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Marianne Jaffke (Webversion vom 28.07.2010)

"Sprache Studieren" - Wichtige Basiskompetenzen

Gea Bernard und Hans Strohner

Wie jedes Hochschulstudium wird das Studieren von Sprache dadurch unterstützt, dass Sie neben entsprechender Motivation und Interesse am Thema über bestimmte Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen. Meist erwerben Sie Teile dieser Fähigkeiten und Kenntnisse im Laufe Ihrer schulischen Ausbildung. Es ist jedoch hilfreich, wenn Sie darüber hinaus Ihre Studienaktivitäten nach den künftigen Anforderungen ausrichten. Dies belegt eine empirische Studie von Birgit Wannewitz (1999) über die Einstellungsaussichten von Geisteswissenschaftlern in der Wirtschaft (s. Abschnitt 7.1).

Zu den Voraussetzungen, die Sie mitbringen sollten, um erfolgreich Sprache zu studieren, gehören – paradoxerweise? – nicht unbedingt vielfältige, breit gestreute Sprachkenntnisse. Gute Kenntnisse der englischen Sprache sind allerdings ein ‚Muss’ – schon deshalb, weil Englisch die Wissenschaftssprache schlechthin ist. Das mag gut sein, das mag schlecht sein:
Es ist einfach so, und Sie müssen damit zurechtkommen. Tatsächlich wird ein beträchtlicher Teil der sprachwissenschaftlichen Forschungsergebnisse in englischer Sprache veröffentlicht; Sie müssen sich also auch bei einem Germanistik-Studium darauf einstellen, englische Fachtexte zu lesen, auszuwerten und zu referieren.

Sicherlich sind Sie bei Ihrer Beschäftigung mit den heutigen Berufsperspektiven auf den Begriff der Schlüsselqualifikationen gestoßen und haben sich überlegt, was sich denn eigentlich hinter diesem eigentümlichen Begriff verbirgt. Wenn Sie über diese Frage mit dem Chef der Personalabteilung eines Unternehmens, mit einem Schulleiter oder einem Bürgermeister sprechen, werden die Ihnen klarmachen, dass es neben den fachlichen Kompetenzen noch Fähigkeiten allgemeinerer Natur sind, die über den Erfolg oder Misserfolg im Beruf entscheiden. Zu den am häufigsten genannten gehören die folgenden Eigenschaften:

Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Zuverlässigkeit,
Problemlösefähigkeit, Denken in Zusammenhängen, Kreativität,
Computerkenntnisse, Medienbeherrschung,
mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeit, Fremdsprachen,
Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen,
Vermittlungskompetenz, Führungsbereitschaft.

Diese Fähigkeiten tauchen jedoch in Hochschul-Curricula selten als Titel von Lehrveranstaltungen auf. Bei jedem Studium sollte deshalb darauf geachtet werden, dass diese Kompetenzen genauso intensiv eingeübt werden wie die fachlichen Kompetenzen.

In den folgenden Abschnitten geben wir einige Hinweise, wie diese Zielsetzung praktisch realisiert werden kann. Wir gehen dabei so vor, dass wir an der so genannten Persönlichkeit eines Menschen ansetzen und die damit verbundenen Kompetenzen schrittweise nach außen durch Berücksichtigung gewisser Umweltaspekte erweitern. Bei der Auseinandersetzung einer Person mit ihrer Umwelt ist oft die Problemlösefähigkeit gefragt, für die heute in vielen Fällen zusätzlich vielfältige Medienkompetenzen benötigt werden. Für eine erfolgreiche Kooperation mit anderen Menschen sind Kommunikations- und Teamkompetenzen grundlegende Voraussetzungen, und schließlich münden alle diese Fähigkeiten in die Kompetenz, anderen Menschen diese eben genannten Kompetenzen zu vermitteln.

Diese zum Teil hierarchische Beziehung der einzelnen Kompetenzen zueinander lässt sich wie folgt veranschaulichen: