussarbeits-Ordner angesammelt haben, sind Sie gut vorbereitet, in das eigentliche Verfassen der Arbeit einzusteigen. Die Gliederung einer Abschlussarbeit entspricht genau den Punkten, die Sie größtenteils bereits aus dem 3x3-Schema der Lehr-Lern- Kommunikation aus Abschnitt 3.2 kennen. In der Tabelle sind diese Punkte nochmals zusammengefasst, wobei es vom jeweiligen Thema abhängt, ob einem Punkt ein oder mehrere Kapitel zugeordnet werden:

Einleitung Beim Verfassen der Einleitung müssen Sie zunächst einmal herausfinden, welchen theoretischen Hintergrund Sie benötigen. Welche Theorien kennen Sie, die sich vielleicht auf Ihre Fragestellung ‚anwenden’ lassen? Stöbern Sie ruhig auch über den ‚Tellerrand’ Ihres Fachgebietes hinaus. Sagen wir, Sie beschäftigen sich mit der Fragestellung ‚Wie lässt sich die MSWord- Hilfe leichter verständlich gestalten?’. Hierzu werden Sie in Ihrer Theoriesuche leicht fündig unter Stichworten wie ‚Kommunikationsoptimierung’ und ‚Mensch-Maschine-Kommunikation’. Weitere Hinweise finden Sie auch in einfachen Ratgebern wie z.B. “MS-Word for Dummies”. Vergleichen Sie die in diesem Ratgeber aufgeführten Erklärungsversuche mit Ihren Erfahrungen am Computer. Sie werden vielleicht feststellen, dass viele Probleme dadurch entstehen, dass die Online-Hilfe Ausdrücke verwendet, die dem ‚normalen’ Benutzer nicht geläufig sind.

Methode Dieses Kapitel Ihrer Arbeit gibt Aufschluss, wie Sie vorgegangen sind, um die Antwort auf Ihre Fragestellung zu finden. Sagen wir, Sie haben sich zur Durchführung eines Experimentes entschlossen. Dann sollten Sie nun angeben, warum und mit welchem Ziel Sie das Experiment durchführen. Sie sollten sagen, wer Ihre Versuchspersonen waren, welchen Erfahrungshorizont diese haben und wie die konkrete Aufgabenstellung des Versuches ist.

Sie können Ihre ‚Versuchskaninchen’ z.B. beauftragen, unter Zuhilfenahme der Word-Hilfe ein automatisches Inhaltsverzeichnis für ein vorgegebenes Dokument zu erstellen. Beobachten Sie sie dabei. Notieren Sie das Vorgehen und verteilen Sie anschließend Fragebögen zum Ablauf. Nun haben Sie Material, welches Sie analysieren können. Im Abgleich mit den von Ihnen vorgestellten Theorien können Sie nun z.B. eine revidierte Anleitung für die Aufgabe erstellen.

Um Ihre Vorschläge zu überprüfen, können Sie einen zweiten Versuchsdurchgang machen. Diesmal erhalten alle Teilnehmer die von Ihnen revidierte Anleitung. Protokollieren Sie hier ebenfalls das Vorgehen der Versuchspersonen. Einzelheiten zum Vorgehen im Rahmen der Kommunikationsoptimierung finden Sie bei Strohner und Brose (2002).

Resultate In diesem Teil Ihrer Arbeit sollten Sie die Ergebnisse Ihres Versuches vorstellen. Dabei kann eine quantitative Vorgehensweise nützlich sein, etwa: ‚Wie viele der Kandidaten haben die Aufgabe erfüllt?’ oder ‚Welche Arbeitsschritte haben viel Zeit gebraucht?’. Auch eine qualitative Auswertung ist möglich. Interessant wäre zum Beispiel die Frage ‚Was war unterschiedlich an der Vorgehensweise derjenigen Kandidaten, die die Aufgabe erfüllt haben?’. Bedenken Sie, dass Sie zwei Durchgänge des Experimentes durchgeführt haben. Welche Unterschiede haben sich ergeben?

Diskussion Die Interpretation Ihrer Ergebnisse und die daraus zu ziehenden Schlüsse stellen Sie nun im abschließenden Teil der Arbeit vor. Die Diskussion ist der Teil der Arbeit, in dem Sie zeigen, dass Sie sich so gut mit der Fragestellung beschäftigt haben, dass Sie dazu eine fundierte Meinung abgeben können. Die Fragen, die Ihnen bei der Erstellung dieses Teiles helfen, sind einfach: ‚Was sagen die Ergebnisse aus?’ – ‚Lässt sich auf Grund der erhaltenen Daten eine Aussage über den theoretischen Hintergrund und die Methodik des Vorgehens treffen?’ – ‚Ist meine Fragestellung beantwortet?’ – ‚Ist sie dies nicht: ‚Warum nicht?’.

Schlussbetrachtung Die Schlussbetrachtung dürfen Sie auf keinen Fall vernachlässigen, denn in ihr heben Sie auf Ihre eigene Sichtweise der Diskussion ab. Sie zeigen damit, dass Sie sich eine eigene Meinung zu der Fragestellung erarbeitet haben und diese auch überzeugend begründen können. Ganz zum Schluss verweisen Sie auf die weiterführenden Perspektiven Ihres Beitrags und dass sich daraus vielfältige zukünftige Forschungsmöglichkeiten ergeben.

Zusammenfassung Wenn Sie mit dem Schreiben der Arbeit fertig sind, versuchen Sie das Wesentliche kurz zusammenzufassen. Das hilft Ihnen selbst, sich zum Schluss der Arbeit nochmals die wichtigsten Aspekte zu verdeutlichen, und dem Leser hilft es, diese Punkte auch zu erkennen. Deshalb stellen Sie die Zusammenfassung, die oft auch als Abstract bezeichnet wird, ganz an den Anfang Ihres Werkes!

Die Zusammenfassung sollte folgende Kriterien erfüllen:

Kürze Die Zusammenfassung soll so kurz wie möglich sein: 100 bis 150 Wörter!
Vollständigkeit Die Zusammenfassung soll alle wichtigen Informationen enthalten, die notwendig sind, um die Relevanz der Ergebnisse einschätzen zu können.
Genauigkeit Inhaltliche Schwerpunkte und Meinungen der Arbeit sollten beibehalten werden. Die Zusammenfassung darf keine Informationen enthalten, die in der Arbeit nicht genannt werden!
Objektivität Die Zusammenfassung soll den Inhalt der Arbeit ohne Wertung wiedergeben.
Verständlichkeit Die Zusammenfassung muss auch ohne Fachkenntnisse verständlich sein. Abkürzungen müssen bei der ersten Nennung erläutert werden. Bilden Sie kurze Sätze!

Literaturverzeichnis Jede wissenschaftliche Arbeit benötigt ein Literaturverzeichnis, welches sich am Ende der Arbeit befindet und (wie oben erwähnt) alle behandelten Quellen beinhaltet. Die Literaturangaben im Verzeichnis sind alphabetisch geordnet nach den Nachnamen der Autoren und Autorinnen. Mehrere Werke desselben Autors, derselben Autorin werden chronologisch nach ihrem Erscheinungsjahr geordnet (also von alt zu neu).

Falls sich das Zitat auf einen Aufsatz in einem Sammelband oder Artikel in einer Zeitschrift bezieht, gilt folgende Faustregel: Es wird der Titel unterstrichen oder kursiv geschrieben, unter dem sich die Publikation im Bibliothekscomputer finden lässt! Das vorliegende Kapitel ist erschienen im Buch “Sprache studieren”, daher ist der Titel des Buches kursiv angegeben. Exemplarisch hier also ein Literaturverzeichnis für diesen Abschnitt:

Weitere nützliche Hinweise zu Zitierregeln allgemein und weiteren Hinweisen zum Umgang mit fremden Texten finden sich auf der folgenden Webseite der Universität Berlin: www.ub.fu-berlin.de/service/einfuehrungen/bookmarks/zitieren.html.